Fr, 20. Oktober 2017

Gerhard Ernst

25.05.2014 07:00

Der Hofstädter, der was auch Sänger ist

Der polternde Fleischhacker aus dem Werbefernsehen steht diesen Sommer auf der Bühne der Seefestspiele Mörbisch – als Tevje im Musical "Anatevka". Ein Gespräch mit Gerhard Ernst (68) über sein Alter Ego, den "Hofstädter".

"Grüß Sie, Herr Hofstädter!" Gerhard Ernst sitzt auf der Terrasse des Café Landtmann und ordnet sein vom Wind zerzaustes Haar. Er hat bei Herrn Engelbert eine große Portion Eis bestellt – "die haben da nämlich keine Hofstädter-Würschteln!" Grinst und zieht die Brauen in die Höh, genau wie in der Werbung.

Seit er als Fleischhacker im Fernsehen auftritt, wächst er mit der Rolle des herben Charmeurs immer mehr zusammen. "Es macht mir nichts aus, dass die Leute mich Hofstädter nennen", erklärt der Sänger, "ich weiß ja, was so eine Werbung auslösen kann. Es hätte schließlich auch ein Flop werden können!" Wurde es aber nicht. "Und jetzt kommen die Leute halt auf mich zu. Auch der Merkatz muss mit dem Mundl leben, und der Wolfi Böck mit dem Trautmann."

Seit 2001 Ensemble-Mitglied in der Volksoper
Gerhard Ernst, Ensemble-Mitglied der Wiener Volksoper seit 2001, trägt's mit Humor. "Gott sei Dank gibt es auch Menschen, die mich aus dem Theater kennen. Die sagen dann: Grüß Sie, Herr Hofstädter! Gestern habe ich Sie als Frosch gesehen." Zur Verwechslung trägt er auch gerne ein Quäntchen bei: "Ich mache dann in der Fledermaus meine Spassettln." Als Frosch, der was schwerst betrunken ist.

In seiner Zeit am Burgtheater hatte Gerhard Ernst sein erstes "unmoralisches" Angebot von Zürich Kosmos. "Ich dachte mir: Scheiß Werbung! Weil ich wusste: Der Peymann hätte mich hochkant beim Fenster hinausgeschmissen. Ein Burgschauspieler macht keine Werbung."

"Why not? In England ist das gang und gäbe"
2008 stand er kurz für "Frag doch den Inder!" vor der Kamera, "aber das war höchstens semikomisch. Als das Angebot von Rewe kam, dachte ich mir: Why not? In England ist das gang und gäbe. Nur bei uns gilt es mitunter als ehrenrührig, wenn Künstler Werbung machen."

Mit dem "Hofstädter" hat er eine Kultfigur geschaffen. "Er kommt mir sehr nahe", sagt Gerhard Ernst über sein Alter Ego. Wenn's nach ihm ginge, wäre der Hofstädter noch viel frecher. Wieder wandern seine Brauen in die Höh. "Kommt ein Pfarrer ins Geschäft, und ich sage: 'Grüß Sie, Herr Pfarrer! Hat Sie die Fleischeslust gepackt?'" Leider sei die Idee nicht umgesetzt worden.

Anregungen und Beschwerden von Passanten
Dafür gratulieren ihm Passanten, obwohl er seit Jahrzehnten als Sänger auf der Bühne steht, zur Nummer mit dem Polizisten, dem der Hofstädter als Revanche für den Strafzettel eine Schinkensemmel mit Gurkerl um 30 Euro verkauft: "Dem Kieberer ham's es aber gegeben!" In der Straßenbahn fragen ihn ältere Damen, was er denn da so Nachhaltiges lese, wenn er auf dem Weg in die Volksoper Text übt. Oder wie das geht mit den Würschteln, dass sie nicht platzen?

Auch mit Beschwerden muss er sich mitunter auseinandersetzen, vor allem von Lehrerinnen, die sich über die schreckliche Grammatik seiner Sätze beschweren. "Aber gnädige Frau!", entgegnet er dann, "das ist doch nur ein Werbegag. Wegen dem wird die Welt auch nicht untergehen." Grins.

16 Stunden gehen für den Dreh von zwei Hofstädter-Spots drauf. "Man verdient in der Werbung vielleicht schneller sein Geld, aber bestimmt nicht leichter", betont Ernst. Während das Fleisch vor ihm echt ist, sind die Würste hinter ihm Attrappen. Das Arrangement, die Farben, das Licht: Alles muss perfekt sein.

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