Mo, 20. November 2017

270 Veranstaltungen

27.07.2014 15:45

Salzburger Festspiele eröffnet - Plädoyer für EU

Die 94. Salzburger Festspiele sind Sonntagmittag von Bundespräsident Heinz Fischer offiziell eröffnet worden. Der australische Historiker Christopher M. Clark hielt als Festredner ein flammendes Plädoyer für die EU: "Die Europäische Union ist ein Projekt, das zu den größten Errungenschaften der Geschichte der Menschheit gehört."

Begonnen hatte das Klassik-Festival bereits in der Vorwoche mit der "Overture Spirituell" und der Premiere des "Jedermann". Die Festspiele 2014 bieten 270 Veranstaltungen an 16 verschiedenen Spielstätten mit 265.000 Tickets. Einige Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler begrüßte Clark und erklärte, das Generalthema der Festspiele 2014, der Erste Weltkrieg, liege auch "gründungsgeschichtlich auf der Hand".

EU als "Modell für friedliche Schlichtung von Konflikten"
Clark machte in der Festrede deutlich: "Wir befinden uns - wie die Zeitgenossen des Jahres 1914 - in einer zunehmend gefährlichen, multipolaren Welt, gekennzeichnet durch regionale Krisen. Es gibt ein Neben- und Gegeneinander eines ermüdenden und vermeintlich im Niedergang begriffenen Weltreichs und einer emporstrebenden Weltmacht, die mit ihrem ungestümen Rütteln am globalen Mächtegefüge für Unruhe sorgt." Clark spielte damit explizit nicht auf Russland, sondern auf die USA und China an.

"Wir sind nicht unbedingt klüger oder weiser als unsere Vorfahren. Aber wir haben, jedenfalls in Europa, bessere Strukturen", erklärte Clark weiter. Aus den Ruinen zweier Weltkriege sei eine Wirtschafts- und Friedensordnung hergestellt worden, die weltweit einmalig ist. "Es ist nicht nur, dass durch die EU ein Krieg zwischen den Staaten Europas unvorstellbar geworden ist, sondern dass dieses transnationale Gebäude für die ganze Welt ein Modell bietet für die friedliche Schlichtung von Interessenskonflikten."

Landeshauptmann Haslauer: Rettung der Welt nur mit Kunst
Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer sprach von der "Hassliebe zwischen Kunst und Staat". Diese Beziehung gleiche "lang verheirateten Ehegatten", die nicht ohne einander leben können, aber deren Angewohnheiten den anderen bis zur Weißglut reizen. Seine Schlussworte: "Die Kunst rettet die Welt nicht. Das müssen wir schon selber besorgen. Aber ohne Kunst wird uns das kaum gelingen."

Kulturminister Josef Ostermayer dankte allen Mitwirkenden für das sorgsam ausgewählte Programm der Festspiele 2014, das sich unserer Geschichte annehme und damit eine "verantwortungsvolle Aufgabe", wahrnehme. "Kunst ist auch ein Mittel gegen Verallgemeinerung und Vorurteil, gegen Rassismus, Hetze und Antisemitismus", betonte Ostermayer.

Fischer: "Frieden ist eine permanente Aufgabe"
Bundespräsident Fischer, der seit Beginn seiner Amtszeit alljährlich die Festspiele eröffnet, wurde auf dem Residenzplatz mit militärischen Ehren von der Militärmusik Salzburg und einer Ehrenkompanie des Radarbatallions aus der Schwarzenbergkaserne empfangen.

In seiner Festrede betonte Fischer, dass es notwendig sei, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Etwa die Absage an einen aggressiven Nationalismus, die Tatsache, dass Gewalt die Probleme nicht löse und dass Frieden keine Selbstverständlichkeit, sondern eine permanente Aufgabe sei.

Jede Menge Prominenz unter den Gästen
Dem thematischen Fokus entsprechend lasen Jedermann-Darsteller Cornelius Obonya und Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf Werke von Karl Kraus und Stefan Zweig. Für die musikalische Gestaltung sorgte Chefdirigent Ivor Bolton mit dem Mozarteum-Orchester Salzburg und die Sopranistin Laura Aikin. Gespielt wurden Werke von Richard Strauß, Anton Weber und Ludwig van Beethoven.

Im Publikum saßen unter anderem Bundeskanzler Werner Faymann und Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter sowie der Präsident des tschechischen Abgeordnetenhauses, Jan Hamacek. Die Salzburger Landesregierung und Vertreter des Salzburger Landtages und Gemeinderates sowie Bürgermeister Heinz Schaden nahmen ebenso teil wie kirchliche Würdenträger, etwa Salzburgs Erzbischof Franz Lackner.

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