Mi, 13. Dezember 2017

Breite Ablehnung

18.06.2014 15:14

Pläne für türkische Islam-Schule in Wien

Die von der Islamischen Föderation in Wien geplante türkischsprachige Islam-Schule stößt bei der Politik auf breite Ablehnung. Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) lehnt das Projekt ab, auch Grüne und FPÖ sind dagegen. Einen Antrag auf staatliche Anerkennung will die Föderation vorerst nicht stellen. Ob das in Wien-Simmering geplante Projekt überhaupt zustande kommt, ist noch unklar.

Ein Bericht der "Salzburger Nachrichten" über eine in Wien geplante Predigerschule des türkischen Vereins sorgte am Mittwoch - einen Tag vor dem Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan - für Wirbel. Geplant sei demnach eine "Imam-Hatip-Schule" nach türkischem Vorbild - "Imam" bedeutet Vorbeter, "Hatip" Prediger.

Predigerausbildung wäre freiwillig
Vereinssprecher Yakup Gecgel bestätigte am Mittwoch die Pläne, von einer Predigerschule wollte er aber nicht sprechen. Geplant sei ein türkischsprachiges (Oberstufen)Gymnasium mit theologischem Schwerpunkt, die Predigerausbildung wäre freiwillig. Unklar ist laut Gecgel noch, ob man überhaupt genug Schüler finde. Seinen Angaben zufolge ist derzeit außerdem nicht daran gedacht, eine staatlich anerkannte Schule mit Öffentlichkeitsrecht zu beantragen. Die Zeugnisse der Imam-Hatip-Schule wären damit zwar in der Türkei gültig, nicht aber in Österreich.

Für die Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Carla Amina Baghajati, hätten die Absolventen gegenüber den derzeit im Ausland ausgebildeten Imamen den Vorteil des österreichischen Lebenshintergrunds. Außerdem kritisierte sie die Ablehnung von Türkisch als Unterrichtssprache, während Französisch am Lycee akzeptiert werde. Da werde "mit zweierlei Maß" gemessen.

Kurz: "Das ist für uns ausgeschlossen"
Ob die Regierung eine Predigerschule nach türkischem Modell überhaupt anerkennen würde, ist aber ohnehin fraglich. Einen entsprechenden Staatsvertrag mit der Türkei lehnte Integrationsminister Kurz ab. "Das ist für uns ausgeschlossen", hieß es dazu in seinem Büro.

Das Unterrichtsministerium betonte, dass im Fall eines Antrags sowohl die Eignung des Lehrpersonal als auch die Zulässigkeit des Schultyps geprüft werden müssten. Die Regierung bevorzugt eine islamisch-theologische Ausbildung an der Universität Wien. Das entsprechende Studium kann freilich frühestens 2016 starten, die Finanzierung ist noch nicht gesichert.

Ablehnung auch von Grünen und FPÖ
Abgelehnt wird das Schulprojekt in Wien-Simmering auch von Grünen und FPÖ. Die grüne Integrationssprecherin Alev Korun deponierte ein "klares Nein zu importierter Imame-Ausbildung". FP-Obmann Heinz-Christian Strache forderte die Verhinderung des Projektes "unter allen Umständen".

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