Mo, 21. Mai 2018

11 Jets verschwunden

03.09.2014 14:29

Anschläge mit libyschen Flugzeugen befürchtet

Ende August haben islamistische Milizen in Libyen die Kontrolle über den internationalen Flughafen der Hauptstadt Tripolis übernommen. Im Zuge der Eroberung des Airports sind laut US-Angaben elf Passagiermaschinen verschwunden, wie jetzt das Nachrichtenmagazin "Washington Free Beacon" berichtete. Knapp eine Woche vor dem 13. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 wachsen die Befürchtungen, die Flugzeuge könnten von den Extremisten gestohlen worden sein und für Terroranschläge in Nordafrika eingesetzt werden.

Die Kämpfer der Terrorgruppe Fajr Libya (Morgendämmerung für Libyen) haben den strategisch bedeutsamen Flughafen 30 Kilometer südlich von Tripolis am 23. August vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Die eine Woche später zurückgetretene libysche Übergangsregierung erklärte dann am 1. September, de facto die Kontrolle über die gesamte Hauptstadt verloren zu haben. Ministerien und Staatsgebäude seien "von bewaffneten Milizionären besetzt", hieß es.

Nach der Einnahme des Flughafens seien elf Passagierjets der Fluggesellschaften Libyan Airlines und Afriqiyah Airways verschwunden, berichtete der "Washington Free Beacon" nun unter Berufung auf Regierungsquellen in Washington. Befürchtet werde demnach, dass die Flugzeuge von der Fajr Libya, die auch Verbindungen zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) haben soll, oder ihr nahestehenden Extremisten rund um den 11. September für Terroranschläge eingesetzt werden könnten.

US-Behörden über gestohlene Jets informiert
"Wir haben am 11. September 2001 gesehen, was entführte Flugzeuge anrichten können", zitierte das Magazin einen namentlich nicht genannten US-Beamten. Die US-Geheimdienste hätten demnach Berichte über die gestohlenen Flugzeuge an die Regierungsstellen weitergeleitet und zugleich vor möglichen Anschlägen in Nordafrika gewarnt.

Laut libyschen Angaben wurden bei der Eroberung des Flughafens bis zu 90 Prozent der dort geparkten Flugzeugflotte durch Raketenbeschuss zerstört bzw. fluguntauglich gemacht. Bilder vom Airport zeigten teils völlig ausgebrannte Maschinen, weitere Jets wiesen zahlreiche Einschlusslöcher auf. Eine unabhängige Bestätigung für das Ausmaß der Zerstörung gab es allerdings bislang nicht.

Dem "Washington Free Beacon" zufolge bestand die Flotte der Libyan Airlines in Tripolis aus 14 Passagier- und Frachtflugzeugen: sieben Airbus A320, ein Airbus A330, zwei italienisch-französische ATR-42-Turboprop-Maschinen und vier Bombardier CJR-900. Die staatliche libysche Afriqiyah Airways hatte zudem bis zur Einnahme des Flughafens 13 Maschinen dort in Betrieb, darunter drei Airbus A319, sieben Airbus A320, zwei Airbus A330 und ein Airbus A340.

Anti-Terror-Experte sieht zwei Einsatzmöglichkeiten
Der Anti-Terror-Experte Sebastian Gorka, der einen Lehrstuhl an der Marine Corps Universität in Quantico im US-Bundesstaat Virginia innehat, erklärte gegenüber dem Magazin, die Flugzeuge könnten in zweierlei Weise in Nordafrika oder sogar auf einem Gebiet, das auch die Ölfelder von Saudi-Arabien umfasst, für Anschläge verwendet werden.

Die erste mögliche Taktik könnte demnach ein Einsatz wie am 11. September 2001 in New York und Washington sein, also einen Jet in einen "superhohen Präzisionslenkflugkörper von großer Potenz" zu verwandeln. "Die zweite Taktik könnte es sein, das Flugzeug mit seinen zivilen Markierungen als Instrument der Täuschung zu nutzen, um es mit bewaffneten Terroristen beladen in ein für kommerzielle Flüge freigegebenes Gebiet zu fliegen", so Gorka.

Jets in den Händen von algerischem Top-Terroristen?
Der marokkanische Sicherheitsexperte Abderrahmane Mekkaoui erklärte unterdessen gegenüber dem arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera, die gestohlenen Flugzeuge (oder zumindest ein Teil der Maschinen) könnten an die Extremistengruppe des Islamisten Mokhtar Belmokhtar weitergegeben oder gar in dessen Auftrag gestohlen worden sein.

Dem Algerier Belmokhtar, der mehrfach totgesagt wurde, werden unter anderem eine Geiselnahme in einer Gasförderanlage in der Sahara im Süden Algeriens mit Dutzenden Toten 2013 und Anschläge auf französische Soldaten in Mali zugeschrieben. Mekkaoui zufolge gebe es "glaubwürdige Hinweise", dass die Terrorgruppe um Belmokhtar die verschwundenen Flugzeuge rund um den 11. September für Angriffe in den Maghreb-Staaten verwenden könnte.

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