Di, 22. Mai 2018

Muslime wehren sich

05.09.2014 12:24

Brennende IS-Flaggen als Protest gegen Islamisten

Die schwarze Flagge der Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat ist zum Symbol für Terror, die Verfolgung Andersgläubiger und einen weltweiten Dschihad geworden. An vielen Orten des ausgerufenen IS-Kalifats, das weite Teile Syriens und des Iraks erfasst, prägen die Flaggen das Ortsbild. Auch in diversen Propagandavideos der Islamisten sind sie zu sehen. Nun tauchen aber immer mehr Clips in sozialen Netzwerken auf, in denen (vor allem) Muslime diese Machtsymbole verbrennen - als Zeichen des Protests. Eine Gegenpropaganda, die im Libanon ihren Ursprung hat.

Vergangenes Wochenende begaben sich drei junge Libanesen auf den Sassine-Platz in der Hauptstadt Beirut und zündeten eine IS-Flagge als Reaktion auf die Enthauptung eines libanesischen Soldaten und die Entführung Dutzender weiterer libanesischer Staatsbürger an. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP hielt die Aktion fest. Nach der Veröffentlichung der Bilder verbreitete sich die Idee im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Lauffeuer in diversen sozialen Netzwerken.

"Ich nominiere die ganze Welt. Ihr habt 24 Stunden"
Auf Facebook bildete sich eine Gruppe mit dem Namen "BurnISISFlagChallenge" in Anlehnung an den derzeit grassierenden Hype um die sogenannte Ice Bucket Challenge. Der Islamische Staat wird im englischsprachigen Raum nach wie vor häufig mit ISIS abgekürzt. Und tatsächlich folgt der Protest den "Regeln" der Kampagne gegen die Krankheit ALS. Zuerst wird eine Flagge - in den meisten Videos handelt es sich um Ausdrucke der IS-Flagge - verbrannt, und dann werden Nominierte zu Zündeln aufgerufen. Ein libanesischer User forderte auf YouTube gar: "Ich nominiere die ganze Welt für die 'Burn_ISIS_Flag_Challenge'. Ihr habt 24 Stunden Zeit. Auf geht's!!"

Der US-Nachwuchskabarettist Taylor Owen Dorsett nominierte auf Twitter den ehemaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, Präsident Barack Obama und den Hollywood-Schauspieler Rob Schneider. "Ihr habt 24 Stunden Zeit, andernfalls müsst ihr euch IS anschließen", schrieb Dorsett. Es ist natürlich nicht eindeutig feststellbar, welche Internetuser tatsächlich die politische Botschaft zum Anlass nehmen, um mitzumachen. In einigen Videos wird lediglich von einer "coolen Sache" gesprochen und im Anschluss an eine Eiswasser-Aktion auch noch schnell eine IS-Flagge verbrannt. Hier ist ein Beispiel für eine wohl nicht ganz so ernst gemeinte Aktion.

Justizminister droht Aktivisten mit "strengen Strafen"
Im Ursprungsland Libanon warnt die Regierung unterdessen vor der Teilnahme an der Aktion. Justizminister Ashraf Rifi kündigte "strengste Strafen" für jene drei Männer an, die die Verbrennaktion ins Leben gerufen hatten. "Es ist notwendig, diese Leute zur Rechenschaft zu ziehen", wurde Rifi am Donnerstag in der Online-Ausgabe der "Washington Post" zitiert. Der Minister erinnerte daran, dass das Verbrennen muslimischer Flaggen einen Angriff auf religiöse Symbole darstelle.

Offenbar befürchtet Rifi Vergeltungsschläge der Dschihadisten. Außerdem möchte er auch nicht riskieren, dass die jahrzehntealte mehr oder weniger friedliche Koexistenz zwischen Christen und Muslimen im Land Schaden nimmt. Es gibt aber auch abseits der Regierung Stimmen, die die Verbrennungsaktion kritisch sehen. Nur auf manchen IS-Flaggen stehe der Schriftzug "Der Islamische Staat". Auf vielen stehe lediglich das muslimische Glaubensbekenntnis - es gibt keinen Gott außer Allah - und so ein Symbol dürfe nicht verbrannt werden, mahnen einige Internetuser im Nahen Osten.

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