So, 25. Februar 2018

Nach Hinrichtungen

14.09.2014 16:30

"IS-Terrorchef braucht ein '9/11'-Erfolgserlebnis"

Erneut hat die Terrormiliz Islamischer Staat im Internet ein Video veröffentlicht, das die Ermordung einer westlichen Geisel zeigt. Die Geiseltötungen vor laufender Kamera erweisen sich für die islamistischen Extremisten als erfolgreiches Propagandamittel. Dennoch steht IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi "unter großem Druck", ist der Politik- und Islamwissenschaftler Marwan Abou-Taam, der auch für das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz arbeitet, überzeugt. Der Terrorist brauche ein "9/11" als Erfolgserlebnis, so der Forscher.

Die Videos von den Enthauptungen von Geiseln, wie zuletzt die Hinrichtung des Briten David Haines, verfehlen als Botschaften an die USA und ihre Verbündeten nicht ihre Wirkung: Die Ermordungen vor laufender Kamera sorgen für Empörung rund um den Globus, die westlichen Regierungen, allen voran in Washington und London, stehen nach den Bluttaten unter Zugzwang.

Aber auch die Terroristen stehen unter Druck, wie Experte Abou-Taam im Gespräch mit der Tageszeitung "Die Welt" erklärt. Denn während der Westen weiterhin um eine Strategie ringt, wie man den Dschihadisten entgegentreten soll, stellt sich gleichzeitig die Frage, wie lange sich die Extremisten des IS mit Videobotschaften an ihre Feinde begnügen werden.

IS-Chef Al-Bagdhadi, der sich Ende Juni im irakischen Mossul zum Kalifen aller Muslime ausrief, müsse nun beweisen, dass er nach dem Tod von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden der rechtmäßige Führer des internationalen Dschihadismus ist, erklärte Abou-Taam gegenüber der "Welt".

"Braucht mindestens Anschlag von 9/11-Ausmaßen"
Al-Bagdhadi könne seine Führungsrolle demnach nur untermauern, wenn er einen Anschlag orchestriere, "der mindestens die Ausmaße des Attentats auf World Trade Center und Pentagon vom 11. September 2001" habe, so der Forscher. "Hier beginnt die große Gefahr, die mit dem IS und auch den Deutschen in seinen Reihen verbunden ist", erklärte Abou-Taam gegenüber der Zeitung. "Natürlich könnten die Deutschen für einen derartigen Anschlag missbraucht werden."

Solche mutmaßlichen Auftragskiller können sich dem Experten zufolge auf ein geheimes Netzwerk stützen, das europaweit existiert und aus Schmugglern, Sympathisanten, Fahrern und Geldgebern besteht - über das auch stetig neue Rekruten nach Syrien geschleust werden. Die Türkei kontrolliere zwar mittlerweile ihre Grenzen zum benachbarten Bürgerkriegsland besser, aber nicht gut genug.

Allein im Juli 6.000 neue IS-Kämpfer
So sollen nach dem erfolgreichen Vormarsch des IS im Irak allein im Juli 6.000 neue Kämpfer zu den Extremisten gestoßen sein, aus arabischen Ländern, Tschetschenien, China - und auch aus den Ländern Europas. Abou-Taam vermutet, dass es keineswegs dem Zufall überlassen werde, wo und bei wem neue Kämpfer landen.

Das Netzwerk bestimme den Grenzübergang und auch die Gruppe, in die die Neuankömmlinge aus Europa integriert würden. Noch wüssten die Sicherheitsbehörden nicht, wie diese geheimen Strukturen funktionieren. Aber man sei ihnen auf der Spur.

Ministerriege präsentiert Maßnahmen gegen Dschihadismus
Um der größer werdenden radikalisierten Szene Herr zu werden, wurde auch in Österreich vor Kurzem mit der Ausarbeitung eines schärferen Anti-Terror-Gesetzes begonnen. Anfang kommender Woche will die ÖVP bei einer Pressekonferenz mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Justizminister Wolfgang Brandstetter, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Außenminister Sebastian Kurz Maßnahmen im Kampf gegen den Dschihadismus präsentieren.

Wie die "Wiener Zeitung" am Wochenende berichtete (siehe Story in der Infobox), soll etwa schon bald das Tragen von Symbolen der IS-Terrorgruppe verboten sein. Die Regierung sei sich über eine entsprechende Novelle des Abzeichengesetzes einig, hieß es.

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