Do, 23. November 2017

Lebensbedrohlich

22.04.2014 19:29

Sbg: Bettler-Behausung unter Staatsbrücke geräumt

Dramatische bis lebensbedrohliche Zustände, die unter der Salzburger Staatsbrücke herrschten, haben vorerst ein Ende. Am Dienstagnachmittag rückten Magistrat, Polizei und Feuerwehr an und lösten die Schlafstellen von 15 Bettlern auf, die in der Brückenkonstruktion - zum Teil sogar über dem Fluss - hausten. Ihre Habseligkeiten wurden entfernt. Die Rumänen kommen übergangsweise in Container-Wohnungen in Salzburg Süd unter.

Die Vorgeschichte: Die Caritas hatte das Notquartier "Arche Süd" im Stadtteil Herrnau bis 11. Jänner geöffnet. In diesem Raum mit 15 bis 20 Betten wurden nur Männer zugelassen. Danach übersiedelte das Notquartier in die leer stehende Landespflegeanstalt der Erzdiözese im Stadtteil Mülln, dort waren zehn Männer und bis zu 15 Frauen untergebracht. Ende März wurde aber auch dieses Quartier geschlossen. Die Roma-Bettler suchten Zuflucht unter der Brücke.

Das dort gebotene Bild machte nicht nur die Beteiligten betroffen: Kiloweise verschimmelte Matratzen, Pappkartons, Kinderspielsachen, Plattenspieler, Staubsauger und vergammelte Kleidung hoben die Einsatzkräfte aus den Nischen und verfrachteten sie in Container - begleitet vom nahezu unerträglichen Geruch jener Menschen, die in ihrer Verzweiflung unter der Staatsbrücke hausten.

Schlafplätze über dem Wasser
Feuerwehrmänner hangelten sich per Seil gesichert auf den schroffen Stahlträgern über die Salzach, um zu weiteren Schlafstätten in lebensbedrohlicher Umgebung direkt über dem Wasser zu gelangen. Bettler schliefen hier auf einfachen Holzbrettern, notdürftig windgeschützt durch einige Kartons. Eine unachtsame Bewegung und der Absturz ins Wasser der Salzach ist gewiss.

Am Dienstag reagierte die Stadt - wenn auch mit einer Notlösung: In sicherer Entfernung beobachteten zehn Bettler, wie ihre Sachen auf Transporter geladen wurden. Ein Vertreter des Roma-Vereins Phurdo (Brücke) wirkte beruhigend auf die Gruppe ein. Magistratsmitarbeiter gaben ihnen die Möglichkeit ihre Habseligkeiten zu sortieren und mitzunehmen. Unbrauchbares wurde entsorgt. Das Bauamt der Stadt versperrte daraufhin den Brückenbau mit Seilen und Gittern, sodass man dort nicht mehr nächtigen kann.

Containerwohnungen als Zwischenlösung
In einer Sitzung mit dem Magistratsdirektor, Stadtvize Harald Preuner und Vertretern des Ordnungsamtes sowie des Wirtschaftshofes wurde am Vormittag beschlossen, zwei bewohnbare Container bereitzustellen, die auf dem "Park-and-ride"-Platz an der Alpenstraße aufgestellt wurden. Dort können die 15 Bettler bis zum 1. Mai unterkommen.

Danach sollen sie ein Quartier in der Notschlafstelle der Caritas bekommen, das die Stadt mit 10.000 Euro pro Monat zu bezahlen hat. Befürchtungen, dass mit der Aktion die "Büchse der Pandora" geöffnet worden sei, wurden am Dienstag ebenfalls laut. So oder so, die Situation muss dringend gelöst werden.

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