So, 25. Februar 2018

Nicht spotten

05.10.2014 16:17

Audi A3 Cabrio: Das Auto für diesen Sommer

Cabriofans wurden im vergangenen Sommer oft mitleidig belächelt. Doch die Selbsterfahrung mit dem (monsungrau lackierten!) Audi A3 Cabrio zeigt: völlig zu Unrecht! Vor allem mit dem optionalen (300 Euro) Akustikverdeck halten sich die konzeptimmanenten Einschränkungen in Grenzen – und im Fall einer plötzlichen Änderung des Flüssigkeitsanteils im Fahrtwind reichen 18 Sekunden bei 0 bis 50 km/h für die Adjustierung.

Beim Vorgänger des Audi A3 Cabrio war die Optik noch ein Negativ-Faktor, doch die Zeiten der Badewanne auf Rädern sind vorbei, seit der offene Kompakt-Ingolstädter auf der Stufenhecklimousine statt auf dem Hatchback basiert. Elegant läuft die Silhouette in einem knackigen Heck aus. Fast möchte man ihm nachpfeifen, aber dafür ist der Audi vielleicht noch ein bissl klein.

Wobei: Der Kofferraum fasst respektable 320 Liter, die sich bei geöffnetem Verdeck auf 287 Liter komprimieren (mit umgeklappten Rücksitzlehnen über 600 Liter). Die fürs Dach vorgesehene Klappe im Kofferraum lässt sich allerdings bisweilen von einem daruntergeschobenen Gepäckstück irritieren. In dem Fall bleibt das Dach dann zu, bis man anhält und im Gepäckraum für klare Verhältnisse sorgt. Der Verdeckschalter an sich ist verwechslungsanfällig direkt neben seinem Zwilling platziert, der elektrisch die Feststellbremse aktiviert. Der grassierenden Unsitte, welche die Handbremshebel ausrottet, fällt auch der Audi anheim.

Eigentlich schon fast ein 2+2-Sitzer
Ein wenig mehr Einschränkung ist auf der Rückbank vonnöten, dort geht es eng zu, auch dann, wenn das Windschott, das den ganzen hinteren Bereich abdeckt, nicht montiert ist. Dieses macht das A3-Cabrio sogar zum offenen Autobahn-Rauscher, denn mit hochgefahrenen Scheiben hält es den Fahrtwind so effektiv draußen, dass man problemlos von Wien nach Salzburg kommt, ohne unter Zugluft oder zu heftigem Windlärm zu leiden. Wird's doch zu kühl, hilft gegen Aufpreis der Nackenwärmer.

Sehr praktisch ist der Knopf, der auf Fingertipp alle vier Seitenfenster zugleich öffnet oder schließt. Im Gegensatz dazu nervt es, dass das Verdeck zwar ein akustisches Signal gibt, wenn es mit dem Öffnungsvorgang fertig ist, allerdings erst, wenn die Scheiben schon wieder hochfahren. Dann kommt der praktische Knopf wieder zum Einsatz.

Cabrios sind auf langen Autobahnstrecken auch mit geschlossenem Verdeck oft eine Qual, weil man sich anschreien muss, um sich zu unterhalten. Audis Akustikverdeck macht das Audi-A3-Cabrio zwar nicht zur Limousine, aber fast.

Freudvoll unterwegs
Schöner ist natürlich das offene Gleiten über schöne, kurvige Landstraßen. So lässt sich wahlweise die Landschaft oder das verbindliche Fahrverhalten des Freudenspenders genießen. Die variable elektromechanische Servolenkung gibt ausreichend Rückmeldung, könnte aber gerne ein etwas stärkeres Rückstellmoment aufweisen, das Sportfahrwerk verträgt mit der offenbar ziemlich steifen Karosserie auch hohe Kurvengeschwindigkeiten, man spürt nur ein wenig den schweren 150-PS-Dieselmotor des Testwagens (mit dem Einstiegsbenziner ist er 100 kg leichter).

Der Zweiliter-Vierzylinder verhilft dem ohne Fahrer 1.460 kg schweren A3 mit 380 Nm ab 1.750 Touren zu vehementem Antritt (0-100=8,9), allerdings muss man diese Drehzahl erst mal erreichen. Blöd, dass das Getriebe so lang übersetzt ist. Da gibst du Gas, es kommt nix, bis dann im Extremfall plötzlich die Vorderräder ob der explosionsartig einsetzenden Leistung überfordert sind. Außerdem passiert es hier häufiger als sonst, dass man den Motor abwürgt – in dem Fall hilft die serienmäßige Stopp/Start-Automatik flugs auf die Sprünge.

Ein Cabrio-Nachteil ist nicht von der Hand zu weisen: Die Sicht nach hinten ist bei geschlossenem Verdeck miserabel. Das war schon immer so, auch zu Zeiten, als es noch keine Parksensoren gab. Die sollten hier eigentlich Serie sein.

Die reine Vernunft
Unterm Strich ist der Audi A3 Cabrio also ein grundsolides, durchaus vernünftiges Auto. 6,0 l/100 km im Test schonen die Brieftasche mehr als der Kaufpreis von 46.000 Euro inklusive Extras, aber der Einstieg ins Audi-A3-Cabriolet beginnt bereits bei 32.000 Euro. In einem Sommer wie diesem muss man die wenigen sonnigen Momente optimal nutzen – dann verdirbt einem der Regen nicht so leicht die Laune. Und die mitleidigen Lächler sowieso nicht.

Warum?

  • Gut gedämmtes Verdeck
  • Schnelles Öffnen/Schließen bis 50 km/h

Warum nicht?

  • Motor- passt nicht zur Getriebecharakteristik

Oder vielleicht …

… BMW 2er Cabrio, VW Golf Cabrio, Opel Cascada

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