Di, 21. November 2017

„Lord“ und „Reno“

11.05.2014 06:00

Zoll-Spürnasen auf Trainingslager im Wiener Zoo

Sie hören auf die Namen "Lord" und "Reno", ihr Einsatzort ist der Flughafen Wien, ihr tierischer Geruchssinn ist gefürchtet. Die "Krone" besuchte die Artenspürhunde beim Training im Tiergarten Schönbrunn.

Es ist ein sonniger Morgen, die Tiere im Schönbrunner Zoo erwachen langsam, durchstreifen die Gehege - nur am Affenareal herrscht helle Aufregung. Lautes Gekreische, Herumgehüpfe. Eine "fremde Spezies" hat sich außerhalb ihrer Umzäunung niedergelassen - es sind Hunde, ein Deutsch-Kurzhaar und ein Labrador. Sie ziehen alle Aufmerksamkeit auf sich.

"Wir wissen nie, was sich im Koffer befindet"
Lord und Reno wirbeln an den Leinen ihrer Hundeführer herum, als wüssten sie, was gleich kommt. Sie haben einen Job zu erledigen. Sie müssen gut versteckte Schmuggelware erschnüffeln - Herrl und Frauerl damit den Täter liefern. Heute wird aber nur trainiert für den täglichen Einsatz am Flughafen Wien-Schwechat, der internationalen Drehscheibe für Schmuggler. Reno und Lord sind auf das Aufstöbern von artgeschützten Tieren spezialisiert - ein Knochenjob, der lebensgefährliche Gefahren in sich birgt. Für Tier und Mensch.

"Beim einem Aufgriff wissen wir nie, was sich im Koffer befindet", sagt Rudolf Druml, Chef der Zollhundeausbildung. Bissig, giftig? Risiko wird keines eingegangen, ist der Fund verdächtig, rücken sofort die Experten aus dem Tiergarten Schönbrunn an. Und genau dort finden auch die regelmäßigen Trainingscamps für die beiden Hunde statt (480 Stunden jährlich zusätzlich zu zwei Wochen Weiterbildung). Ein Geruchs-Eldorado für die Schnüffel-Experten: Reno wirbelt zwischen Reisekoffern herum, die Schnauze am Boden, bis er vor einem Gepäckstück abrupt anhält, es sanft anstupfst. Sonst nichts. Kein Laut, kein Draufspringen.

Harald Schwammer, der Zoologische Leiter, öffnet das Teil vorsichtig. Zieht einen roten Stoffsack unter Kleidung und einen darin versteckten Python heraus. Für den erfolgreichen Fund wird der Artenschutzhund belohnt - nicht mit Schokolade, er bekommt seinen roten Spielball. Nur ganz kurz.

Schildkröten, Krokodilköpfe, Leguane und Co.
25.000 Euro kostet die Ausbildung pro Hund, 27 gibt es im Zollbereich insgesamt. "Um zehn zu wenig", sagen Insider. Drogen, Zigaretten, Medikamente, Bargeld - der Schmuggel boomt. Vor allem mit exotischen Tieren. "Es gibt nichts, was es nicht gibt", sagen die Hundeführer. Vor allem im Gepäck der Maschinen aus Südamerika finden sich unfassbare "Souvenirs": Schildkröten, Papageien-Eier, Leguane, exotische Vögel, Elfenbein, Nashornhorn, Seepferdchen, Krokodilköpfe - ja, sogar gebratene Antilopen. Reno und Lord kämpfen dagegen an. 77 Schmuggler haben sie 2013 geschnappt, Tendenz steigend.

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