Mi, 22. November 2017

Grausame Bilder

11.08.2014 21:47

Grünen-Abgeordneter berichtet aus der Terror-Hölle

Mit der Eroberung neuer Landstriche im Nordirak durch die dschihadistische Gruppe Islamischer Staat (IS) beginnt für religiöse Minderheiten ein Alptraum. Besonders die Jesiden sind ins Fadenkreuz der Terroristen gelangt, Hunderte wurden bereits getötet. Der grüne EU-Abgeordnete Michel Reimon ist in den Irak gereist, um das Leid der Jesiden zu dokumentieren (siehe Video oben).

Es sind grausame Bilder, die in diesen Tagen aus dem Krisenland kommen. Auf einem Berg im Nordirak harren Zehntausende Menschen bei über 40 Grad Celsius tagelang aus. Sie warten auf Hilfe. Es mangelt an allem: Dutzende sollen bereits verdurstet sein. Die Flüchtlinge gehören einer religiösen Minderheit an, den kurdischen Jesiden. Sie glauben nicht nur an Gott, sondern auch an Engel wie den "Engel Pfau". Damit sind sie nach Ansicht der islamischen Extremisten - die das Gebirge umstellt haben - "Teufelsanbeter", die sterben müssen.

"Mann klammerte sich an Helikopter und stürzte ab"
Der Abgeordnete Reimon, der sich mit seinem Parteikollegen Senol Akkilic auf den Weg in den Irak gemacht hat, berichtet über Facebook, Twitter und seinen Blog aus dem Krisengebiet. So schreibt er zum Beispiel via Facebook: "Unglaubliche Tragödien im Irak: Mirza Dinnayi ist gestern mit dem Helikopter zu den Jesiden in die Berge geflogen, um Wasser und Nahrungsmittel zu bringen. Sie haben natürlich Menschen mit zurückgenommen, aber der Platz ist begrenzt. Die Frau nahmen sie in den Helikopter, ihr Mann klammerte sich beim Abflug daran und stürzte ab. Die Frau bestand dann, als sie bereits in Sicherheit war, darauf, mit dem nächsten Flug zurückzukehren. Sie ist wieder in den Bergen."

Auch Kollege Akkilic ist schockiert von den Geschehnissen vor Ort: "Das menschliche Drama in Irak nimmt schlimmere Dimensionen an. Immer mehr Jesiden, Christen und andere Personen werden zur Flucht gezwungen oder ermordet. Bin jetzt unterwegs nach Erbil, um Informationen aus erster Hand zu bekommen und um mir ein Bild von der Situation vor Ort zu machen", schreibt er auf Facebook.

Jesiden "auf der Skala ganz unten"
Die Dschihadisten gehen besonders brutal gegen Jesiden vor, sie jagen sie regelrecht. "Männer werden geköpft, Frauen vergewaltigt, zwangsverheiratet, als Sexsklavinnen verkauft und gnadenlos getötet", sagt Telim Tolan vom Zentralrat der Jesiden in Deutschland, der im ständigen Kontakt zu seinen Glaubensgenossen vor Ort steht. "IS hat das Ziel, alle religiösen Minderheiten in dieser Region auszulöschen."

"Wir sind auf deren Skala ganz unten", sagte Tolan. Während die Extremisten Christen immerhin noch die Möglichkeit gäben, zu gehen, heiße es bei Jesiden nur: Konvertieren oder Tod. Das Christentum ist im Koran immerhin als schützenswerte Religionsgemeinschaft anerkannt, für Jesiden gilt dieser Status nicht.

Für die Dschihadisten sind die Jesiden schlicht Ketzer. Der "Engel Pfau" (Tausi Melek) ist nach ihrer Meinung der Iblis, der Teufel. Letztlich bietet auch ein Glaubensbekenntnis zum Islam bedrängten Jesiden keinen Ausweg: Denn die IS-Miliz schickt Neu-Konvertiten nach Angaben von Zeugen meist sofort an die Front.

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