Fr, 25. Mai 2018

Tuning-Tipps

07.09.2014 09:00

So machen Sie lahmen WLAN-Netzen Beine

PC, Laptop, Spielkonsole, Smartphone, Tablet, Smart-TV, womöglich gar ein intelligenter Kühlschrank: Die Zahl der Geräte, welche die Heimnetzwerke der Österreicher bevölkern, hat sich in den vergangenen Jahren rasant erhöht – und mit ihr auch die Menge der übertragenen Daten. Dass es sich deshalb auszahlt, das heimische WLAN von Zeit zu Zeit einer Frischzellenkur zu unterziehen, übersehen viele Nutzer – und ärgern sich über hohe Latenz, WLAN-Funklöcher und lahme Datenraten. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihr Heimnetzwerk mit Know-how, Gratis-Tools und neuer Hardware optimieren.

Wer sein Heimnetzwerk modernisieren möchte, sollte sich zunächst mit dem Istzustand der Netzwerkinfrastruktur befassen. Wie schnell ist der Router, was leisten die WLAN-Module in den einzelnen Geräten? Gibt es überall in der Wohnung ausreichend Empfang? Wie schnell muss die Anbindung der einzelnen Geräte eigentlich sein? Ein Spiele-PC, der Steam-Games auf einen Rechner beim TV-Gerät streamen soll, braucht beispielsweise eine deutlich schnellere Anbindung als ein Netzwerkdrucker, der nur hie und da Dokumente empfängt.

Datenraten sind rasant gestiegen
Bevor man sich mit dem heimischen WLAN beschäftigt, sollte man zudem einige Basics kennen. Dazu gehören beispielsweise die Übertragungsraten. Die Übertragungsrate wird in Megabit pro Sekunde gemessen und beträgt bei schnellen kabelgebundenen Netzwerken 1.000 Megabit pro Sekunde. Achtung: Megabit sind nicht das Gleiche wie Megabyte, hat ein Byte doch acht Bit. Um die Transferrate in Megabyte zu erhalten, dividiert man die Megabit-Rate also durch acht. Bei 1.000 Megabit sind es also 125 Megabyte, die unter Idealbedingungen in der Sekunde übertragen werden.

Bei den neuesten WLAN-Routern, die nach dem IEEE 802.11ac-Standard funken, sind unter Idealbedingungen ähnliche Raten im Bereich der 1.000 Megabit drin. Wächst der Abstand zum Router oder liegen Funkhindernisse wie dicke Wände zwischen WLAN-Gerät und Router, sinkt die Übertragungsrate allerdings schnell. Wer einen einigermaßen aktuellen WLAN-Router nach 802.11n-Standard sein Eigen nennt, überträgt unter Idealbedingungen zwischen 300 und 600 Megabit. Wer noch einen Router mit dem veralteten WLAN-Standard 802.11g hat, überträgt bestenfalls 54 Megabit pro Sekunde – vor allem Besitzer dieser Gerätegruppe sollten über ein Upgrade auf ein schnelleres Modell nachdenken - wenn die anderen WLAN-Geräte im Heimnetz die höheren Datenraten auch beherrschen.

Der Router als Herzstück des Heimnetzwerks
Denn: Beim Router laufen alle Fäden im Netzwerk zusammen. Wer hier auf ein altes Modell setzt, bremst alle neueren Geräte im Netzwerk aus – insbesondere, wenn mehrere parallel verwendet werden. In Haushalten mit mehreren Smartphones und PCs stößt ein 54-Megabit-Router schnell an seine Grenzen, ein N-Modell sollte es mindestens sein. Wer ganz zukunftssicher unterwegs sein will und gerne streamt und spielt, kann auch schon zu einem .ac-Router greifen – die Menge der übertragenen Daten wird in der Zukunft sicher nicht kleiner.

