Mo, 21. Mai 2018

Gegen Krise

04.09.2014 15:15

EZB senkt Leitzins auf Rekordtief von 0,05%

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins im Euro-Raum überraschend auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt. Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Bankensystems mit Zentralbankgeld lag seit Juni bei 0,15 Prozent. Zudem müssen Banken künftig einen noch höheren Strafzins von nun 0,2 Prozent bezahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, statt es in Form von Krediten an Unternehmen weiterzureichen.

Neben der Leitzins-Senkung haben die Währungshüter in Frankfurt den Ankauf von Unternehmenskrediten beschlossen. Damit will die Notenbank den Markt mit mehr Geld versorgen und die Konjunktur in der Euro-Zone ankurbeln. Der Start ist für Oktober geplant.

EZB-Chef Mario Draghi sagte bei einer Pressekonferenz, dass die Entscheidung im EZB-Rat nicht einstimmig erfolgt sei. Wer sich gegen die Senkung gesträubt hatte, verriet er allerdings nicht.

Händler: "Das war schon eine heftige Überraschung"
Volkswirte hatten unveränderte Zinsen erwartet, der Schritt der EZB kam also unerwartet. Der Euro geriet nach Bekanntgabe deutlich unter Druck und erreichte ein 13-Monats-Tief. "Das war schon eine heftige Überraschung, mit einer Zinssenkung hat kaum einer gerechnet", sagte ein Händler. "Bei der Senkung der Zinsen handelt es sich zwar nur noch um Nuancen, aber wichtiger ist das Signal an die Kapitalmärkte: Die EZB ist bereit, alles zu tun, was nötig ist."

Reaktion auf sehr niedrige Inflation
Mit der Senkung reagierten die Währungshüter auf die schwache Konjunktur im Euro-Raum und auf die sehr niedrige Inflation, die im August auf 0,3 Prozent gefallen ist - den niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Der Wert liegt seit Monaten deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB von knapp unter zwei Prozent.

Seit Monaten steht die Sorge im Raum, dass daraus eine gefährliche Deflationsspirale aus Preisverfall und schrumpfender Wirtschaftsleistung entstehen kann. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen und Anschaffungen in der Erwartung weiter sinkender Preise hinauszögern. Das würde die ohnehin fragile Konjunkturerholung in Europa abwürgen.

Ukraine-Krise verstärkte Konjunkturpessismismus
Der Konjunkturpessimismus ist auch infolge der Ukraine-Krise gewachsen. Schon im Frühjahr hatte die Wirtschaftsleistung der Länder in der Euro-Zone stagniert. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das stärkt den Preisauftrieb.

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