So, 22. Oktober 2017

Nach Wurst-Triumph

11.05.2014 01:51

Song Contest 2015: Jetzt heißt’s schon mal sparen

Nach dem Feiern kommt das Arbeiten, respektive das Zahlen: Der fulminante Triumph von Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest 2014 bedeutet, dass das größte Musikevent der Welt kommendes Jahr in Österreich ausgerichtet wird. Für die Show mit 120 Millionen Fernsehzuschauern reisen allein jährlich an die 2.000 Journalisten an. Damit stehen große Planungen und durchaus auch große Kosten ins Haus - sollte Österreich die Ausrichtung nicht an ein anderes Land abgeben. Was laut ORF-Chef Alexander Wrabetz aber nicht passieren wird.

In Summe werden die Aufwendungen für einen ESC meist mit rund 25 Millionen Euro kalkuliert, wobei hier nicht alles allein vom heimischen Fernsehsender zu tragen ist und die Umwegrentabilität nicht außer Acht gelassen werden darf. Die Kosten für den Ausrichter ARD lagen etwa in Düsseldorf 2011 bei rund zwölf Millionen Euro. Das norwegische Fernsehen musste 2010 etwa 16,25 Millionen Euro ausgegeben. Moskau im Jahr davor lag nochmals deutlich höher.

Weniger transparent waren die öffentlichen Ausgaben, als die autoritär regierte Kaukasusrepublik Aserbaidschan den Megaevent 2012 dazu nutzte, gleich eine gigantische Veranstaltungshalle, die Baku Crystal Hall, am Ufer des Kaspischen Meers aus dem Boden zu stampfen, die dem Vernehmen nach mehr als 100 Millionen Euro gekostet haben soll. Offiziell machte die Ex-Sowjetrepublik keine Angaben, jedoch wurden die Gesamtkosten für die ESC-Vorbereitung - einschließlich des Baus neuer Straßen und einer Uferpromenade zur Crystal Hall - vom East-West Research Centre in Baku damals auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Kleiner dimensioniert war dann Malmö im Vorjahr, wo die Halle mit 12.000 Zuschauern deutlich weniger Menschen als etwa die Düsseldorf Arena mit 36.000 Gästen fasst. Das Budget lag damals bei rund 18 Millionen Euro. Und heuer in Kopenhagen muss das Danmarks Radio (DR) mindestens 25 Mllionen Euro zahlen - wenn nicht mehr. Denn der Umbau des Veranstaltungsorts B&W-Hallen mit 11.000 Zuschauern verschlang nach Medienberichten drei Millionen Euro mehr als veranschlagt. Für die Finanzierung des Hallenumbaus ist jedoch eine Projektgesellschaft zuständig, die unter anderem von der Stadt unterhalten wird.

Wird Wien der Austragungsort?
Die Entscheidung, wo Österreich genau das Event veranstalten wird, dürfte allerdings noch eine Weile auf sich warten lassen. Düsseldorf erhielt etwa erst Anfang Oktober 2010 den Zuschlag für die Ausrichtung der Veranstaltung im Mai 2011, für die sich auch Berlin, Hamburg und Hannover beworben hatten.

So wäre auch nicht zwangsläufig klar, dass Wien den Musikzirkus beheimaten wird. Der ESC gastiert sogar gerne außerhalb der großen Metropolen: So finden sich weniger glamouröse Austragungsorte wie Harrogate, Brighton oder im Vorjahr Malmö auf der Liste. Allerdings muss man zugestehen, dass die Hauptstädte bei den Austragungsorten klar in Führung liegen - mit derzeit 37:22.

Oder gibt Österreich an ein anderes Land ab?
Und auch wenn sich Österreich die Gelegenheit, sich vor weit über 100 Millionen Menschen zu präsentieren, wohl nicht entgehen lassen wird, könnte man die Ausrichtung des Wettbewerbs theoretisch auch abgeben, was in der Vergangenheit bereits geschehen ist. So haben Länder meist wegen der hohen Kosten auf die Ehre verzichtet. Die Niederlande (1960), Frankreich (1963), Monaco (1972) und Luxemburg (1974) ließen Großbritannien ran; Israel überließ 1980 den Niederlanden den ESC. Doch ORF-Chef Alexander Wrabetz hat bereits klargestellt: "Österreich wird Gastgeber sein."

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