Do, 19. Oktober 2017

Taktik

18.04.2014 16:33

Wenn Kinder ihre Eltern gegeneinander ausspielen

Kinder sind sehr feinfühlig, was das Ausloten von Möglichkeiten zum Erreichen ihrer Wünsche angeht. Tun sich daher aufgrund unterschiedlicher Erziehungszugänge der Eltern Optionen zum Ausspielen der Erziehungsberechtigten auf, werden diese sehr oft und zum Leidwesen der Eltern genutzt – Stichwort: "Aber bei Papa darf ich!"

Dass damit ein Elternteil immer den sprichwörtlichen "Schwarzen Peter" hat, ist klar. Genau wie die Tatsache, dass dieses Verhalten zu Konflikten in der Partnerschaft führt. Und dazu, dass das Kind oft seinen Willen bekommt. Doch auch, wenn es so wirkt, als ob das das Kind glücklich macht: De facto fühlen sich Kinder wohler, wenn sie sich innerhalb klar vorgegebener Grenzen bewegen können.

Das Ausprobieren, bei welchem Elternteil welche Möglichkeiten bestehen, beginnt schon im Säuglingsalter – hier jedoch nicht bewusst gesteuert. Das Baby merkt, dass es beispielsweise bei Mama kuscheln kann und mit Papa wilder gespielt wird. Oder dass Mama konsequenter beim Zubettgehen ist als Papa. Und bei dem Wunsch, sein aktuelles Bedürfnis zu befriedigen, reagiert es auf diese erlebten Verhaltensweisen und sucht die Bestätigung seiner gemachten Beobachtungen durch Wiederholung der Verhaltensweisen mit dem gewünschten Erfolg. Je älter das Kind wird, desto bewusster nutzt es unterschiedliche Meinungen und Regeln der Eltern bewusst aus, um seinen aktuellen Wunsch durchzusetzen.

Besonders anfällig dafür sind Trennungssituationen oder Konflikte in der Partnerschaft. Kinder ergreifen meist Partei für einen Elternteil oder nutzen die Situation des emotionalen Aufruhrs für sich. Hier heißt es sehr schnell "Aber bei Mama darf ich das!". Aber auch in intakten Beziehungen kann es zum Ausspielen kommen. Etwa dann, wenn ein Partner eine strengere oder sicherheitsorientierte Linie bei der Erziehung verfolgt und der andere die Dinge grundsätzlich lockerer sieht und mit wenigen Regeln arbeiten möchte.

Eltern dürfen sich generell von den vom Kind wiedergegebenen Aussagen des Partners nicht beeindrucken lassen und sollten bei ihrer eigenen Linie bleiben. Erkennt man an der Häufung derartiger Situationen, dass offenbar unterschiedliche Auffassungen zu Erziehungsfragen bestehen, sollte man diese ausdiskutieren – aber nicht vor dem Kind. Stellen Sie füreinander Regeln auf und einigen Sie sich gegebenenfalls auf Kompromisse. Aber haben Sie nach außen in Richtung Ihres Kindes immer eine einheitliche Meinung und einheitliche Regeln. So wird das Kind sehr schnell davon abgehen zu taktieren, da es erkennt, dass das nichts bringt.

Beispielsweise kann die Regel lauten, dass spätestens um 21 Uhr immer Bettgehzeit ist. Und dass bis maximal eine Stunde davor noch etwas gegessen werden darf. Keiner der Partner darf dies aufweichen und die Zeiten beliebig umdisponieren, ohne dies mit dem anderen abzustimmen. Das Kind weiß dann, dass es sich immer auf das verlassen kann, was ihm seine Eltern sagen, und dass einheitliche Regeln gelten. So werden die Taktik-Spielchen immer weniger und die Konflikte ebenso.

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