Mi, 13. Dezember 2017

Keine Zwischenfälle

04.06.2014 22:13

Hunderte demonstrierten gegen "Fest der Freiheit"

Die Demonstration gegen das dem Kreis der Burschenschaften nahestehende "Fest der Freiheit" ist am Mittwochabend ohne Zwischenfälle zu Ende gegangen. Laut Polizei mehr als 1.000 Personen nahmen an der Kundgebung der "Offensive gegen Rechts" teil, die Veranstalter sprachen von rund 2.500 Demonstranten. In der Innenstadt kam es zu Verkehrsbehinderungen. Laut Polizei, die mit einem Großaufgebot im Einsatz war, gab es bis in die späten Abendstunden keine Festnahmen.

Der Demonstrationszug hatte sich gegen 18 Uhr bei der Universität Wien in Bewegung gesetzt und war nach einer Route über den gesperrten Ring und quer durch die Innenstadt bis zum Stephansplatz und zurück zur Universität gezogen. Unter dem Motto "No Pasaran" (kein Durchkommen) bewegten sich die Demonstranten unter Sprechchören wie "Alerta, Alerta, Antifascista" oder "Hoch die internationale Solidarität" über die gesperrte Ringstraße. Mit Transparenten wie "Nazis raus" oder "Fasching ist vorbei" wurde gegen das von dem Verein "Forschungsgesellschaft Revolutionsjahr 1848" organisierte "Fest der Freiheit" protestiert.

Rund 1.000 Polizeibeamte im Einsatz
Um etwa 20.30 Uhr fand die Kundgebung dann ihr Ende, zahlreiche Demonstranten harrten am Abend aber noch vor der Universität aus. Laut Polizei waren insgesamt mehr als 1.000 Beamte im Einsatz. Die Kundgebung wurde von Beginn an von einem Polizeihubschrauber aus der Luft überwacht.

Polizeisprecher Johann Golob sagte am Ende der Kundgebung, alle Seiten hätten sich sehr diszipliniert verhalten. Gefragt, ob er noch mit Problemen im Lauf des Abends rechne, sagte er, wenn die Vernunft siege, dann werde alles ruhig bleiben. Dass es - im Gegensatz zu den Demonstrationen gegen den Akademikerball im Jänner sowie gegen die Identitären im Mai vorerst zu keinen Zwischenfällen gekommen ist, sah Golob in der "Vernunft der Kundgebungsteilnehmer" begründet.

Keine Demonstration der Burschenschafter
Ruhig war es auch rund um den Veranstaltungsort der rechten Veranstaltung selbst geblieben. Das Gebiet rund um das Palais Palffy, wo die "Forschungsgesellschaft Revolutionsjahr 1848" ihre Podiumsdiskussion geplant hatte, war weiträumig abgesperrt worden. Die angekündigte Demonstration der Burschenschafter vor der Veranstaltung blieb aus. Zu vermuten ist, dass diese lediglich zum Schutz der Besucher angemeldet worden war.

Der Andrang bei der Veranstaltung blieb überschaubar, die Polizei sprach von 200 Personen. Ohne Zwischenfälle verlief dann auch der "Spaziergang" der Burschenschafter nach dem "Fest der Freiheit" durch die Innenstadt. Lediglich eine Handvoll Demonstranten skandierte an den Absperrungen Parolen.

Gesangsduell in der Innenstadt
Zu einem Gesangsduell zwischen Demonstranten und Burschenschaftern kam es vor dem Palais Niederösterreich in der Herrengasse. Dort konkurrierte man gegenseitig mit "Ihr habt den Krieg verloren" und "Die Gedanken sind frei". Auch die grüne Nationalratsabgeordnete Sigrid Maurer versuchte an dieser Stelle mit einer kleinen Gruppe, den Burschenschaftern Paroli zu bieten.

Bereits um 21 Uhr war der "Spaziergang" der "Forschungsgesellschaft Revolutionsjahr 1848" beendet. Ein schwarzer Kranz mit deutscher und österreichischer Fahne bildete die Spitze des Umzugs, der an zwei Stellen Halt machte. Vorträge an den historischen Plätzen wurden nur durch wenige Gegendemonstranten gestört.

Lediglich zwei Vereinsmitglieder bekannt
Obmann der "Forschungsgesellschaft Revolutionsjahr 1848" ist laut dem Zentralen Vereinsregister auf der Website des Innenministeriums Peter Krüger, sein Stellvertreter Gerhard Schlüsselberger. Schlüsselberger ist ehemaliger Bundesgeschäftsführer des Rings Freiheitlicher Studenten und Mitglied der vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als rechtsextrem eingestuften Burschenschaft Olympia. Über Krüger ist wenig bis gar nichts bekannt. Er soll aber ebenso aus dem deutschnationalen Umfeld stammen und Korporierter beim Wiener Akademischen Turnverein sein.

Krüger fühlt sich von Polizei gut beschützt
Vor dem Eingang des Palais stand Organisator Krüger am Nachmittag dann auch den Journalisten Rede und Antwort. Seine "Forschungsgesellschaft" wolle sich mit den positiven Seiten der 1848er-Revolution beschäftigen, auch negative Seiten gebe es selbstverständlich, gab er zu. Hauptredner war der ehemalige Dritte Nationalratspräsident, Wilhelm Brauneder (FPÖ). Organisator Krüger fühlte sich jedenfalls von der Polizei gut beschützt und betonte, dass das riesige Polizeiaufgebot lediglich aufgrund der massiven Gegendemonstrationen notwendig sei.

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