Do, 23. November 2017

Brisantes Thema

25.07.2014 20:42

Debatte um Sprachförderung neu entflammt

Die Einrichtung von eigenen Klassen für Quereinsteiger - also Kinder, die erst während der Schulzeit nach Österreich kommen - ohne ausreichende Deutschkenntnisse sorgt wieder einmal für Aufregung. Der Expertenrat für Integration schlägt dazu im neuen Integrationsbericht zwar durchaus eigene "Vorbereitungsklassen" vor - diese sollen aber nur "so kurz wie möglich" besucht werden. Während sich das Bildungsministerium mit der derzeit praktizierten Regelung zufrieden zeigt, fordert die FPÖ eigene "Ausländerklassen" – was wiederum die Grünen strikt ablehnen.

Auszüge aus dem Integrationsbericht, der am Montag veröffentlicht werden soll, waren bereits im Vorfeld publik geworden - darunter auch das Kapitel über "Vorbereitungsklassen" für Quereinsteiger.

Über das Thema "Deutsch vor Schuleintritt" hatten SPÖ und ÖVP in den vergangenen Jahren häufig gestritten. Vor allem der damalige VP-Integrationsstaatssekretär und heutige Außenminister Sebastian Kurz hatte darauf gedrängt, Schüler mit Sprachproblemen zunächst in eigenen Klassen auf die Teilnahme am Regelunterricht vorzubereiten. Die damalige SP-Unterrichtsministerin Claudia Schmied hingegen lehnte "Ghetto-Klassen" ab. Später einigten sich die beiden auf einen Kompromiss. Im aktuellen Regierungsprogramm findet sich ein Passus, wonach "für Kinder mit Sprachförderbedarf verpflichtende sprachliche Intensivkurse eingerichtet werden".

Experte für "temporäre Vorbereitungsklassen"
So dürften sich auch im nunmehrigen Vorschlag beide Seiten wiederfinden: Für Quereinsteiger soll es zwar durchaus "Vorbereitungsklassen" geben. Gleichzeitig machte der Vorsitzende des Expertenrats für Integration, Heinz Faßmann, aber klar, dass diese "nur temporär" besucht werden sollen. Solche Klassen sollten wie ein "Crashkurs" funktionieren - "es soll in möglichst kurzer Zeit ein notwendiger Grundstock an Deutschkenntnissen beigebracht werden". Das könne auch in den Sommermonaten passieren, Ziel sei die Überführung der Kinder ins Regelschulwesen. "Das sollte keine dauerhafte Einrichtung sein, kein paralleles Schulwesen für Migranten oder für Personen, die schlecht Deutsch sprechen." Keine Freude hat Faßmann daher mit der Zuspitzung auf die Frage "Extra-Klasse oder nicht Extra-Klasse".

Die Sprachförderung muss nach Ansicht Faßmanns bereits im Kindergartenalter beginnen - mit einem Test für alle Kinder, also nicht nur Migranten. "Wenn dann ein bestimmter Förderbedarf im Bereich der deutschen Sprachbeherrschung existiert, sollen Fördermaßnahmen einsetzen." Auch in den Volksschulen müsse zusätzliche Förderung angeboten werden - und zwar als additiver Unterricht. "Kinder bleiben in ihrer Klasse und erhalten zusätzlichen Unterricht, der vielleicht am Nachmittag stattfinden kann."

Bildungsministerium versucht zu beruhigen
Im Bildungsministerium versuchte man zu kalmieren und verwies auf das Regierungsprogramm und die derzeitige Praxis in den Ballungsräumen. Schon jetzt würden dort Kinder mit Sprachproblemen in vorbereitenden Gruppen für den Regelunterricht vorbereitet. "Es macht aber keinen Sinn, die Kinder langfristig aus der Gruppe herauszunehmen", hieß es.

Die Wiener SP-Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl zog die Bundeshauptstadt als Beispiel heran: Für Kinder ohne Deutschkenntnisse gebe es etwa die "Neu in Wien"-Kurse, bei denen die Schüler für einen bestimmten Zeitraum aus der Klasse genommen werden und Sprachförderung erhalten, sowie die Sprachförderkurse für Kinder mit geringen Sprachkenntnissen. Die Kinder würden dabei nicht die ganze Zeit aus der Klasse herausgelöst, damit sie die Sprache beim Plaudern mit den Mitschülern auch anwenden können.

FPÖ fordert weiterhin "Ausländerklassen"
Keinesfalls dürften die von der FPÖ am Freitag erneut geforderten "Ausländerklassen" eingerichtet werden, erklärte Brandsteidl. Der 21-jährige schlagende Burschenschafter Maximilian Krauss, den die FPÖ als zweitstärkste Partei in den Wiener Stadtschulrat hieven will, hatte diesbezüglich erklärt: "Das sind solche Klassen, in denen nur Leute mit Migrationshintergrund drinnen sind, die nicht ausreichend Deutsch können, um dem Unterricht zu folgen." FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sah sich am Freitag durch das nunmehrige Expertenpapier jedenfalls bestätigt. Bei einem Pressegespräch mit Krauss meinte Strache, seit 15 Jahren würde seine Partei solche Klassen fordern, habe aber immer nur einen "Shitstorm" geerntet. Nun gebe ihm das Expertengremium Recht.

Grüne dezidiert gegen eigene Sprachklassen
Wie die SPÖ kann auch Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig dem Vorschlag, Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen in spezielle Klassen zu stecken, absolut nichts abgewinnen. Sie will bereits bei den Kleinsten ansetzen und fordert ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr - danach wäre die Sprachkompetenz bei allen so gut ausgeprägt, dass sie mit sechs Jahren gemeinsam dem Unterricht folgen können. Zudem verwies sie bei einer Pressekonferenz am Freitag auf den bereits jetzt vorhandenen Förderunterricht und betonte dazu, dieser sei nicht an Nationalitäten, Staatsbürgerschaften oder die Herkunft zu knüpfen, sondern ausschließlich an die sprachliche Entwicklung eines Kindes.

Die Grünen-Chefin zeigte sich zufrieden damit, dass sich die Diskussion über die Integration in den vergangenen Jahren positiv verändert habe. Sie forderte aber etwa, dass jungen Menschen, die in Österreich geboren wurden, auf dem Weg zur Staatsbürgerschaft keine Hürden aufgebaut werden.

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