Di, 21. November 2017

Angespannte Lage

19.06.2014 00:00

Propaganda-Show von Premier Erdogan in Wien

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan hat die Showbühne der Albert-Schultz-Halle noch nicht einmal betreten, dennoch kocht die Stimmung unter den Türken in Wien schon hoch: Hungerstreiks wurden ausgerufen, Morddrohungen übers Internet ausgesprochen. 17.000 Erdogan-Fans werden am Donnerstag ihrem "Sultan" zujubeln – 13.000 wollen gegen den Auftritt des umstrittenen Premiers am Nachmittag protestieren.

Ausnahmezustand in der Bundeshauptstadt. Wie berichtet, werden sich 30.000 Menschen am Fronleichnamstag rund um das Eissportzentrum Kagran versammeln. Befürworter des umstrittenen Türken-Premiers und absolute Gegner. Das Gefahrenpotential sei enorm, sagen Insider. Die Wiener Polizei feilt daher minutiös an Szenarien, um Eskalationen zu verhindern, wenn der türkische Premier seine Propaganda-Stimme in Wien-Donaustadt erhebt.

Gegendemos geplant - Polizei mit Großaufgebot
Gegen Erdogan sind laut Polizeisprecher Roman Hahslinger zwei Demonstrationen geplant. Ein Bündnis mehrerer linksgerichteter Organisationen mobilisiert für eine Demo vom Praterstern/Venediger Au über die Reichsbrücke in die Donaustadt. Beim Donauzentrum in der Siebeckstraße ist die Abschlusskundgebung geplant. Diese Ortswahl könnte sich aber aus Platzgründen noch geringfügig ändern. Laut Hahslinger geht das Bündnis von rund 10.000 Teilnehmern an der Demo aus.

Ein weiterer Zug, veranstaltet vom Verein zur Förderung des Gedankenguts von Kemal Atatürk, zieht ab 14 Uhr von der Oper über den Ring zur Votivkirche. Dabei werden etwa 1.000 Teilnehmer erwartet.

"Wir schließen nicht aus, dass an der Demo auch gewaltbereite Gruppen teilnehmen", sagte Hahslinger. Die Polizei hält sich bei der Zahl der eingesetzten Beamten wie immer vor solchen Großveranstaltungen mit Zahlen zurück. Mehrere 100 Polizisten sollen es sein, die kolportierte Zahl von 2.000 sei viel zu hoch gegriffen.

Erdogan kommt mit Sicherheitstross
Erdogan selbst reist mit einem privaten Sicherheitstross von mehr als 60 Mann an. "Wir rufen alle Bürger türkischer Herkunft auf, sich ruhig zu verhalten", warnt Birol Kilic, Obmann der Türkischen Kulturgemeinde. Von Erdogan selber gibt es noch keine Aussagen zum Auftritt in Wien.

Maßstab ist eine Rede, die er am 24. Mai in Köln gehalten hat. Damals hat er einerseits zur Integration aufgerufen - unter Ablehnung einer Assimilation -, andererseits aber seine Zuhörer auf ihr Türkentum eingeschworen und deutlich auf die Präsidentschaftswahlen im August in der Türkei hingewiesen. Erdogans Partei AKP hat dafür offiziell noch keinen Kandidaten nominiert, allgemein wird aber davon ausgegangen, dass Erdogan selber antritt. Erdogan hat in dieser Rede, wie auch sonst gerne, kritische Medien angegriffen.

Heimische Politik versucht zu kalmieren
Innenministerin Johanna Mikl-Leitner versucht unterdessen zu beruhigen: "Unsere Polizei wird dafür sorgen, die Sicherheit zu gewährleisten – auch bei den zu erwartenden Gegendemonstrationen." Trotzdem hofft sie, dass Erdogan "manche Aussagen zu Hause lässt". Damit spricht Mikl-Leitner von Äußerungen bei der vergangenen Kommunalwahl: Erdogan meinte damals, er wolle seine Gegner bis in die Höhlen verfolgen.

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