Mi, 22. November 2017

Zwei davon dauerhaft

14.05.2014 16:52

Unrentabel: Verbund schließt fünf Kraftwerke

Der heimische Energiekonzern Verbund schließt aus Kostengründen fünf Kraftwerke. Endgültig geschlossen werden das Steinkohlekraftwerk Dürnrohr (NÖ) und das ölbefeuerte Fernheizkraftwerk Neudorf-Werndorf II (Steiermark). Das steirische Gas-Kombikraftwerk Mellach und die französischen Gas-Kombikraftwerke in Pont-sur-Sambre und Toul werden vorübergehend stillgelegt.

Grund für die Schließung sei das Umfeld, sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber am Mittwoch. Der Strommarkt sei demnach aus dem Gleichgewicht gekommen, angesichts der Verzerrungen sei es aktuell nicht wirtschaftlich, thermische Kraftwerke zu betreiben.

Andere Beschäftigungsmöglichkeiten gesucht
Alleine in Dürnrohr sind laut Verbund 80 Mitarbeiter beschäftigt. Anzengruber rechnet damit, dass rund die Hälfte der Betroffenen in Österreich in anderen Konzernbereichen beschäftigt werden kann. Sozialpläne seien vorgesehen.

Den Zeitraum für die vorübergehende Einmottung des Gaskraftwerks Mellach bezifferte Anzengruber mit "sicher vier bis fünf Jahre". Die Prognosen für das wirtschaftliche Umfeld zeigten im Zeitraum 2016-2018 eine beginnende Verknappung am Strommarkt und wieder steigende Großhandelspreise. In Frankreich könnte dieses Fenster etwas früher kommen. Ein Gaskraftwerk könne 40 bis 45 Jahre laufen.

Gaskraftwerke europaweit unrentabel
Gaskraftwerke sind in Europa derzeit generell unrentabel, auch deutsche Energiekonzerne kündigten bereits Stilllegungen an. Bis ein Kraftwerk eingemottet ist, dauert es bis zu einem Dreivierteljahr, so der Verbund-Chef, etwa genauso lange dauere eine allfällige Wiederinbetriebnahme. Begonnen werden könne mit den Vorbereitungen zu den Stilllegungen nach der Genehmigung durch den Aufsichtsrat.

Im Gegensatz zum Gas-Kombikraftwerk Mellach bleibt das dortige Steinkohlekraftwerk "zur Fernwärmeversorgung der Stadt Graz weiter in Betrieb", teilte der Verbund mit. Die entsprechenden Verträge laufen bis 2020. Anzengruber betonte, der Verbund sei offen für weitere Gespräche bezüglich der Fernwärmeversorgung von Graz aus emissionsarmer Gaskraft. Auf die thermischen Kraftwerke entfallen rund zehn Prozent der Verbund-Erzeugungskraft.

Rupprechter: "Starke Vorbildwirkung"
Die Entscheidung des Energieversorgers wurde nicht nur von Umweltschützern begrüßt. Auch Umweltminister Andrä Rupprechter wertete den Schritt als Maßnahme mit "starker Vorbildwirkung". Sie zeige, "dass wir uns in Österreich auf dem richtigen Weg befinden". Sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus ökologischer Sicht hätten nur erneuerbare Energieträger Zukunft.

AK fordert breit angelegte Energiediskussion
AK-Direktor Werner Muhm will nun eine breit angelegte Energiediskussion. Es laufe einiges schief, nötig sei eine Gesamtstrategie. "Wir fordern vom Wirtschaftsminister daher einen Runden Tisch. Die Kosten für die Energiewende bleiben an den Konsumenten picken, nicht zuletzt, weil Industrie und E-Wirtschaft nach Ausnahmen von den Kosten der Energiewende rufen oder Förderungen verlangen, statt sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen", so Muhm.

Die Umweltorganisation Global 2000 zeigte sich ebenfalls erfreut, meinte aber: "Es braucht jedoch einen vollständigen Ausstieg aus Kohle - und das so bald als möglich."

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