Do, 23. November 2017

Prammer-Trauerfeier

09.08.2014 15:25

Fischer: „Wir danken dir, liebe, tapfere Barbara“

Rund 2.000 Trauergäste haben am Samstag bei der Trauerfeier vor dem Parlament Abschied von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer genommen. Die Redner würdigten Prammers Engagement für die Demokratie, für Minderheiten und Frauenrechte. "Wir alle können stolz auf sie sein", so Bundespräsident Heinz Fischer bei seiner Rede. "Wir danken dir, liebe, gute, tapfere Barbara."

Zu dem Staatsakt bei strahlend-heißem Sommerwetter waren rund 600 Ehrengäste aus dem In- und Ausland gekommen, zahlreiche Bürger folgten den Reden und musikalischen Darbietungen auf der - dafür gesperrten - Ringstraße vor dem Parlament.

Fischer: "Beeindruckende Persönlichkeit unseres Landes"
"Ihr könnt sicher sein, dass eure Barbara als beeindruckende Persönlichkeit unseres Landes, als große Frau in unsere Geschichte eingehen wird", sagte Bundespräsident Fischer zu Prammers Familie. Er erinnerte auch an den "bewundernswerten und mit Recht bewunderten Weg", wie Prammer mit ihrer Krebserkrankung umgegangen war, und dankte auch ihren Ärzten, dem Pflegepersonal und der Krebshilfe ebenso wie ihren Mitarbeitern, die dieser "starken, zarten, liebenswerten Frau" beiseite gestanden waren.

Zugleich nahm er die unzähligen Respektsbekundungen für die verstorbene Nationalratspräsidentin auch zum Anlass, darüber nachzudenken, "wie sehr sich Barbara auch nur über einen kleinen Bruchteil dieses Lobes zu Lebzeiten gefreut hätte". Seine Bitte daher: "Entwickeln wir alle miteinander zeitgerecht möglichst viel Sensibilität, Verantwortungsbewusstsein und Fairness im Umgang mit anderen Menschen. Das gilt besonders für Politik und Medien, aber es gilt auch für alle Menschen."

Prammer stand "für Toleranz und Offenheit"
Bundeskanzler Werner Faymann würdigte Prammers Werthaltung, die auf Demokratie, Menschenrechten und solidarischem Miteinander gefußt habe. "Durch ihren Tod verliert die Republik eine führende Persönlichkeit, sie verliert eine Leitfigur der Demokratie. Wir alle verlieren einen außerordentlich liebevollen und wertvollen Menschen." Prammer sei für Toleranz und Offenheit gestanden. "Ein demokratisches Gemeinwesen braucht Menschen mit Grundsätzen, wie sie es war, mit einer Vorstellung davon, wie das Zusammenleben in einem Staat aussehen soll."

Prammer habe noch "so vieles vorgehabt", bedauerte der Kanzler. "Österreich verliert eine große Politikerin und Staatsfrau. Die Sozialdemokratie zudem eine ihrer wichtigsten und bedeutendsten Vertreterinnen. Liebe Barbara, du wirst uns sehr fehlen."

"Musste den einen oder anderen Strauß ausfechten"
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die 2009 von Prammer den Vorsitz der SPÖ-Frauen übernommen hatte, blickte auf "gemeinsame Jahre, geprägt von Vertrauen und Unterstützung" durch ihre "Freundin und Mentorin", zurück. Prammer sei stets für eine "Zukunft, in der Frauen gleichberechtigt und selbstbestimmt leben können", eingetreten. Dafür habe sie auch parteiintern "den einen oder anderen Strauß auszufechten gehabt", etwa in der Frage der Frauenquote.

"Beharrlich und konsequent hast du, Barbara, diesen Weg und viele andere Wege für uns aufbereitet." Prammer habe sich für den Gewaltschutz eingesetzt, sie sei überzeugte Antifaschistin gewesen, habe sich stets für Minderheiten stark gemacht und sei "eine wichtige Verbündete für gleichgeschlechtlich Liebende" gewesen. "Du warst ein liebenswerter Mensch, und du bist eine große Tochter Österreichs und Europas. Ich bin stolz, dich gekannt zu haben."

Kopf: "Ich verneige mich vor einer großen Österreicherin"
"Ich verneige mich heute respektvoll vor einer großen Demokratin - einer großen Österreicherin - und bedanke mich namens des Nationalrates und seiner Abgeordneten bei unserer Präsidentin für ihre umsichtige, überparteiliche und vor allem menschliche Art der Führung des Hauses", würdigte der Zweite Nationalratspräsident Karl-Heinz Kopf Prammers Tätigkeit an ihrer letzten Wirkungsstätte.

Und er verneigte sich vor dem "Menschen Barbara Prammer. Vor einer Frau, die mit großer Demut ihre schwere Erkrankung angenommen, diese Krankheit gleichzeitig mit enormer Willensstärke bekämpft und trotzdem ihr Amt mit unglaublicher Disziplin bis vor wenigen Wochen nahezu uneingeschränkt ausgeübt hat."

Prammer sei eine "engagierte Kämpferin für den unverzichtbaren Stellenwert und die Würde des Parlaments" und die stetige Weiterentwicklung der Demokratie gewesen, erinnerte Kopf an ihre "Beharrlichkeit", der unter anderem letztlich die U-Ausschuss-Reform und die Einigung auf die Parlamentssanierung zu verdanken sei, an die von ihr eingerichtete Demokratiewerkstatt und das Jugendparlament. "Überglücklich" habe sie während ihres letzten Krankenhausaufenthalts gemacht, dass das Gesetz zur Sanierung einstimmig vom Nationalrat beschlossen wurde.

"Wir werden Sie in ehrenvoller Erinnerung behalten"
Mit den Worten "Liebe Frau Präsidentin, wir werden weiterhin sehr oft an Sie denken und Sie in ehrenvoller Erinnerung behalten. Der Herrgott möge Ihnen Ihre vielen guten Taten vergelten und Ihnen den ewigen Frieden schenken", verabschiedete sich der Zweite Nationalratspräsident.

Bundesratspräsidentin Ana Blatnik - eine Kärntner Slowenin - hob Prammers Engagement für Volksgruppen und Minderheiten hervor, den von ihr eingeführten Volksgruppentag im Hohen Haus oder das 2011 vor dem Parlament errichtete Barackendorf zum Hinweis auf die Situation der Roma und Sinti. Prammer habe "den Bausteinen, auf denen unsere Gesellschaft fußt, ein Gesicht gegeben", mit ihrem konsequenten Bekenntnis zu Toleranz, Menschenrechten, Chancengleichheit, Dialog und Kompromiss und Auftreten gegen Diskriminierung, Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus.

Prammers internationale Bemühungen gewürdigt
Auch Prammers internationale Bemühungen um die Stärkung der Menschenrechte und Demokratie würdigte Blatnik. Zur Trauerfeier waren zahlreiche internationale Gäste erschienen - darunter Parlamentspräsidenten aus Deutschland, der Tschechischen Republik, Slowenien und Kroatien und in Vertretung des Präsidenten des Europaparlaments Vizepräsidentin Ulrike Lunacek. Sie legten zu den Klängen der von Harri Stojka interpretierten internationalen Roma-Hymne eine Rose am Sarg ab.

Die Beisetzung von Prammer in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof findet - zu einem nicht bekannt gegebenen Zeitpunkt - im engsten Familienkreis statt.

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