Do, 19. Oktober 2017

"Krone"-Interview

05.04.2014 17:00

Warum so grantig, Herr Minister Mitterlehner?

"Wollens mich pflanzen?" – Der Grantler des Wirtschafts- und Wissenschaftsministers gegen einen Reporter war tagelang im Internet zu sehen, zehntausendfach kopiert. Auch im TV wirkte Reinhold Mitterlehner (58) gereizt: "Die Hypo-Fragerei nervt mittlerweile." Ist der Oberösterreicher tatsächlich missmutig?

"Nein, sicher nicht – ich bin kein Grantler", schüttelt Reinhold Mitterlehner den Kopf. "Wir Politiker sind auch nur Menschen. Aber natürlich gelten für uns höhere Persönlichkeitsmaßstäbe. Im Gegenteil zu jenen, die im Internet im Schutz der Anonymität alle beschimpfen."

Nach seinem Sager im Ministerrats-Foyer setzte es für Mitterlehner viel Kritik, tagelang war sein "Wollens mich pflanzen?" Diskussionsstoff auf Facebook und Twitter. "Aber kaum jemand kennt die Vorgeschichte", ärgert sich der Minister im "Krone"-Gespräch (und wird ganz, ganz leicht grantig): "Zuerst stehe ich einem ORF-Redakteur zehn Minuten lang zum Fall Hypo Rede und Antwort. Obwohl ich dabei nichts mitzuentscheiden hatte und habe. Dann fragt mich ein Reporter von einem Privat-TV wieder zum Hypo-U-Ausschuss – der wollte mich auf die Schaufel nehmen. Das hab ich dann auch so gesagt." Sein Resümee: "Ich hatte schon qualitativ höherwertige Meldungen. Aber ich bin eben ein Politiker, der authentisch bleiben will."

"Wir werden nie die wirkliche Wahrheit bekommen"
Das mit der herzhaft reschen Authentizität gelang dem Minister auch bei der ORF-Diskussionsrunde "Im Zentrum": Von "Der lässt sich nix gefallen" bis "Na hallo, der ist aber gereizt" reichte die Wertung in den Internetforen. Dazu Mitterlehner (sichtlich bemüht, jetzt absolut nicht grantig zu werden): "Natürlich gibt's beim Publikum die Sehnsucht, einen Schuldigen für das Hypo-Desaster zu finden. Ich bin sicher nicht gegen die Wahrheitsfindung. Aber wir brauchen eine differenziertere Betrachtung – oder sollen wir alle früheren Finanzminister und den Notenbankchef anklagen?"

Dass bei der koalitionären Kommunikation einiges schiefgelaufen sein muss, wenn die "Retter" nun schlechtere Imagewerte als die "Brandstifter" haben, will der Minister gar nicht bestreiten: "Aber: Wie soll denn ein derartiges Problem positiv kommuniziert werden? Wir werden nie die wirkliche Wahrheit bekommen."

"Dieses Politiker-Bashing wird immer schlimmer"
Ja, die Wahrheit. Die wird beim Thema Hypo ohnehin schon von Legenden überflutet. Etwa von jener, dass die Entscheidung gegen eine Hypo-Insolvenz nicht dem Steuerzahler, sondern vielleicht eher dem Raiffeisenkonzern nutzt.

"Ich bin fassungslos. Diese Unterstellung ist klagbar!", schimpft Mitterlehner quer über den breiten Besprechungstisch in seinem Büro (jetzt ist er wirklich sehr, sehr grantig). Für ihn ist jede Erwähnung seiner Schwägerin, die bei der Raiffeisenlandesbank OÖ im Vorstand sitzt, "unerhört": "Dieses Politiker-Bashing wird immer schlimmer."

Guter Rat: "Cool bleiben"
"Cool bleiben", rät der Politikwissenschafter Thomas Hofer dem Minister: "Mitterlehner ist doch ein gstandener Profi. Ausrutscher dürfen ihm nicht zu oft passieren. Ich glaube, dass er den Unmut, der der Regierung derzeit entgegenschlägt, auch auf sich bezieht und dementsprechend überreagiert."

Reinhold Mitterlehner als Österreichs letzter Anti-Teflon-Politiker. Menschlich eben, mit guten und etwas weniger guten Seiten. Aber wenigstens unverstellt.

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