Sa, 21. Oktober 2017

"Augen zu und durch"

24.07.2014 12:55

Notstandshilfe ergaunert: Ärztin verurteilt

Eine Ärztin ist am Donnerstag im Wiener Landesgericht rechtskräftig verurteilt worden. Obwohl sie über ein reguläres Einkommen verfügte, bezog sie seit 2005 Notstandshilfe. Erst 2012 flog der Schwindel auf, als ihr die Finanzpolizei auf die Schliche kam. "Ich habe das Geld gebraucht", führte sie vor einem Schöffensenat ins Treffen.

Nach einem Jobverlust hatte die Ärztin beim AMS um finanzielle Unterstützung angesucht. Dass sie recht bald wieder eine Arbeit fand, verschwieg sie. Sie füllte stattdessen weiter ihre Anträge aus und bezog so im Lauf der Jahre rund 58.000 Euro Notstandshilfe, die ihr nicht zugestanden wäre.

Dies fiel deshalb geraume Zeit nicht auf, weil die Medizinerin keinen Kassenvertrag hatte, sondern als Wahlärztin auf Honorarbasis arbeitete. Ihre Einkünfte versteuerte sie erst mit erheblicher Verspätung.

"Krisensituation" wegen Schuldenbergs
In ihrer Einvernahme verwies die Angeklagte auf einen Schuldenberg in Höhe von 700.000 Euro, den sie offenbar mit ihren Betrügereien abzutragen trachtete. Sie hatte seinerzeit Haftungen für ihren Ex-Mann übernommen, die schlagend wurden, als dieser mit seiner Firma pleiteging.

Die Ärztin sei "verzweifelt" gewesen, habe sich in einer "psychischen Krisensituation" befunden und die finanziellen Belastungen "schlicht nicht mehr bewältigen können", sagte ihr Verteidiger. Deswegen habe sie ihr strafbares Verhalten nicht eingestellt: "Augen zu und durch, das war das Motto."

Auch Rückzahlung ins Stocken geraten
Der Schöffensenat verhängte am Ende wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs eineinhalb Jahre Haft, die der Frau unter Setzung einer dreijährigen Probezeit bedingt nachgesehen wurden. Sie erklärte sich damit einverstanden. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Die unrechtmäßig bezogenen Beträge zahlt die Ärztin dem AMS in monatlichen Raten zurück, wobei zuletzt kein Geld mehr geflossen ist, weil die Schuldnerin ihren Angaben zufolge erneut ihre finanzielle Leistungsgrenze erreicht hat.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).