Do, 19. Oktober 2017

In Spitälern

26.07.2014 09:47

Abtreibung: Stöger will Möglichkeit auch im Westen

Gesundheitsminister Alois Stöger drängt darauf, dass in allen Regionen Österreichs Schwangerschaftsabbrüche in öffentlichen Spitälern möglich sind. Im Burgenland soll es ab Herbst so weit sein. Säumig sieht Stöger hier nur noch den Landeswesten - Tirol und Vorarlberg.

Der Gesundheitsminister hat bereits wiederholt die Möglichkeit zu Abtreibungen in öffentlichen Krankenhäusern in allen Regionen gefordert. Diese Forderung sei nach wie vor aufrecht, hieß es aus seinem Büro. Aus dem Burgenland sollen Frauen im Fall einer ungewollten Schwangerschaft nicht länger auspendeln müssen, ab Herbst sollen Ärzte aus anderen Bundesländern Abtreibungen auch im östlichsten Bundesland durchführen. Derzeit sei man auf Partnersuche, erklärte eine Sprecherin von Soziallandesrat Peter Rezar.

Stöger zeigte sich darüber erfreut: "Am Beispiel Burgenland sieht man, wie gut eine Kooperation funktionieren kann. Das ist ein wichtiger Schritt zur Selbstbestimmung für Frauen. Wir wünschen uns eine Lösung für den Westen Österreichs." Zwar werden Abtreibungen auch von niedergelassenen Ärzten durchgeführt, dies allerdings zu sehr unterschiedlichen Preisen, hieß es aus Stögers Büro.

ÖVP sieht keinen Handlungsbedarf
Die ÖVP stellt sich gegen Stögers Pläne, Schwangerschaftsabbrüche landesweit in öffentlichen Spitälern zu ermöglichen. "Es kann kein Arzt dazu gezwungen werden", sagte VP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger am Samstag. Auch Vorarlbergs VP-Gesundheitslandesrat Christian Bernhard sieht Stögers Vorstoß kritisch. Bernhard ist der Ansicht, dass der "Vorarlberger Weg" vernünftig sei. Es gebe andere Anbieter, zudem gebe es keine Geschichte oder Tradition, dass Schwangerschaftsabbrüche in Krankenhäusern durchgeführt würden. In Tirol sieht die grüne Soziallandesrätin Christine Baur hingegen sehr wohl Handlungsbedarf. Die Situation werde derzeit tatsächlich evaluiert, was allerdings nicht so leicht sei, meinte Baur.

Jährlich rund 30.000 Schwangerschaftsabbrüche
Laut Schätzungen von Christian Fiala, Gynäkologe und Begründer des privaten Ambulatoriums Gynmed in Wien, werden in Österreich jährlich rund 30.000 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt, das sind zwei- bis dreimal mehr als in der Schweiz, in Deutschland oder in den Niederlanden. "In Österreich haben wir eine unnötig hohe Rate an Abbrüchen im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern", so Fiala. Zurückzuführen sei dies auf die mangelhafte Verhütung. "Eine wichtige Maßnahme wäre die Kostenübernahme der Verhütung und des Abbruchs", fordert der Gynäkologe.

Die meisten Frauen, die einen Abbruch durchführen lassen, haben bereits ein Kind oder mehrere Kinder, geht aus Fialas Daten hervor. Meist sind die Frauen zwischen 20 und 35 Jahren alt, die meisten Abbrüche werden vor der achten Schwangerschaftswoche durchgeführt. Ungewollt schwanger wurden viele der Frauen, weil sie ungenügend oder gar nicht verhütet haben. Der Gynäkologe ortet daher die größten Mängel schon bei der Prävention, also ausreichend Aufklärung und Sexualkunde: "Dafür gibt es gar keinen politischen Willen und kein Geld."

Kosten für Abtreibung können 800 Euro übersteigen
Apropos Geld: Bei Gynmed belaufen sich die Kosten für eine Abtreibung auf 490 Euro. Sie sind in den Praxen und Spitälern unterschiedlich hoch und reichen bis über 800 Euro, etwa in Niederösterreich. Fiala gibt zu bedenken, dass ein Schwangerschaftsabbruch "nichts ist, auf das man hinspart", sondern eine Notfallmaßnahme, für die man plötzlich mehrere Hundert Euro auf den Tisch legen muss. Der Arzt pocht deshalb auf die Kostenübernahme durch die Krankenkassen - dies sei westeuropäischer Standard.

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