Mo, 20. November 2017

Empörung in Moskau

11.05.2014 17:23

Kreml-Politiker: „Wurst-Sieg ist das Ende Europas“

Der Song-Contest-Sieg von Conchita Wurst hat insbesondere im Kreml für heftige Reaktionen gesorgt: Das Ergebnis zeige "Anhängern einer europäischen Integration, was sie dabei erwartet - ein Mädchen mit Bart", schrieb der russische Vizeregierungschef Dmitri Rogosin am Sonntag im Kurznachrichtendienst Twitter. Der nationalistische Abgeordnete Wladimir Schirinowski sagte Europa gar den Untergang voraus - und bereute den Abzug der russischen Truppen aus Österreich im Jahr 1955.

"Unsere Empörung ist grenzenlos, das ist das Ende Europas", sagte Schirinowski, der in der Staatsduma als Fraktionsvorsitzender seiner Liberaldemokratischen Partei Russlands amtiert, im russischen TV-Sender Rossija.

"Da unten gibt es keine Frauen und Männer mehr, sondern stattdessen ein Es", ergänzte der Politiker und fügte hinzu: "Vor 50 Jahren (sic!) hat die Sowjetarmee Österreich besetzt und wir waren bis 1955 dort. Es war aber ein Fehler, dem Land die Freiheit zu geben. Wir (unsere Truppen, Anm.) hätten dort bleiben sollen." Er bezog sich auf die Besatzungszeit in Österreichs Osten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wurst-Sieg als Material für Anti-Ukraine-Propaganda
Gleichzeitig, so zeigte sich in sozialen Netzwerken, wurde der österreichische Sieg von Moskau auch propagandistisch gegen die Ukraine instrumentalisiert. Nachdem bereits kurz nach Wursts Sieg ein scherzhaftes Sujet aufgetaucht war, das Julia Timoschenko mit Bart gezeigt hatte, verbreiteten russische Duma-Abgeordnete am Sonntag eine Fotomontage, die führende ukrainische Politiker, darunter auch Timoschenko, gemeinsam mit Conchita Wurst zeigte. Ukrainisch mit "Wir sind eine europäische Familie" untertitelt, sollte das Bild jenen Sittenverfall illustrieren, der Europa nach Sicht russischer Politiker angeblich erfasst hat.

TV-Moderator: "Das ist ein Requiem auf Europa"
Ebenfalls bei Rossija hatte der Sänger Danko im Zusammenhang mit dem Sieg Wursts von der "schlimmsten Niederlage der Europäischen Union" gesprochen und davon, dass man nun Europas "wahres Gesicht" gesehen habe. Der Fernsehmoderator sekundierte: "Das ist ein Requiem auf Europa, das ist das Begräbnis traditioneller Werte."

Insgesamt 290 Punkte erhielt Conchita Wurst aus 32 der 37 teilnehmenden Staaten - auch aus Russland kamen fünf Punkte für sie. Russland selbst landete nach den Niederlanden, Schweden, Armenien, Ungarn und der Ukraine in Kopenhagen auf Platz sieben.

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