Sa, 26. Mai 2018

Schuldfrage offen

09.09.2014 17:33

MH17-Bericht: Im Flug zersiebt und zerborsten

Der vorläufige Ermittlungsbericht zum Schicksal von Flug MH17 zeigt: Das Flugzeug der Malaysia Airlines wurde "von Objekten durchsiebt" und "zerbarst während des Fluges in mehrere Teile". Das gab die niederländische Flugsicherheitsbehörde am Dienstag bekannt. Die Schuldfrage bleibt offen, die prorussischen Separatisten in der Ukraine sehen durch den Bericht dennoch die Regierung in Kiew belastet.

Der Absturz der Boeing 777-200 sei "wahrscheinlich auf strukturelle Schäden zurückzuführen, die von einer großen Zahl an Objekten verursacht wurden, die das Flugzeug mit hoher Geschwindigkeit von außen durchdrangen", heißt es in dem in Den Haag vorgelegten Bericht. Die Schlussfolgerungen der Ermittler, Objekte hätten den Flugzeugrumpf von außen durchbohrt, stützen die These, das Flugzeug sei abgeschossen worden. Womit dies geschehen ist - eine Rakete der Separatisten, wie vom Westen vermutet, oder ein Kampfflugzeug der ukrainischen Armee, wie von den Separatisten und von Russland behauptet - geht aus dem Bericht nicht hervor.

Um genau zu bestimmen, was den Absturz verursachte, müssten weitere Details erforscht werden, berichtete die niederländische Zeitung "de Volkskrant".

"Bericht ist erst der Beginn einer langwierigen Arbeit"
Ähnlich äußerte sich der russische Experte Oleg Stortschewoj. "Der Bericht ist erst der Beginn einer langwierigen Arbeit. Die objektive Untersuchung muss fortgesetzt werden", sagte Stortschewoj der Agentur Interfax. "Leider ist viel Zeit verstrichen - es wird kompliziert sein, die Ursache zu ermitteln", so Stortschewoj, der den Report als wenig aussagekräftig bezeichnete. Die Leichen der Passagiere wären lange ohne Untersuchung an der Absturzstelle gelegen, und die Wrackteile seien in der ukrainischen Kampfzone möglicherweise in Mitleidenschaft gezogen worden.

Tatsächlich hatten die Experten des niederländischen Sicherheitsrates kaum Zugang zu den Wrackteilen vor Ort. Bei ihrer Auswertung mussten sie sich auf die Auswertung von Fotos stützen, die vor Ort gemacht wurden. Die Bilder gäben jedoch eindeutige Hinweise darauf, dass der Flugzeugrumpf von außen durchbohrt wurde. Radar-Aufzeichnungen, Stimmenrekorder und der Flugschreiber wurden ebenso ausgewertet wie der Wetterbericht. Dieses soll aber keinen Einfluss auf den Absturz von Flug MH17 gehabt haben. Auch technisches Versagen oder Fehler der Besatzung wurden als Grund für den Absturz ausgeschlossen. Die Flugschreiber und die Daten der Luftverkehrsleitung wiesen dem Bericht zufolge auf einen normalen Flugverlauf hin: Die Maschine befand sich im zugelassenen Luftraum und auf dem zugewiesenen Kurs - auch gab es keinen Notruf der Besatzung. Zur Uhrzeit der Katastrophe am 17. Juli um 13.20 Uhr befanden sich drei weitere zivile Maschinen im Luftraum über Donezk. Der kürzeste Abstand zu Flug MH17 war 30 Kilometer.

Die Boeing war am 17. Juli auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur abgestürzt, alle 298 Insassen kamen dabei ums Leben - die meisten davon waren Niederländer.

Separatisten: Bericht belastet Kiew
Die Separatisten in der Ukraine sehen die Regierung in Kiew durch den Bericht belastet. "Es ist offensichtlich, dass es eine Provokation der ukrainischen Armee war, um Russland und die Volkswehr zu diskreditieren", sagte der Separatistenführer Miroslaw Rudenko am Dienstag. "Es gibt viele Widersprüche in der ukrainischen Version, und der Report bestätigt das nur", so Rudenko.

Ähnlich äußerte sich der Rebellenführer Alexander Sachartschenko. "Wir verfügen nicht über die Technik, um ein solches Flugzeug abzuschießen", behauptete er am Dienstag einmal mehr. Die ukrainische Regierung hat sich bislang noch nicht zu den Erkenntnissen aus den Niederlanden geäußert.

Ukraine nennt Bericht objektiv, Mutmaßungen bestätigt
Die ukrainische Regierung bezeichnete den Zwischenbericht zum Absturz des malaysischen Passagierflugzeugs MH17 über der Ostukraine als objektiv. Aus seiner Sicht gehe daraus klar hervor, dass eine Boden-Luft-Rakete die Maschine zerstört habe, sagte Vizeregierungschef Wladimir Groisman am Dienstag in Kiew.

Zur Frage nach den Tätern sagte er: "Ich denke, dass es genügend Fakten gibt. Sie können sie in Ruhe prüfen und Ihre Schlüsse ziehen." Die Regierungstruppen hätten keine Flugabwehrsysteme im Konfliktgebiet Ostukraine benutzt. "Wir haben keine derartige Waffe eingesetzt. Der Bericht bestätigt unsere Mutmaßungen", sagte Groisman.

Die Regierung hatte nach dem Absturz erklärt, aus ihrer Sicht hätten moskautreue Separatisten mit russischem Kriegsgerät die Boeing abgeschossen. "Die Ukraine wird alles dafür tun, damit jeder, der an dem Terrorakt beteiligt war, bestraft wird", sagte Groisman.

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