Aktuelle Router bieten neben der puren Geschwindigkeit auch noch andere Vorteile. Viele kommen heutzutage mit USB-Ports, über die sich beispielsweise externe Festplatten anschließen und als Netzwerkspeicher verwenden lassen. Viele Router enthalten auch UPNP-Streamingserver, mit denen die Inhalte der angeschlossenen Festplatte direkt aufs TV-Gerät oder die netzwerkfähige Stereoanlage gestreamt werden. Als besonders vielseitig gelten beispielsweise die Router des deutschen Herstellers AVM, die unter anderem auch Telefon- und Anrufbeantworterfunktionen und einen per Handy-App zugänglichen privaten Cloud-Speicher mitbringen. Einen detaillierten Überblick über empfehlenswerte aktuelle Gigabit-Router gibt's online beim IT-Magazin "c't".

Empfangsprobleme erkennen und lösen
So viel zur Geschwindigkeit. Die ist im Heimnetzwerk allerdings nicht alles, wie jeder weiß, der schon einmal mit mysteriösen Verbindungsproblemen, hohen Latenzen und lahmen Datenraten zu kämpfen hatte. Tatsächlich ist die Signalqualität, die vom Router beim WLAN-fähigen Gerät ankommt, mindestens genauso wichtig wie die Router-Geschwindigkeit an sich. Wer in einer Wohnung mit dicken Wänden lebt, seinen Router an einer ungünstigen Position stehen hat, oder einfach viel Fläche mit WLAN zu versorgen hat, hat schnell vielerorts in seinen vier Wänden schlechten Empfang.

Lösungsansätze für schlechten Empfang gibt es viele. Die wohl einfachste, aber wegen fix platzierter Telefon- und Kabelanschlüsse für viele Menschen nicht realisierbare Lösung ist es, den Router optimal zu platzieren. Steht der Router relativ mittig im mit WLAN abzudeckenden Gebiet, ist dies der Empfangsqualität zuträglicher, als wenn er am Rand steht. Tipp für all jene, die den Luxus haben, ihren Router innerhalb der Wohnung umzusiedeln: Mit dem Gratis-Tool "Heatmapper" kann man relativ unkompliziert die Funkabdeckung in den eigenen vier Wänden visualisieren und mit dem gewonnenen Wissen optimieren.

Kann der Router nicht zentral positioniert werden, gibt es trotzdem Abhilfe – in Form von WLAN-Repeatern, die man auf halbem Weg zur mit WLAN zu versorgenden Stelle zur Signalverstärkung anbringt, und – wenn die zu überbrückende Distanz besonders groß ist – PowerLAN-Adaptern, welche das Heimnetzwerk unkompliziert über das Stromnetz ausdehnen.

Analyse-Tools erkennen unerklärliche Probleme
Lahmt das WLAN trotz schnellem Router und gutem Empfang, steht die Spurensuche am Programm. Mit Gratis-Tools für PC oder Smartphone kann das heimische WLAN auf Herz und Nieren getestet werden, wodurch man das Problem am Ende eingrenzen und beheben kann.

Am PC greift man beispielsweise zu Netzwerk-Analysewerkzeug wie dem "Wi-Fi Inspector" von Xirrus. Ebenfalls empfehlenswert und besonders kompakt: "inSSIDer" von Metageek. Mit dem Smartphone kann ein WLAN ebenfalls analysiert werden. Android-Nutzer greifen beispielsweise zum "Wifi Analyzer" oder "Fing", das auch für iOS-Geräte verfügbar ist.

Bei der WLAN-Analyse sollte man auf verschiedene Faktoren achten. Wer einen Router hat, der am 2,4-Gigahertz-Band funkt, und in einer Nachbarschaft mit vielen verschiedenen WLAN-Netzen wohnt, könnte beispielsweise darunter leiden, dass sich das eigene Netz und jene der Nachbarn gegenseitig bremsen. Abhilfe schafft hier, auf die bei moderneren Routern nach den Standards 802.11n oder 802.11ac standardmäßig genutzte 5-Gigahertz-Frequenz zu wechseln, da hier deutlich mehr sich überlappende Netze genutzt werden können, ohne sich gegenseitig zu beeinträchtigen.

