Fr, 23. Februar 2018

Hausbau-Trend

16.09.2014 14:39

Das große Comeback des Bungalows

Sie sind wieder voll da! Bungalows erobern die Herzen der heimischen Bauherrn. Und das, obwohl die Kult-Ferienhäuser der 60er und 70er nicht nur Vorteile bieten. Allerdings bestechen die modernen Versionen der "Häuser auf einer Ebene" mit architektonischer Vielfalt und zum Teil ganz spektakulärer Glasarchitektur.

Bungalows galten in unseren Breiten jahrzehntelang als typische Ferienhausdomizile. Einfach strukturiert auf einer Ebene, Flachdach und große Fenster, so lässt sich das bislang vorherrschende Image des Bungalows ganz gut zusammenfassen. Vielfach werden Bungalows auch heute noch mit komfortablen Aterswohnsitzen in den sonnigen Gefilden Floridas in Verbindung gebracht. Und so werden diesem Modell des eingeschossigen Wohnens von so manchem auch gerne amerikanische Wurzeln nachgesagt.

Nach dem Vorbild Nordindiens
Richtig ist zwar, dass sich der Bungalow auch heute gerade in den USA sehr großer Beliebtheit erfreut. Mittlerweile gibt es dafür sogar eine spezielle Haus-Modellbezeichnung: Der "amerikanische Bungalow" ist meist sehr weitläufig konzipiert, hat in den meisten Fällen ein Flachdach und einen großen Verandabereich an der vorderen Hausfront. Und darin ähnelt er tatsächlich dem eigentlichen Ursprungshaus. Denn die Original-Grundrisskonzeption wie auch die Ableitung des Namens sind auf Nordindien zurückzuführen.

Im 18. Jahrhundert nahmen sich die britischen Kolonialisten die typischen bengalischen Häuser der Bewohner der Region Bengalen in Nordindien als Vorbild für den Bau der eigenen Häuser – bevorzugt als Ferienhäuser für Landaufenthalte. Typische Merkmale waren die damals für Europa gänzlich unübliche eingeschossige Bauweise sowie der sehr großzügige Verandabereich über die gesamte Eingangsfront. Das Flachdach war zwar sehr verbreitet, aber – wie übrigens heute beim modernen Bungalow auch – nicht unbedingt bauliche Bedingung.

Angepasst an europäische Lebenssituationen verbreitete sich der Bungalow rasch über viele Länder Europas. Geschichtsträchtiger Kult ist übrigens der berühmte deutsche Kanzlerbungalow, der von 1964 bis 1999 den Bundeskanzlern als Wohnung und für Staatsempfänge in privater Umgebung zur Verfügung stand. Entworfen wurde er vom Star-Architekten Sep Ruf.

Vom Lifestyle-Haus bis zum leistbaren Eigenheim
Auch heute ist der Bungalow bei Architekten wieder sehr beliebt. Die Ursachen dafür liegen in der großzügigen Grundrissplanung und dem starken Einsatz von Glaselementen. Denn im Gegensatz zu den klassischen Einstock-Häusern bietet die große Wohnnutzfläche auf nur einer Ebene besonders viel Spielraum für ebenso individuelle wie fantasievolle Raumgestaltung und -einteilungsmöglichkeiten.

Der Einsatz von Glas im privaten Hausbau boomt und beim Bungalow, bei dem viel Glas sowieso seit jeher zum Pflichtprogramm gehört, können sich Lichtarchitektur-begeisterte Architekten nach allen Regeln der Kunst austoben. So entstehen auffallende, extravagante Lifestyle-Bungalow-Lösungen. Dabei wird bei diesen modernen Bungalows das Motto des eingeschossigen Wohnens nicht immer ganz ernst genommen: Besonders Hanglagen werden gerne für den Einzug einer zusätzlichen Wohnebene genutzt.

Es versteht sich von selbst, dass bei diesen Lifestyle-Bungalows nicht nur die Planung, sondern auch die Kosten unter die Rubrik "extravagant" fallen.

Daneben gibt es aber eine ständig wachsende Anzahl von Bungalow-Modellen für jeden Anspruch und für jede Preisklasse. Als Zielgruppe wird dabei von den Anbietern meist die "Generation 50 plus" ins Auge gefasst, und so ist eine barrierefreie Planung auch im Hausinneren oft schon im Angebotspreis inkludiert. Doch auch Singles und Paare ohne Kinder entdecken zunehmend die Vorteile des Bungalows - und selbst Familien schätzen die Vorteile des zentrierten und daher besonders persönlichen Wohnens auf einer Ebene.

Die Vorteile
Bei der Entscheidung für einen Bungalow oder das klassische Einstockhaus spielen viele Faktoren eine Rolle. An oberster Stelle liegen persönliche Prioritäten, vor allem aber die Frage der Machbarkeit in Bezug auf das zur Verfügung stehende Grundstück und die jeweils geltenden Bebauungsvorschriften.

Was ganz eindeutig für den Bungalow spricht, ist die große Flexibilität beim Raumkonzept und dass kein Platz für Stiegen wegfällt. Eine große Rolle spielt die Ebenerdigkeit in den späteren Lebensjahren: Im Alter ist die gesamte Wohnfläche ohne Einschränkungen nutzbar. Ein Vorteil, der übrigens auch bei Kindern zum Tragen kommt – viele möglichen Verletzungsgefahren (z.B. durch Abstürze) fallen von vornherein weg.

Auch bei der Beschattung der so beliebten großen Glasflächen hat der Bungalow seine Vorteile, da natürliche Beschattungen durch den Dachvorsprung einfacher möglich sind als bei einstöckigen Häusern.

Je nach Dachform – das klassische Flachdach ist heute kein typisches Merkmal des Bungalows-Angebotes mehr – kann optional auch ein späterer Dachbodenausbau vorgesehen werden. Womit allerdings eine Stiege Pflicht wird.

Die Nachteile
Im vieldiskutierten Bungalow-Comeback besteht eine gewisse Ironie darin, dass heute Grundstücke (vor allem im städtischen Umfeld) so rar und hochpreisig geworden sind, dass man davon ausgehen könnte, dass man bei der Planung von Wohnnutzfläche so sparsam wie nur irgend möglich mit dem "Immobiliengold" umgeht.

Doch soll mit dem Bungalow eine annähernd gleiche Wohnnutzfläche wie bei den klassischen Stockhäusern erzielt werden, muss sehr großflächig gebaut werden. Das heißt aber nicht nur größere Grundstücke (Problem: Bebauungsvorschriften!) und damit hohe Zusatzkosten, sondern unter Umständen auch höhere Baukosten. So zum Beispiel ist die Dachfläche wesentlich größer als beim Stockhaus. Auch eine gesamte Unterkellerung kann teuer werden. Zusätzlich fallen möglicherweise durch das nahe Beieinanderliegen von Innen- und Außenflächen auch Mehrkosten für die Wärmeisolierung an.

Allerdings werden viele Bungalow-Modelle der Fertighausindustrie bereits mit energiesparender Ausstattung und in unterschiedlichen Preisklassen angeboten.

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