Sa, 21. Oktober 2017

"Keine Hemmungen"

02.04.2014 16:45

Grazer stach mit Schere auf Vater ein: Einweisung

Weil er im Vorjahr mit einer Schere 22 Mal auf seinen Vater eingestochen hatte, wird ein 19-jähriger Grazer in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingeliefert. Ursprünglich hatte die Anklage auf versuchten Mord gelautet. Da der junge Mann jedoch als nicht zurechnungsfähig eingestuft wurde, wurde am Mittwoch die - nicht rechtskräftige - Einweisung verfügt.

Der 19-Jährige machte vor Gericht keinen verwirrten Eindruck, er wirkte intelligent und schilderte ganz klar, dass er regelmäßig Marihuana und sogenannte Magic Mushrooms konsumiert habe. Dadurch habe er immer wieder Probleme mit seiner Psyche bekommen und war zuletzt sogar einmal freiwillig in der Nervenklinik.

"Ich habe keine Hemmungen gekannt", schilderte der Angeklagte. Mitten in der Nacht laut Musik zu machen, gehörte da für ihn dazu, ebenfalls lautes und grundloses Schreien. Weit schwerer wog aber der Angriff auf seinen Vater bei einem Essen in einem Lokal. Zuvor hatte der 19-Jährige einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert, wie er vor Gericht angab. Plötzlich hatte er das Gefühl, dass die anderen Teilnehmer - die in dem Lokal nicht anwesend waren - von ihm unterschwellig verlangen würden, dass er seinen Vater verletze.

"Blut weggeleckt und an Wunden gesaugt"
Als er sich bei Tisch mit einer Verbandschere die Nägel schnitt, forderte ihn sein Vater auf, damit aufzuhören. Da rastete der 19-Jährige völlig aus und stach dem Mann mit der Schere 22 Mal in Nacken und Rücken. "Dann hat er das Blut weggeleckt und an den Wunden gesaugt. Es war wie in einem Vampirfilm", so Staatsanwalt Johannes Winklhofer.

Doch an all das konnte sich der junge Mann bei der Verhandlung nicht mehr erinnern. "Mögen Sie Vampirfilme?", fragte Richterin Gudrun Schmitt. "Nicht besonders", antwortete der Befragte. Er gab an, sich durch die Behandlung in der Nervenklinik, wo er seit dem Vorfall ist, deutlich besser zu fühlen.

Ein Gutachter stufte den Angeklagten als "nicht zurechnungsfähig" ein, weshalb die Einweisung in eine Anstalt verfügt wurde.

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