Mo, 20. November 2017

Ungesichert gestürzt

16.08.2014 12:48

Höhlenforscher „war glücklich, heraußen zu sein“

Die Rettungsaktion eines verletzten Höhlenforschers im Salzburger Tennengebirge ist geglückt: Der Pole Marek Gizowsky (27) wurde rund 48 Stunden nach seinem Acht-Meter-Absturz in rund 250 Metern Tiefe der "Jack Daniel's"-Höhle am Samstag um 2.18 Uhr von Berg- und Höhlenrettern ins Freie gebracht. Ein Bundesheer-Hubschrauber brachte den Patienten umgehend ins Landeskrankenhaus nach Salzburg.

"Der Patient ist sichtlich geschwächt, in gutem Allgemeinzustand", erklärte Primar Herbert Resch, der den Polen nach dem Eintreffen ins Krankenhaus untersucht hatte. Der 27-Jährige hat laut dem Mediziner ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, linksseitige Becken- und Rippenbrüche, zahlreiche Blutergüsse und Schwellungen erlitten und leidet an einer leichten Unterkühlung. Er befindet sich zurzeit auf der Anästhesie-Intensiv-Wachstation. Laut Spitalsprecherin Mick Weinberger musste er nicht operiert werden. Der Verletzte benötige am Samstag noch Ruhe, erklärte sie. Am Sonntagvormittag ist ein Pressetermin in der Chirurgie West geplant.

Ungesichert während Schachtquerung ausgerutscht
Zu dem Unfall in der Höhle kam es am Donnerstag um etwa 2 Uhr. Laut Alpinpolizist Herbert Burian, für die Erhebungen nach Höhlenunfällen zuständig, war Gizowsky bei der Querung eines Schachtes ausgerutscht, und zwar genau in dem Moment, als er die Selbstsicherung ausgehängt hatte. Bevor er sich wieder einhängen konnte, sei der Mann ausgerutscht. "Ein Fremdverschulden trifft nicht zu. Es war keine weitere Person beteiligt", sagte der Polizist.

Die Bergretter wurden am Donnerstag um 6 Uhr alarmiert. "Die Bergezeit dauerte 40 Stunden. Es gab keine größeren Komplikationen", erklärte Bergretter und Höhlenforscher Wolfgang Gadermayr am Samstagvormittag in Abtenau. "Ziemlich genau 48 Stunden nach dem Unfall konnte der Eingang der Höhle erreicht werden."

Rettung an körperlicher Leistungsgrenze
182 Einsatzkräfte, davon 79 Höhlenretter, beteiligten sich an der Rettungsaktion. Die Bergung schritt zügig voran, hatte sich aber zum Schluss etwas verzögert, weil die Helfer aufwendige technische Umbauarbeiten an einem Flaschenzug vornehmen mussten. Die Retter gingen bis an ihre körperlichen Leistungsgrenzen. Ihre Anstrengungen haben sich aber letztlich gelohnt.

Höhlenrettungsarzt Jakob Crammer hatte den Verletzten während der zweiten Hälfte der Bergung in der Höhle begleitet und medizinisch betreut. "Der Patient war immer ansprechbar, sein Kreislauf war stabil. Er hat kein Wort Deutsch und Englisch gesprochen. Dadurch war die Kommunikation eingeschränkt", schilderte Crammer.

"Er war glücklich, heraußen zu sein"
Der Patient sei sehr durchtrainiert gewesen und habe eine außergewöhnliche körperliche und mentale Stärke mitgebracht, sagte der Arzt. "Das hat uns einsatztaktisch in die Hände gespielt. Wir konnten ihn relativ rasch mobilisieren und mit wenig Pausen transportieren." Der Pole sei nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch betreut worden. Gemeinsam mit den Bergetrupps habe man versucht, ihn bei Laune zu halten, erzählte der Höhlenrettungsarzt. Als sie den Eingang der Höhle erreicht hatten, "hat man gemerkt, dass er glücklich war, heraußen zu sein, so sehr er auch ein motivierter Höhlenforscher ist. Das war ein schöner Moment."

Per Heli-Nachtflug ins Spital gebracht
Nach der Bergung wurde der Pole um 2.40 Uhr mit einem für Nachtflüge geeigneten "Alouette III"-Helikopter des Bundesheeres, der am Stützpunkt Aigen im Ennstal stationiert war, ins Krankenhaus geflogen. Pilot und Co-Pilot verwendeten dabei Nachtsichtbrillen. Sie mussten wegen aufkommender Nebelschwaden mehrere Runden drehen, bevor sie landen konnten, sagte Ortsfeuerwehrkommandant Markus Kronreif.

Drei Tonnen Material auf Berg transportiert
Der Patiententransport in der Höhle dauerte insgesamt 22 Stunden und 50 Minuten, wie Höhlenretter Christian Roither erklärte. Für den Rettungseinsatz seien drei Tonnen Material auf den Berg gebracht worden, teils mit Körperkraft, teils mithilfe eines Polizeihubschraubers. Insgesamt wurden 52 Hubschrauberflüge gezählt. "2,5 Tonnen sind noch oben im Zelt gelagert", sagte Roither. Diese Gegenstände müssen noch vom Berg geholt werden.

Einsatzkosten noch nicht abschätzbar
Über die Kosten der Bergung konnte der Bürgermeister von Abtenau, Johann Schnitzhofer, noch keine Angaben machen. Die Gemeinde als zuständige Behörde werde die Kosten zusammenstellen. "Einen gewissen Teil wird die Gemeinde zu tragen haben", sagte der Bürgermeister, der sich bei allen beteiligten Einsatzorganisationen und allen ehrenamtlichen Helfern für die gute Zusammenarbeit bedankte. Gerhard Zehentner vom Salzburger Landesverein für Höhlenkunde ging davon aus, dass Gizowsky versichert ist. "Die polnischen Kollegen sind über polnische Alpinverbände sehr gut organisiert."

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