So, 19. November 2017

Nach Beschwerden

08.05.2014 08:39

Salzburg: Gitter gegen Bettler unter Brücke

Nach den katastrophalen Zuständen unter der Staatsbrücke mit letztendlicher Räumung, versperrten die Behörden nun auch die Zugänge unter der Baron-Schwarz-Park-Brücke in Salzburg-Schallmoos. Die Situation spitzt sich derzeit zu, Eltern gehen in der Stadt auf die Barrikaden. Lösungen sind - dringender denn je - gefragt.

Auch unter der stark befahrenen Brücke hatte eine Gruppe von Bettlern Unterschlupf unter widrigsten Bedingungen gesucht. Die Erregung der Gemüter darüber gipfelte sogar in einer Brandattacke auf die Habseligkeiten der verarmten Menschen. Die Polizei ermittelt immer noch.

Mit Mühe gelang es nun Vertretern der Stadt, zusammen mit einem Übersetzer die Romagruppe zu überzeugen, die Nischen der Brücke zu verlassen. Einige Frauen konnten seit Dienstag die Notschlafstelle der Caritas in der "Arche Süd" beziehen. Mitarbeiter der Straßen- und Brückenmeisterei Hallein (zuständig ist das Land) versperrten nun die Zugänge mit hohen Gittern.

Auszüge aus Beschwerdeschreiben
Kurz zuvor hatten Eltern und das Schulamt Alarm geschlagen, weil sie um die Sicherheit ihrer Kinder fürchteten, die auf ihrem Schulweg am Bettlerlager vorbei mussten – hier einige Auszüge aus den Beschwerdeschreiben an das Magistrat, unter anderem von einem Mediziner an den Landeskliniken:

  • "Unter den Campierenden befand sich ein sechs bis sieben Jahre altes Mädchen, das unter unwürdigsten Bedingungen hier nächtigen muss. Die Gegend und die dort angelegten Freizeitanlagen für Kinder und Jugendliche sind stark verschmutzt. Es wird vor den Augen der Kinder das Geschäft verrichtet."
  • "Ein ebenso erschreckendes Bild zeigt sich einem an der dortigen Busstation. Nachdem die Station mit Bier besudelt wurde - man bedenke um 7.45 Uhr morgens - würgen drei Männer in allen Farben schillernden Auswurf hoch. Man wird hier unweigerlich an Tuberkulose erinnert."
  • "Unsere Kinder geraten beim Spielen in Konflikte. Sogar während der großen Pause im Park ist meine Tochter von einem Kind mit einem Stock angegriffen worden, eine erwachsene Frau hat den Mittelfinger gezeigt. Ich bin nicht einverstanden, dass ich jeden Tag unsere Kinder in die Schule bringen muss, um sie zu beschützen."

Die Stadtpolitik ist im Begriff, Lösungsvorschläge auszuarbeiten: Die grüne Gemeinderätin Ingeborg Haller warnt jedoch vor Hetze. "Ich bin gegen eine reine Abwicklung über Grundamt und Polizei. Außerdem, wie soll das rechtlich gehen? Man muss auf jeden Fall die NGOs einbeziehen, die Fachwissen über die Thematik haben. Nur mit der Verbotskeule daherkommen reicht nicht und ist einer Menschenrechtsstadt wie Salzburg nicht würdig", meint Haller. Zudem fordert die Gemeinderätin eine Basisversorgung: "Wenn schon Beschränkungen, dann auch mit einer einfachen Basisversorgung und einer Betreuung der Notreisenden", so Haller.

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