Mi, 18. Oktober 2017

Böses Fitness-Band

07.07.2014 10:35

Elektroschock-Armband soll Menschen umerziehen

Bluetooth-Armbänder zur Aktivitätserfassung sind nicht nur bei Sportlern beliebt, um die eigenen Leistungen auszuwerten. Sie werden auch von unsportlichen Leuten genutzt, um sich zu mehr Bewegung zu animieren. Das Problem: Oft reichen die harten Zahlen nicht aus, um sich zu einem gesünderen Lebensstil aufzuraffen. Ein US-Start-up hat jetzt die Lösung: "Pavlok", das erste Bluetooth-Armband mit eingebautem Elektroschocker. Spurt sein Nutzer nicht, erhält er einen Stromstoß.

Maneesh Sethi hat die kalifornische Eliteuniversität Stanford abgeschlossen, betrachtet sich selbst einem "Engadget"-Bericht zufolge aber dennoch nicht als außergewöhnlich konsequenten Menschen. Um sein Verhalten trotzdem in die richtigen Bahnen zu lenken, hat er "Pavlok" erfunden. Das 250 US-Dollar teure Bluetooth-Armband soll im Herbst über eine Crowdfunding-Seite finanziert und ab Anfang 2015 im Handel verkauft werden.

Die Funktionsweise erklärt Sethi so: "Es ist an meinem Handgelenk und wird um sechs Uhr morgens vibrieren. Ich kann die Schlummerfunktion aktivieren, aber wenn ich sie ein zweites Mal aktiviere, werde ich geschockt." Es handelt sich also um ein Bluetooth-Armband, das seinen Nutzer für nicht erbrachte Leistungen bestraft.

Vielfältige Nutzungsszenarien
Die Nutzungsmöglichkeiten sind denkbar vielfältig. Wer früher aufstehen will, koppelt "Pavlok" an seine Wecker-App. Wer mehr Sport treiben will, nutzt es ganz klassisch als Aktivitätssensor am Handgelenk und lässt sich schocken, wenn er am Ende des Tages nicht die gewünschte Schrittzahl erreicht hat oder das GPS-Modul des Smartphones keinen Besuch im Fitnessstudio registriert hat.

Unterhaltsam: Nutzer von "Pavlok" sollen sich gegenseitig schocken können. Über eine Smartphone-App oder Facebook können die User Ziele vereinbaren, die sie gemeinsam erreichen wollen – etwa, 10.000 Schritte am Tag zu gehen. Beobachtet einer der Trainingspartner am Ende des Tages, dass sein Gegenüber die vereinbarte Leistung nicht erbracht hat, kann er ihn über einen Button am Smartphone oder in der Facebook-App mit einem Stromschlag bestrafen.

Stromschlag-Bestrafung soll Menschen ändern
Sethi selbst ist überzeugt davon, dass sein Fitness-Armband ideal dafür ist, das Verhalten von Menschen zu ändern. Und das könnte aus psychologischer Sicht sogar funktionieren. Dass negative Folgen beim Nichtbeachten bestimmter Verhaltensvorgaben das Verhalten in die gewünschte Richtung lenken können, wurde bereits gezeigt, erklärt die Londoner Psychologin Sheri Jacobson im Gespräch mit der Website. Die Forschung habe aber – insbesondere bei Kindern – gezeigt, dass positive Anreize meist besser dafür geeignet sind, ein Verhalten zu ändern, als negative.

Sethi lässt sich davon nicht entmutigen. Er habe Studien gesehen, laut denen 40 Prozent der Tätigkeiten, die ein Mensch pro Tag erledigt, reine Gewohnheit seien. Und diese unbewussten Gewohnheiten ändere man mit seiner Erfindung am effektivsten. An sich selbst hat Sethi das Schock-Armband bereits ausprobiert – und nach eigenen Angaben fast 14 Kilo verloren, weil er durch die Elektroschocks zum regelmäßigen Fitnessstudio-Besucher geworden sei. Ob andere Nutzer ähnliche Erfolgserlebnisse haben werden, zeigt sich im September. Da startet die Crowdfunding-Kampagne für "Pavlok".

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