Di, 21. November 2017

Lifestyle-Revolution

10.09.2014 13:37

Apple Watch: Der Kampf ums Handgelenk hat begonnen

Für die IT-Branche sind sie das nächste große Ding: Wearables. Unter dem Begriff verstehen die Hersteller vor allem mit Elektronik vollgestopfte Armbänder, die sich mit dem Smartphone oder anderen Geräten verbinden lassen, Telefongespräche vermitteln oder die täglichen Schritte des Benutzers zählen. Nach der Vorstellung der Apple Watch am Dienstag hoffen die Konkurrenten auf den Durchbruch ihrer jüngsten Produktkategorie.

"Wearables sind dabei, unseren Alltag zu erobern. Sie bieten die Möglichkeit, den Puls während des Joggens zu beobachten oder den Schlaf zu überwachen", sagte jüngst IFA-Ausrichter Hans-Joachim Kamp. "Bis 2020 rechnen wir damit, dass der Smartwatch-Markt 12,9 Milliarden Dollar erreichen wird und bis dahin 92,6 Millionen Uhren verkauft wurden", veranschlagt Analyst Martin Scott von Analysys Mason.

Der Schub werde aber erst kommen, wenn die rund 400 Euro teure Apple Watch im kommenden Frühjahr verfügbar ist. "Das strahlt auf die anderen Hersteller aus und wird die Aufmerksamkeit für die Produkte erhöhen, wenn auch nicht damit zu rechnen ist, dass ein Konkurrent mittelfristig mit Apple mithalten kann", glaubt Scott.

Noch ist der Absatz der Technik aber eher gering. "Wenn Apple sein eigenes Produkt herausbringt, wird das den Markt erweitern. Das wird auch Android-Nutzer anregen", sagte Sung-jin Lee von LG Electronics im Reuters-Gespräch.

"Uhrenhersteller können beruhigt sein"
Technologieexperten zeigten sich indes vom Leistungsumfang des Apple-Modells enttäuscht. So braucht die Uhr für ihre Funktionen etwa die Verbindung mit einem iPhone und der Akku halte nicht sonderlich lange, bemängelte Paul Jackson vom Marktforscher Ovum. Konkurrenzmodelle wie etwa jene von Samsung seien eigenständiger. Verschiedene Designs biete auch die Palette von LG Electronics.

Apple kann sich im Wesentlichen nur auf seine Marktmacht und seinen Nimbus bei der Fangemeinde verlassen. Die klassischen Hersteller von Armbanduhren wie Swatch könnten nach der Vorstellung beruhigt sein, meint Analyst Jon Cox von Kepler Cheuvreux. Zudem verhandelt Intel mit vielen Branchengrößen über IT-Integration in analoge Armbanduhren. Die sollen ganz unabhängig von Smartphones das Telefonieren und den E-Mail-Verkehr ermöglichen, versprach Intel-Manager Kirk Skaugen auf der Funkausstellung.

"Noch kein Goldrausch, aber das Potenzial ist da"
Die Erwartungen der IT-Branche an Wearables bleiben riesig. "Es ist noch kein Goldrausch, aber das Potenzial dafür ist da", sagte LG-Manager Lee. "Wir lernen noch. Der Konsument weiß noch nicht, damit umzugehen. Wir sind für alle Möglichkeiten in der nächsten Generation offen."

Die Modelle der asiatischen Rivalen fallen optisch recht unterschiedlich aus. Während Samsung auf ein gewölbtes Display mit viel Glitzer auf dem Armband setzt, orientiert sich LG am Design klassischer Schweizer Uhren, denen man auf den ersten Blick das elektronische Innenleben nicht ansieht. Sonys Angebote sind indes auf den ersten Blick als Computeruhren erkennbar. "Alles steht noch am Anfang. Sowohl LG als auch andere Firmen sind scharf darauf, den Megahit zu landen", sagt Lee.

Sonys eigene Aufzeichnungssoftware illustriert, worum es bisher bei der früheren Wearables-Technik geht. Die Armbänder zeichnen Joggingdaten auf, zählen Schritte, Fahrrad- und Autokilometer, Puls oder Schlafstunden. DJ Lee vom Konkurrenten Samsung bringt es auf den Punkt: "Es geht nicht nur darum, IT ans Handgelenk zu bringen. Es hilft auch dabei, fit zu bleiben", formuliert es der Koreaner. Die IT-Armbänder stünden am Anfang einer Lifestyle-Revolution.

Hersteller rechnen fest mit Massentrend
Noch sind viele Wearables-Pioniere kaum über die Startphase hinausgekommen. Doch die großen IT-Konzerne rechnen fest mit einem Massentrend. Samsung-Manager Stylianos Mamagkakis schätzt, dass bis 2018 fast 600 Millionen Wearables verkauft werden: "Da ist alles dabei: von Brillen, Armbändern, Uhren bis zu Schuhen."

Die Wachstumsraten erscheinen beeindruckend: Sind im vergangenen Jahr weltweit 50 Millionen Wearables verkauft worden, so sollen es 2014 bereits über 75 Millionen werden, wie Experte Christian Stammel von der Wearables Technologie AG bereits zu Jahresbeginn prognostizierte. Der durchschnittliche Marktzuwachs soll über die kommenden Jahre bei mehr als 50 Prozent liegen.

"Heißer Kampf um den Platz am Ende des Armes"
Aktuell stehen vor allem smarte Armbanduhren im Zentrum der Aufmerksamkeit. "Es tobt ein heißer Kampf um den Platz am Ende des Armes", formuliert es der britische Analyst Nick Hunn. Da viele Menschen aufgrund der Uhrenfunktion ihrer Smartphones keine herkömmlichen Armbanduhren mehr trügen, sei eine kostbare Fläche frei geworden.

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