Mo, 21. Mai 2018

15-Meter-Urzeitriese

12.09.2014 06:00

Größter bekannter Raubsaurier jagte im Wasser

Aus Fossilfunden in der Sahara haben Wissenschaftler den bis dato größten Raubsaurier rekonstruiert. Mit mehr als 15 Metern war das Tier um etwa drei Meter länger als der Tyrannosaurus rex. Das gigantische Tier war in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich: Es lief im Gegensatz zu vielen anderen Raubsauriern auf vier Beinen und ist zudem der erste bekannte Dinosaurier, der offenbar teilweise im Wasser lebte.

Lange Zeit hatte der außergewöhnliche Körperbau des Spinosaurus aegyptiacus getauften Dinosauriers, der vor rund 97 Millionen Jahren gelebt hat, den Forschern Rätsel aufgegeben. Erste Hinweise auf den Urzeitriesen entdeckte der deutsche Paläontologe Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach vor mehr als 100 Jahren in Ägypten. Die nach München gebrachten Fossilien wurden jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Knochenreste in Süden Marokkos entdeckt
Nun entdeckten die Forscher aus den USA, Großbritannien, Italien und Marokko weitere Knochenreste der Echse in der sogenannten Kem-Kem-Formation im Süden von Marokko. Sie rekonstruierten den Giganten, indem sie ihre Funde mit anderen Fossilien dieser Art aus der Sahara sowie mit Bildern des deutschen Forschers kombinierten.

"An diesem Tier zu arbeiten, war wie einen Außerirdischen zu studieren. Er ist anders als alle Dinosaurier, die ich zuvor gesehen hatte", staunte Ibrahim laut einer Mitteilung der National Geographic Society. Demnach verlagerte der lange Hals den Schwerpunkt des Körpers so weit nach vorne, dass Spinosaurus im Gegensatz zu anderen Raubsauriern auf vier statt auf zwei Beinen lief. Dies habe aber die Bewegung im Wasser vereinfacht.

Vorderläufe mit langen, gebogenen Klauen
Auffällig ist auch der Unterschied zwischen den Vorder- und Hinterläufen. Vorne trug Spinosaurus lange, gebogene Klauen, während er sich mit den flachen Hinterfüßen gut im Wasser fortbewegen konnte, schreiben die Forscher. Dank lose verbundener Knochen konnte er sich mit einem flexiblen langen Schwanz zusätzlich antreiben.

An das Leben im Wasser angepasst waren auch die kleinen Nasenlöcher, die auffällig weit hinten im Schädel lagen. So konnte das Reptil auch dann atmen, wenn der Kopf weitgehend unter Wasser war. Ähnlich wie bei Krokodilen erlaubten es Fühler an der Schnauze zudem, Bewegungen im Wasser wahrzunehmen.

Haie und andere Fische als Beute
Zu einem gefährlichen Jäger machten ihn auch seine riesigen gekrümmten Zähne, die vorne an der Schnauze ineinandergriffen. Sein Gebiss sei geeignet gewesen, um Haie und andere Fische zu erbeuten, schreiben die Forscher.

Kurios sind auch lange Fortsätze an der Rückenseite der Wirbel, die eine Art großes "Segel" formten, das beim Schwimmen aus dem Wasser emporragte. Dies sei die größte bisher bei Dinosauriern gefundene derartige Struktur, berichten Paläontologen um Nizar Ibrahim von der Universität Chicago im Fachblatt "Science".

Ära der Dinos endete vor 65 Millionen Jahren
Die aquatische Lebensweise von Spinosaurus passt zur Umgebung jener Zeit: Damals erstreckte sich dort ein System von Flüssen, das vom heutigen Marokko bis nach Ägypten reichte. Die Epoche der Dinosaurier begann vor mehr als 200 Millionen Jahren und endete vor etwa 65 Millionen Jahren, wahrscheinlich nach dem Einschlag eines großen Meteoriten.

Die Farben zeigen, aus welcher Quelle die Wissenschaftler die Teile rekonstruiert haben: Knochen aus dem Skelett der Kem-Kem-Region (rot), Stromers Knochenfunde (orange), Einzelknochenfunde aus der Kem-Kem-Region (gelb), Knochenteile verwandter Spinosaurus-Arten (grün), hergeleitete Knochen aus bekannten benachbarten Knochen (blau).

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