Fr, 15. Dezember 2017

Nach Attacke gejagt

11.09.2014 11:31

Braunbärin "Daniza" bei Einfangversuch gestorben

Die Braunbärin "Daniza", die im August einen Schwammerlsucher im Trentino angegriffen und verletzt hatte, ist bei einem Einfangversuch gestorben. Das Tier überlebte eine Narkose nicht, teilte die Provinz Trient in einer Presseaussendung mit. Der Kadaver soll obduziert werden.

In der Nacht auf Donnerstag hatte ein mit der Jagd auf das Tier beauftragtes Team die Bärin mithilfe einer Narkosespritze eingefangen. Daniza überlebte die Anästhesie nicht. Zuvor war mit derselben Vorgehensweise eines ihrer beiden Jungen gefangen und mit einem Sender ausgestattet worden, um es besser kontrollieren zu können. Das mit dem Sender versehene Jungtier wurde in den vergangenen Wochen intensiv gesucht, konnte aber bisher nicht gefunden werden. Auch der Verbleib des zweiten Bärenjungen ist unklar.

Während das italienische Umweltministerium gemeinsam mit den Trentiner Behörden wiederholt die Notwendigkeit betont hatte, die 18 Jahre alte Bärin einzufangen und sie in ein geschütztes Gelände zu bringen, hatten Umweltaktivisten gefordert, dass Daniza mit ihren Jungen in Freiheit leben solle. In Trient hatte es deswegen sogar Demonstrationen gegeben.

Bärin beschützte Nachwuchs
Das Umweltministerium hielt dagegen, dass die Bärin gefährlich sei, da sie bereits vor zwei Jahren Wanderer angegriffen hatte. Als sie im August einen Schwammerlsucher biss, hatte sich dieser hinter einem Baum versteckt und die Bärin aus ungefähr 30 Metern Entfernung beobachtet. Die Bärin roch den Mann, befürchtete Gefahr für ihre Jungen und attackierte ihn. Der 38-Jährige wurde verletzt ins Spital eingeliefert (Bericht siehe Infobox).

Die Jagd auf Daniza hatte für Unmut unter Tierfreunden gesorgt. Im Internet wurden bereits Proteste gegen den angedrohten Abschuss der Bärin laut. Die Facebook- Seite "Io sto con Daniza" ("Ich bin auf Danizas Seite") hat bereits über 10.000 "Gefällt mir"- Angaben. Auf Twitter empören sich User unter dem Hashtag #iostcondanzia . Der Tod der Bärin dürfte die Debatte nun erneut anfachen.

Die italienische Forstbehörde nun hat eine Untersuchung des Todes der Braunbärin eingeleitet. Der Verdacht lautet auf Tiermisshandlung und unbegründete Tötung eines geschützten Tieres, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Schon vor Tagen hatte die Forstbehörde in einem Brief an das italienische Umweltministerium und an die Provinz Trient Bedenken über die Jagd auf die Bärin geäußert.

Grüne: "Wälder sind keine Tiergärten"
Die italienischen Grünen kritisierten die Tötung des Tiers als "Schande". Es sei Opfer einer Verfolgung durch die Behörden. Die Gruppierung rief die Staatsanwaltschaft von Trient auf, ein Strafverfahren in die Wege zu leiten. "Daniza ist von den Behörden getötet worden, weil sie ihre Jungen verteidigen wollte. Wälder sind keine Tiergärten", betonte der Sprecher der Grünen, Angelo Bonelli.

Mehr als 50 Alpenbären leben zurzeit im Trentino. Im Jahr 1999 startete ein Interreg-Projekt, unterstützt von der Europäischen Gemeinschaft, mit dem Ziel, die im nordwestlichen Trentino heimische Braunbärenpopulation als letzte innerhalb der Alpen zu erhalten. Damals wurden neun Braunbären in der Gegend freigesetzt, seither sind 77 Jungtiere zur Welt gekommen.

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