Sa, 18. November 2017

Französische Studie

14.05.2014 08:48

Höheres Hirntumor-Risiko bei häufiger Handynutzung

Handys sind womöglich doch gesundheitsschädlicher als gedacht: Wer mehr als 15 Stunden pro Monat mit einem Mobiltelefon telefoniert, hat ein erhöhtes Risiko, bestimmte Gehirntumore zu entwickeln, fanden französische Wissenschaftler in einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung heraus. Die österreichischen Mobilfunkanbieter wiegeln indes ab: Ihnen zufolge ist die Studie "nicht plausibel".

Der in der Fachzeitschrift "Occupational and Environmental Medecine" veröffentlichten Untersuchung zufolge haben Menschen, die ihr Handy mehr als 15 Stunden pro Monat über fünf Jahre hinweg nutzen, ein zwei- bis dreimal höheres Risiko, einen Hirntumor zu entwickeln. Diese sogenannten Gliome können gut-, aber auch bösartig sein. Die Gruppe der intensiven Handynutzer hatte demnach auch ein höheres Risiko, ein - meist gutartiges - Meningeom (ein Tumor an der Hirnhaut) zu entwickeln.

Die Wissenschaftler aus dem südwestfranzösischen Bordeaux hatten zwischen 2004 und 2006 insgesamt 253 Gliom- und 194 Meningeom-Fälle untersucht. Sie verglichen diese mit 892 gesunden Erwachsenen, die repräsentativ für die Bevölkerung ausgewählt wurden. Bei ihrem Ergebnis rechneten die Forscher andere Risikofaktoren für Hirntumore mit ein sowie die Tatsache, dass lediglich 14 Prozent der Befragten angaben, eine Freisprecheinrichtung zu verwenden, die es erlaubt, das Handy nicht ständig am Ohr halten zu müssen.

Studienautorin Isabelle Baldi verwies darauf, dass die Handynutzung seit Mitte der 2000er-Jahre zwar deutlich zugenommen habe, dass die Geräte inzwischen aber weniger Strahlung aussendeten.

Bisher größte Studie ohne klare Schlussfolgerung
Die größte Studie zu den Gesundheitsrisiken durch Handys wurde 2010 veröffentlicht und umfasste 13 Länder. Dieser Interphone-Studie zufolge war das Gliom-Risiko um 40 Prozent und das Meningeom-Risiko um 15 Prozent bei denjenigen erhöht, die ihr Handy häufig und meist auf derselben Kopfseite benutzten. Einige Fehler und Verzerrungen in der Untersuchung hatten es der Wissenschaft aber nicht erlaubt, eine klare Schlussfolgerung zur Handynutzung und einem Hirntumor-Risiko zu ziehen.

Studie für Forum Mobilkommunikation nicht plausibel
Kritik an der französischen Hirntumorstudie kommt – wenig überraschend – vonseiten der österreichischen Mobilfunkanbieter. Ihre Interessensvertretung, das Forum Mobilkommunikation, bemängelte, dass die Studie den "praktischen Plausibilitätscheck" nicht bestehe, da man sonst auch in der österreichischen Bevölkerung – von Beginn an "Heavy-User" des Mobilfunks – eine um zumindest 30 Prozent höhere Kopftumor-Inzidenzrate finden müsste als noch vor rund 20 Jahren.

Die Zahlen der Statistik Austria würden aber das Gegenteil besagen. "In der Zeit seit Beginn des flächendeckenden GSM-Mobilfunks 1995 hat sich die Inzidenzrate von Kopftumoren von 9,9 Fällen pro 100.000 sogar auf rund neun Fälle pro 100.000 reduziert, auch die Gehirn-Krebsinzidenz ist mit 5,4 Fällen pro 100.000 im Jahr 1996 und rund fünf Fällen pro 100.000 rückläufig", so das Forum Mobilkommunikation am Dienstag in einer Aussendung.

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