Sa, 16. Dezember 2017

Gedenken an Opfer

17.09.2014 14:58

Wilderer-Massaker von Annaberg: Ein Jahr danach

Tag des Gedenkens an die Morde von Annaberg vor einem Jahr: Am 17. September 2013 starben drei Polizisten, darunter ein Cobra-Beamter, sowie ein Sanitäter bei Schießereien mit einem Wilderer im Bezirk Lilienfeld in Niederösterreich. Der Täter, der 55-jährige Alois Huber, verschanzte sich danach in seinem Anwesen in Großpriel bei Melk, wo er schließlich seinem Leben selbst ein Ende setzte. Bei einem Festakt wurde am Mittwoch mit der Enthüllung eines Gedenksteins der Opfer gedacht.

Der 7,5 Tonnen schwere Gedenkstein - er soll an die Opfer des Amoklaufs erinnern, "die in Ausübung ihrer Pflicht am 17. September 2013 ihr Leben lassen mussten", wie zu lesen ist - fand seinen Platz an der Kreuzung B20/B28. Die notwendige Fläche war vom Land Niederösterreich zur Verfügung gestellt worden. Bei der Segnung des Gedenksteins und einer Feldmesse fanden sich nach Polizeiangaben rund 1.000 Menschen ein, unter ihnen auch Angehörige der Opfer.

Mikl-Leitner: "17. September 2013 einer der dunkelsten Tage"
Innenministerin Johann Mikl-Leitner rief bei der Gedenkfeier dazu auf, "niemals zu vergessen". "Der 17. September 2013 war einer der dunkelsten Tage in der Geschichte der österreichischen Blaulichtorganisationen", erinnerte sie. Der Gedenkstein sei "eine Stätte, die uns an Menschen erinnert, die sich für uns eingesetzt haben". Landesrat Stephan Pernkopf, in Vertretung von Landeshauptmann Erwin Pröll bei der Feier, fand ähnliche Worte. "Der Gedenkstein macht deutlich, dass wir das Verbrechen nicht vergessen und verdrängen, sondern den Opfern ein würdiges Andenken bewahren."

St. Pöltens Diözesanbischof Klaus Küng nahm die Segnung vor. Er sehe die Stätte als "Einladung zum Gebet". Vor der Feierstunde fand ein gemeinsamer Sternmarsch von Rettungskräften und Polizisten statt.

Kaltblütige Morde
Die Morde von Annaberg waren einer der spektakulärsten und gleichzeitig tragischsten Kriminalfälle überhaupt in Österreich. Die Schreckensereignisse nahmen ihren Lauf, als Fahnder nahe Annaberg nach einem Wilderer suchten. Kurz nach Mitternacht durchbrach plötzlich der 55-jährige Alois Huber eine Straßensperre und eröffnete kurz darauf das Feuer.

Auf der Flucht kam der 55-Jährige mit dem Auto von der Straße ab und prallte gegen einen Zaun. Huber schoss dann auf einen Streifenwagen und tötete einen 38-jährigen Cobra-Beamten. Ein Rettungsfahrzeug geriet ebenfalls ins Visier des Schützen, ein 70-jähriger Sanitäter wurde tödlich getroffen. Auf seiner weiteren Flucht zu Fuß stieß der Mann bei Lassinghof auf eine Streife und feuerte auf die im Wagen sitzenden Beamten. Der Lenker (51) kam ums Leben, der Wilderer zog den Toten aus dem Auto und warf ihn auf die Straße. Er tötete auch den zweiten Polizisten (44) und fuhr im Streifenwagen mit der Leiche zu seinem Anwesen in Großpriel bei Melk. Dort verschanzte er sich.

Verkohlte Leiche in Geheimversteck entdeckt
Ein Großaufgebot an Beamten, darunter Dutzende Spezial-Einsatzkräfte, umstellte in der Folge den Vierkanthof. Auch drei Panzer des Bundesheeres rückten an, Hubschrauber wurden angefordert. Immer wieder schoss Huber aus dem Haus. Erst Stunden später drangen Beamte in den Hof ein. In einem Geheimraum im Keller stießen sie schließlich auf die verbrannte Leiche des Täters. Der Wilderer hatte Feuer gelegt, ehe er sich mit einem Kopfschuss selbst gerichtet hatte.

Huber beging insgesamt 108 Straftaten
Monatelange Ermittlungen waren die Folge. In dem Geheimraum stieß die Polizei auf ein enormes Waffenarsenal, unzählige Jagdtrophäen und andere gestohlene Gegenstände. Fast drei Monate nach der Bluttat, am 19. Dezember, war die Sicherstellung der gestohlenen Gegenstände, u.a. 305 Schusswaffen, Munition, 90 Hirsch- und etwa 500 Reh- sowie 100 weitere Jagdtrophäen, abgeschlossen. Insgesamt wurden Alois Huber 108 Straftaten in mehreren Bundesländern zugerechnet, der Schaden wurde mit 9,8 Millionen Euro beziffert.

"Wir haben alles erhoben"
Für die Polizei ist der Fall abgeschlossen: Ende Mai wurde ein Evaluierungsbericht vorgestellt. Der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Konrad Kogler, sagte zum Jahrestag der Bluttat: "Wir haben alles erhoben, was für uns von Interesse war." Der Fall sei für die Exekutive eine Novität gewesen: "Es bleibt jemand am Tatort und sucht bewusst diese Konfrontation - mehrfach", schilderte Kogler das Geschehen. Alois Huber habe ein "atypisches Verhalten" an den Tag gelegt. Durch den Selbstmord des 55-Jährigen seien aber letztlich nicht alle Fragen zu beantworten gewesen.

Taktische und organisatorische Konsequenzen
Eine Folge des Evaluierungsberichts war die Neubewertung der Tragepflicht der Schutzwesten: Anders als zuvor habe man eindeutig festgelegt, "bei gefahrengeneigten Tätigkeiten zumindest die leichte Schutzweste zu tragen", ergänzte der Leiter der Einsatzkommandos Cobra, Bernhard Treibenreif. Es sei denn, wesentliche einsatztaktische Überlegungen sprechen dagegen.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Empfehlungen aus dem Evaluierungsbericht soll in Kooperation mit dem Bundesheer umgesetzt werden. Dabei geht es um die Verfügbarkeit gepanzerter Fahrzeuge, wie es in dem Bericht angesprochen wurde. Kogler will auch, dass in Zukunft bei bestimmten Einsatzlagen immer ausgebildete Rettungssanitäter dabei sind. Mit den Rettungsorganisationen sollen darüber hinaus entsprechende Prozesse für die Zusammenarbeit überlegt werden.

Zudem kritisierte ein Gutachter die von der Polizei verwendete Munition als nicht mehr "zeitgemäß". Die Polizei habe den Wilderer trotz der Abgabe Dutzender Schüsse nicht stoppen können.

Kritik an Evaluierungsbericht
Für die FPÖ birgt der Evaluierungsbericht hingegen einige Ungereimtheiten. Die "öffentliche Darstellung ist widersprüchlich zu den internen Ergebnissen", sagte Bundesrat Werner Herbert, gleichzeitig auch Vorsitzender der Freiheitlichen Exekutivgewerkschaft AUF. Eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft wurde angekündigt.

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