Port-Priorisierung macht Router schlauer
Wenn das WLAN eigentlich tadellos funktioniert und auch Empfang und Frequenz passen, es aber trotzdem lahm wirkt, liegt das oft an Geräten im Heimnetzwerk selbst, welche das WLAN stark beanspruchen. Wenn eine moderne Spielkonsole im Standby-Modus ein mehrere Gigabyte großes Update herunterlädt, der Junior im Kinderzimmer nebenbei ein YouTube-Video am Tablet anschaut und dann noch Musik gestreamt wird, kann das Surfen schnell zur Qual werden.

Helfen kann in diesem Fall, am Router eine Port-Priorisierung vorzunehmen. Einsteiger sollten hierzu jemanden zurate ziehen, der sich ein wenig mit Netzwerktechnik auskennt. Das Grundprinzip ist jedoch schnell erklärt: Verschiedene Online-Dienste wie das fürs Surfen notwendige HTTP, Online-Games, Streaming-Dienste und dergleichen kommunizieren mit der Gegenstelle im Internet über unterschiedlich nummerierte Ports. Bei vielen Routern können diesen Ports bestimmte Prioritäten zugewiesen werden.

HTTP-Ports sollte man hoch priorisieren
Wer mag, kann stät zuweisen und Ports, die für eher nebensächliche Dinge wie Downloads verwendet werden, herunterpriorisieren. FTP-Downloads beanspruchen beispielsweise den Port 20. Torrent-Programme, mit denen Daten aus Peer-to-Peer-Netzen heruntergeladen werden, haben keinen fix zugewiesenen Port, geben in den Einstellungen aber darüber Auskunft, auf welchen Ports sie kommunizieren. Auch hier kann es sich lohnen, herunterzupriorisieren.

Der Effekt der Port-Priorisierung: Wenn beim Router besonders viele Anfragen ankommen, weil gerade mehrere Geräte parallel genutzt werden, kann dieser durch die Priorisierung zwischen wichtigen und unwichtigen Anfragen unterscheiden. Surf-Anfragen werden demnach beispielsweise schneller bearbeitet als Downloads. Und so behindern Updates oder größere Downloads das Surfvergnügen für die restlichen Nutzer nur mehr minimal.

Mehr Möglichkeiten mit alternativer Firmware
Wer generell möglichst viele Einstellungen am Router selbst vornehmen und sein Gerät bis ins letzte Detail an die eigenen Erfordernisse anpassen möchte, sollte einen Blick auf alternative Firmware für seinen Router werfen. Geräte verschiedenster Hersteller können beispielsweise mit relativ einfachen Mitteln von der Herstellersoftware befreit und mit einer alternativen Firmware wie DD-WRT bespielt werden.

Der Vorteil: Die Einstellmöglichkeiten sind deutlich umfangreicher als ab Werk. So gut wie alle Einstellungen am Router können mit solcher Firmware verändert werden. Diese Vorgehensweise sei allerdings ausdrücklich nur jenen Nutzern ans Herz gelegt, die keine Angst vor Experimenten und englischen Hilfeforen haben, wenn sie mit unerwarteten Problemen konfrontiert werden.

Alle anderen sollten den Router-Herstellern vertrauen und ihr WLAN primär durch aktuelle Hardware, Repeater und die Analyse mit den oben genannten Tools auf Vordermann bringen. Wer tatsächlich Eingriffe an der Software des Routers selbst vornehmen möchte, sollte sich im Bekanntenkreis umhören oder Experten zurate ziehen. Dann klappt's auch mit steigenden Datenmengen und immer mehr Geräten im Heimnetzwerk.

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