Fr, 20. Oktober 2017

Seltene Komplikation

25.06.2014 17:54

Kind (3) starb nach Eingriff: Ärzte freigesprochen

Nach dem Tod eines dreijährigen Mädchens, das im Oktober 2011 im Zuge einer 46-stündigen Sedierung mit Propofol gestorben war, sind drei Ärzte der Tiroler Landesklinik am Mittwoch freigesprochen worden. Das Kind hatte mit einer sehr seltenen, lebensbedrohlichen Komplikation auf das Narkosemittel reagiert, weshalb den Medizinern kein Vorwurf zu machen sei, hieß es seitens des Gerichts. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Das Mädchen war am 15. Oktober 2011 an die Innsbrucker Klinik überwiesen worden, weil es beim Spielen Klebstoff verschluckt hatte. Unter Narkose mit Propofol wurde daher eine endoskopische Untersuchung der oberen Atemwege vorgenommen. Dabei musste das Mädchen intubiert werden.

Am nächsten Tag - ein Sonntag - sollte das Kind bei einer Kontrolluntersuchung extubiert und die Propofolzufuhr gestoppt werden. Zu diesem Eingriff kam es aber aufgrund von Personalmangel und Meinungsverschiedenheiten nicht - die Dreijährige blieb weiterhin in Narkose. Nach einer insgesamt 46-stündigen Sedierung starb das Mädchen schließlich an dem sogenannten Propofol-Infusionssyndrom, kurz PRIS, das ein multiples Organversagen verursachte.

Gutachterin: " Auf erste Warnhinweise nicht reagiert"
Das PRIS hätte man laut Gutachterin Sylvia Fitzal jedoch schon früher erkennen müssen: "Im Laufe des zweiten Tages gab es bereits drei bis vier Kennzeichen eines PRIS", erklärte Fitzal beim Prozess. Nach dem Eintreten erster Warnhinweise hätten sofort weitere Befunden eingeholt werden müssen, um rasch eine Gegentherapie für ein beginnendes PRIS einleiten zu können.

Die Anästhesistin kritisierte auch die lange Intubation des Kindes. "Bereits nach dem ersten Eingriff hätte man die Extubation des Kindes durchführen und die Sedierung einstellen können", meinte Fitzal. Eine Zweitinspektion der Atemwege sei zwar notwendig gewesen, für diese hätte man die Sedierung in der Zwischenzeit jedoch nicht aufrechterhalten müssen. Der größte Fehler aber sei gewesen, die Kontrolluntersuchung am zweiten Tag zu verschieben, meinte Fitzal. "Hätte es mit der Kommunikation funktioniert, wäre alles andere danach nicht passiert", betonte sie.

Angeklagte: "Ein PRIS ist extrem selten"
Die angeklagten Mediziner - zwei Kinderärzte sowie eine Anästhesistin - bekannten sich vor Gericht hingegen nicht schuldig und betonten wiederholt, dass Propofol auf jeden Fall das geeignetste Sedierungsmittel gewesen sei. "Jedes andere Narkotikum hätte die Eigenatmung unterdrückt und wäre schlecht steuerbar gewesen", erklärte einer der Beschuldigten. Ein PRIS sei zudem extrem selten, das Risiko liege bei eins zu einer Million, meinten die Mediziner.

Es handle sich dabei aber um ein sehr seltenes Krankheitsbild und die Interpretation der vorhandenen Zeichen sei "nicht ganz einfach", erklärte der ebenfalls als Gutachter bestellte Kinderarzt Peter Voitl weiter. Grundsätzlich seien die Diagnose und die Behandlung jedoch trotzdem "einigermaßen zeitgerecht" erfolgt, fügte der Kinderarzt hinzu.

Richter: "Handlungsweisen der Ärzte war 'lege artis'"
Das Gericht sprach die drei Ärzte schließlich frei. "Für die Hinterbliebenen mag es zwar unbefriedigend erscheinen, dass kein Schuldiger übrig bleibt, aber die Sachverständigen haben bestätigt, dass die Handlungsweisen der beschuldigten Ärzte 'lege artis' gewesen sind", begründete der Richter das Urteil. Auch habe keiner der Mediziner eine Sorgfaltswidrigkeit begangen.

Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.

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