Mo, 20. November 2017

Empfang für Conchita

13.05.2014 17:10

„Toleranz-Signal und klarer Auftrag an Politik“

Conchita Wurst wird nach ihrer "Botschaft für Toleranz und Respekt" nun auch vom offiziellen Österreich geehrt: Am Sonntag ist ein großer Empfang bei Bundeskanzler Werner Faymann geplant, im Zuge dessen sich unsere Song-Contest-Gewinnerin auf dem Balkon des Kanzleramtes in Wien ihren Fans zeigen wird. Am Ballhausplatz, wo Conchita dann ihren Siegersong zum Besten geben wird, werden Zehntausende Zuschauer erwartet, der ORF plant eine Liveübertragung.

Bundespräsident Heinz Fischer sowie Kanzleramtsminister Josef Ostermayer haben sich bereits für das Fest angekündigt, um Conchita Wurst persönlich zu gratulieren. Kanzler Faymann ließ via Facebook verlauten, dass der Staatsempfang für 17 Uhr geplant sei. Im Anschluss werde es um 18 Uhr "ein öffentlich zugängliches Konzert von Conchita Wurst auf dem Ballhausplatz" geben. Im "Krone"-Gespräch betonte Faymann am Dienstag: "Conchita Wurst hat mit ihrem Sieg erreicht, dass von Österreich eine Botschaft für Toleranz und Respekt ausgeht." Der Kanzler sieht jene in der Gesellschaft gestärkt, die für Gleichstellung eintreten.

Bundespräsident Fischer hatte der bärtigen Diva bzw. dem Travestiekünstler Thomas Neuwirth (25) bereits zuvor Rosen gestreut: "Der Sieg beim Song Contest ist nicht nur ein Sieg für Österreich, sondern vor allem für Vielfalt und Toleranz in Europa. Dass sie ihren Sieg all jenen widmete, die an eine Zukunft in Frieden und Freiheit glauben, macht ihn doppelt wertvoll."

"Klarer Auftrag für die Politik"
Ähnlich äußerte sich Minister Ostermayer: Auch für ihn ist der Sieg Österreichs beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen "ein klares politisches Statement für ein tolerantes, offenes Europa, das sich damit gegen Vorurteile geäußert hat".

Für den Kanzleramtsminister geht die Botschaft von Conchita Wurst aber noch weiter - Ostermayer sieht darin auch einen klaren Auftrag an die Politik: "Es ist unsere Aufgabe, mithilfe dieser starken Stimme gesellschaftspolitisch zu mehr Respekt beizutragen. Das betrifft nicht nur Heterosexuelle gegenüber Homosexuellen, das betrifft auch Junge gegenüber Älteren, Männer und Frauen, Mehrheiten und Minderheiten, Konzerne gegenüber ihren Mitarbeitern." Die SPÖ hat in Sachen Rechte für Homosexuelle bereits den Druck auf den Koalitionspartner erhöht - siehe auch Story in der Infobox.

Wurst auf historischem Boden
Mit einem Auftritt auf dem Balkon des Kanzleramtes betritt Conchita Wurst jedenfalls historischen Boden: Im Jahr 1972 jubelten Zehntausende Österreicher dort Skilegende Karl Schranz zu. Der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky hatte ihn in das Kanzleramt eingeladen, wo Schranz vom Balkon aus die Menge begrüßte.

Der heute 75-jährige Tiroler war damals als Abfahrtsfavorit zu den Olympischen Spielen ins japanische Sapporo gereist, wo er aber kurz vor dem Rennen wegen des sogenannten Amateur-Paragraphen von den Spielen ausgeschlossen wurde - in Österreich kochte wegen dieses Unrechts gegen den Skistar die Volksseele über. Schranz' Empfang am Ballhausplatz am 8. Februar 1972 überbot dann gar die Staatsvertragsbegeisterung von 1955. Um dem Skistar die Reverenz zu erweisen, saßen Menschen auf Bäumen, kletterten auf Laternenmasten, sogar der Fahnenmast des Kanzleramtes wurde als Stütze verwendet - Bilder, die in die Geschichte eingingen.

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