Fr, 20. Oktober 2017

Redakteurin vor Ort

10.09.2014 07:34

„Atemlos auf See“, oder: Dem Pottwal auf der Spur

Alles beginnt mit einem Klickgeräusch, ähnlich, als würde man in Wien am Zebrastreifen darauf warten, dass die Fußgängerampel grün wird. Dieses Geräusch machen Pottwale beim Fressen in den Tiefen des Meeres - und sobald es nicht mehr zu hören ist, wissen wir: Der Wal taucht gleich zum Atmen an die Oberfläche.

Die "Pelagos", das Tethys-Forschungsschiff, ist nicht umsonst mit dem besten Equipment ausgestattet: Schon kurz nachdem wir den Hafen zum ersten Mal verlassen haben, ruft mich Forschungsleiterin Caterina aufgeregt zu sich und setzt mir Kopfhörer auf. Gespannt lausche ich verschiedenen Pfeif- und Klickgeräuschen. "Delfine, wahrscheinlich Streifendelfine, bei der Nahrungsaufnahme", erklärt sie mir.

Nur fünf Minuten Zeit pro Pottwal
Und etwa eine Stunde später wird ein weiteres Klick-Geräusch über das ganze Schiff übertragen: Wir haben einen Pottwal aufgespürt, der sich gerade an kleinen Tintenfischen satt frisst. Sobald das Klicken aufhört, taucht der Wal zum Atmen an die Oberfläche und die komplette Besatzung verteilt sich am Schiff, um Ausschau zu halten. Denn den ersten "Blow", also die Wasserfontäne, die der Pottwal beim Atmen erzeugt, dürfen wir keinesfalls verpassen. Das Zeitfenster, um sich dem Tier zu nähern, es zu fotografieren und zu identifizieren, beträgt nur fünf Minuten.

Beim Anblick des Wales stockt uns der Atem
Und dann kriegen wir ihn endlich zu Gesicht, beziehungsweise Teile des bis zu 18 Meter langen Meeressäugers, der in den tieferen Gewässern fast aller Weltmeere zu finden ist. Pottwale sind die größten Vertreter der Familie der Zahnwale. Bei Walfängern war der Pottwal einst sehr begehrt, noch heute ist die Art sehr gefährdet - im Mittelmeer dürfte die Population eher in den Hunderten als in den Tausenden liegen. Viele Tiere verfangen sich in Geister-Netzen illegaler Fischer, andere werden vom Unterwasserlärm verstört. Doch daran denken wir auf der "Pelagos" gerade nicht nach: Uns stockt förmlich der Atem beim Anblick des ersten gesichteten Wales. Und es folgen hoffentlich noch einige Sichtungen.

Menschen sind Schuld an Walstrandungen
Übrigens findet man in den wissenschaftlichen Aufzeichnungen mehr als 20 Wal- und Delfinarten, die im Mittelmeer gesichtet wurden, acht davon kommen im Ligurischen Meer vor. Darunter Cuvier-Schnabelwale, Pottwale und Finnwale, die alle stark gefährdet sind. Immer wieder gibt es Strandungen, und die wissenschaftlichen Hypothesen unterstellen dem Menschen die Schuld daran. Durch seismographische oder militärische Aktivitäten in den Ozeanen werden die Meerestiere taub, müssen wichtige Nahrungsgebiete aufgeben, weisen ein geschwächtes Immunsystem auf und werden schließlich mit Verletzungen wie Blutergüssen im Gehirn tot am Strand gefunden.

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