Mi, 13. Dezember 2017

Gasometer-Show

16.05.2014 00:29

New Kids On The Block auf Nostalgie-Trip in Wien

Kreischende Teenies, Massenaufruhr und unfassbare Popularität - die New Kids On The Block waren Anfang der 90er-Jahre nicht nur die erste und wegweisendste Boyband der moderneren Genre-Geschichte, sondern in ihren Glanzzeiten einem bis dahin fast unerklärlichem Hype ausgesetzt. Nach erfolgreicher Wiedervereinigung und insgesamt 23 Jahren Abwesenheit beehrten Jordan Knight, Donnie Wahlberg, Danny Wood und Co. am Donnerstag wieder einmal Österreich, um im Wiener Gasometer für Emotionen zu sorgen. Für so manchen eine Reise zurück in die unbeschwerte Kindheit.

Wer nun wirklich die erste Boyband ist, das wird von Musikliebhaber zu Musikliebhaber anders ausgelegt. Die einen verorten diese Bezeichnung ganz früh bei den Beatles, andere sehen diesen Status durch die Bay City Rollers ausgefüllt und wieder andere schwören Stein auf Bein, dass es die New Kids On The Block seien. Wenn man die 14-jährige Abwesenheit zwischen 1994 und dem Comeback 2008 außer Acht lässt, würde das Kreischgaranten-Quintett aus Boston heuer auch tatsächlich den 30. Bandgeburtstag feiern. Als NKOTB also bereits für globale Hysterie sorgten, lagen weltbekannte Nachfolger wie *NSYNC, die Backstreet Boys oder Take That noch selbst in den Windeln.

Coversongs als Trümpfe
Umso einfacher lässt es sich für NKOTB bei den eigenen Auftritten auch von den Epigonen stehlen. Dies vollziehen die Mittvierziger rund um die Gebrüder Jonathan und Jordan Knight im Wiener Gasometer gleich zweimal. Take Thats "Back For Good" gelingt dabei genauso gut wie der Backstreet-Boys-Evergreen "I Want It That Way" - augenzwinkernd und selbstironisch nimmt sich die Band diesen Klassikern an. Auch Prince ("Kiss"), George Michael ("Careless Whisper", "Faith") und Robbie Williams ("Rock DJ") werden durch den Boyband-Fleischwolf gedreht. Wohlwissend, dass ihre eigenen Songs im Direktvergleich etwas eingekrustet wirken.

Der Dreh Richtung Kultvorstellung gelingt den gereiften Männern mit dem mittlerweile völlig obsoleten Bandnamen nämlich erst zur Show-Halbzeit. Anfangs konnten nicht einmal Konfettiregen und Kirtags-Technobeats darüber hinwegtäuschen, dass neue Songs wie "Crash" und "Summertime" beliebige Austauschware sind. Neben verzichtbaren Playback-Einlagen wirkt es zudem nur semi-sexy, wenn Männer im besten Alter es für nötig befinden, ihre - zugegeben in Topform befindlichen - Bäuche ins das Publikum zu schwenken. Auch die inflationär eingesetzten Griffe in den eigenen Schritt wirken in der Spätpubertät hip und verrucht, gut 20 Jahre später aber eher peinlich.

Mitten in der Menge
Die Kurve kratzen NKOTB aber spätestens im ruhigen Teil rund um "Survive" und einem Medley aus "Didn't I (Blow Your Mind This Time)", "Valentine Girl" und "If You Go Away". In edle Anzüge gewickelt, stimmlich nach Anfangsproblemen endlich auf der Höhe und zudem auch mit guten und vor allem altersgerechteren Tanzchoreografien auftrumpfend, entfacht das immer noch juvenile Quintett einen Orkan an Begeisterung. Zum Top-Hit "Tonight" wandern Donnie Wahlberg und Co. schlussendlich auf die zweite Bühne inmitten des Gasometers, um mit den Fans zu plaudern, unzählige Selfies zu schießen und sich - ohne jede Eitelkeit - auch selbst aufs Korn zu nehmen.

Dazwischen natürlich das obligatorische Bauchpinseln. "Die Leute in Österreich sind klug, sehen gut aus und riechen gut." Donnie Wahlberg schießt dabei den Vogel ab: "Ich sollte in Wien heiraten und hierher ziehen." Sogar an das Band-Denkmal, das im Mai 1991 in Wien enthüllt wurde, können sich die sympathischen Sänger gut erinnern.

Kult und Fitness
Gegen Ende des etwa 105-minütigen Sets feuern NKOTB mit den Super-Hits "Step By Step", "Games" (samt beeindruckender Breakdance-Einlage des immer noch topfitten Danny Wood) und "Hangin' Tough" noch einmal all die Jugendhymnen ab, weswegen die heute etwa 35-Jährigen im Gasometer einst ihre Kinderzimmer mit Postern der süßen Boys vollpflasterten. Die New Kids On The Block waren vielleicht nicht die erste Boyband, für das gesamte Genre aber die mit Abstand wegweisendste. Und das kaschiert mitunter so manche Peinlichkeit der Gegenwart.

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