Fr, 15. Dezember 2017

Spott und Kritik

23.06.2014 09:23

Araber-"Knigge" in Zell am See zurückgezogen

Eine Benimm-Broschüre für arabische Touristen, die in der Salzburger Urlaubsregion Zell am See verteilt worden war, ist nach heftiger Kritik zurückgezogen worden. In dem sehr speziellen Kulturführer wurden die Gäste unter dem Titel "Where Cultures Meet" u.a. darüber aufgeklärt, dass der Müll in Abfalleimern entsorgt werden muss, dass das Kochen in Hotelzimmern nicht erwünscht ist und Kinder im Auto anzuschnallen sind.

Die arabischen Touristen erhielten bei ihrer Ankunft eine Art "Knigge". In dieser Informationsbroschüre wurden sie über das "richtige" Verhalten im Salzburger Kulturraum aufgeklärt. Dazu zählte etwa auch, in Geschäften nicht über Preise zu verhandeln und keine Burkas zu tragen. Außerdem wies die Broschüre auf ein leistungsfähiges Taxi-System in der Region und auf die Anschnallpflicht in Österreich hin.

Der achtseitige Kulturführer, der den arabischen Gästen seit Anfang Mai in die Hand gedrückt wurde, sei als Orientierungshilfe im Salzburger Kulturraum gedacht gewesen, hieß es seitens der Verantwortlichen. Dadurch habe das Zusammenleben mit der Bevölkerung verbessert werden sollen.

"Tourismus-Apartheid": Spott und Kritik auch aus dem Ausland
Doch es dauerte nicht lange, da sorgte der Araber-"Knigge" bereits international für großes Aufsehen, wie der ORF berichtete. "Liebe arabische Gäste, bitte nicht vom Boden essen", spottete etwa das deutsche Nachrichtenmagazin "Focus" Ende Mai über die Kulturbroschüre. Die britische "Daily Mail" schrieb sogar von "Tourismus-Apartheid".

"Bestimmte Passagen haben zu Missverständnissen geführt"
Nun haben die Verantwortlichen der lokalen Tourismusgesellschaft einen Rückzieher gemacht. Die "heftige Schelte" habe zum Handeln veranlasst, sagte Marketingleiter Marco Pointner gegenüber dem ORF: "Leider haben bestimmte Passagen zu Missverständnissen geführt. Wir werden die Broschüre mit unseren Gästen und unserer Bevölkerung überarbeiten. Dann wollen wir sie neu auflegen." Wann die neue Version tatsächlich fertig sein soll, steht allerdings noch in den Sternen.

Araber als zweitstärkste Touristengruppe hinter den Deutschen
In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Gäste aus arabischen Ländern in Zell am See-Kaprun enorm gestiegen, und zwar um "ein paar Hundert Prozent", erklärte Leo Bauernberger, Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismus Gesellschaft. 288.422 Nächtigungen arabischer Touristen verzeichnete die Region Zell am See-Kaprun im Tourismusjahr 2012/13, davon 275.217 allein im Sommer 2013.

Ein Großteil der gut betuchten Araber kommt aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie bilden im Sommer die zweitstärkste Touristengruppe, auf Platz eins liegt Deutschland. "Araber lieben dieses Angebot hier, das klare Wasser, den See, die Kühle, den Schnee", sagte Bauernberger.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden