Sa, 16. Dezember 2017

Großer Abschied

02.08.2014 17:00

STS: Das spontane Ende einer Epoche

Irgendwie waren STS immer da, ihre Hits sind längst allgemeines Kulturgut. Wie ein Schock war die Meldung, dass die Steirer nie wieder live auf der Bühne stehen werden. Ihre Lieder werden das prompte und unerwünschte Ende der Austropop-Legende überdauern und noch weiter gesungen werden.

Es ist kein glamouröser Schlussstrich für eines der erfolgreichsten Kapitel heimischer Musikgeschichte. Arthrose im Schultergelenk lautet die nüchterne Diagnose für Günter Timischl. 36 Jahre ungebrochener Spielfreude hielt das Gelenk aus – doch nun ist Schluss: Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz gaben vor Kurzem bekannt, dass sie nie wieder live auftreten werden – STS ohne T ist nicht vorstellbar, nur zu dritt ergeben sie ein Ganzes.

Ort der Sehnsucht
STS gehörten seit Jahrzehnten so fix zum heimischen Repertoire, dass das stille Ende wie ein Schock kam. Das steirische Triumvirat war nie wirklich trendig oder in, nicht einmal, als es 1984 "Fürstenfeld" zum Ort der Sehnsucht erhob und damit in den Radiostationen auf Dauerschleife lief.

Während es viele in die Wiener Szene zog, wo die Mädeln mit "schwoaze Lippen, grünen Hoarn" in der Disco abhingen, feierten STS die Provinz und wollten "z'ruck hintern Semmering". Das war vielleicht nicht cool – aber es war ehrlich. Es entsprach auch nicht dem Zeitgeist, aber wie die Zeit bewies, ist es zeitlos. So wie all ihre Lieder. Die Gelenke mögen Verschleißerscheinungen zeigen – ihre Hits tun das noch lange nicht.

Frisch, knackig, steirisch
Für jede Lebenslage hatten STS das passende Lied parat. Wenn's ums Herz ging, durfte es auch einmal eine "Überdosis G'fühl" sein, damit es nicht "Kalt und immer kälter" wird. Ihre Helden fanden sie nicht in der großen weiten Welt, sondern nur ein Stockwerk höher, wo sie dem "Großvater" ein ewiges Denkmal setzten. Und um wie viel schöner geht die Sonne auf, wenn es nicht "Here Comes The Sun", sondern frisch, knackig, steirisch "Do kummt die Sunn" heißt.

Neben den alltäglichen großen und kleinen Gefühlen packten sie auch  die Probleme der Welt in ihren typischen harmonischen Dreigesang – Krieg, soziale Ungerechtigkeit, Umweltverschmutzung, nicht immer waren ihre Texte bequem.

Die große Dreifaltigkeit
Mit den großen Tourneen haben STS schon 2012 abgeschlossen – damals waren die großen Hallen restlos ausverkauft. Hard Rocker und Jazz-Fans, Großväter und Enkerln, Mädchen mit schwarzen Lippen und Omas im Trachtenjanker schwelgten gemeinsam in musikalischen Erinnerungen – vereint unter der steirischen Dreifaltigkeit.

Dass sie die Gitarren ganz an den Nagel hängen werden, dachten damals nicht einmal die drei selbst. Arthrose besiegelte nun das   schmerzhafte Ende einer unglaublichen Karriere. Schmerzhaft für Günter Timischl, aber auch für ganz Österreich. Was bleibt, sind ihre Lieder – und dafür sagen wir danke!

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