Mi, 22. November 2017

Mit 58,6 Jahren

01.04.2014 17:02

Österreich europaweit Spitze bei Frühpensionen

Schlechte Note für Österreichs Rentensystem: In keinem anderen Land in Europa gehen die Menschen so früh in Pension wie hierzulande - nämlich mit durchschnittlich 58,6 Jahren. Dies zeigt eine aktuelle Allianz-Studie, die am Dienstag präsentiert wurde. Aber auch für die Zukunft dürfte unser Pensionssystem nicht wirklich gerüstet sein, wie die Ergebnisse nahelegen.

Die aktuelle Allianz-Studie "2014 Pension Sustainability Index" analysiert den gegenwärtigen Stand und die zukünftige Entwicklung der Altersvorsorgesysteme von 50 Staaten weltweit. Auf Basis von Variablen wie demografischen Trends, der Situation der Staatsfinanzen oder der Ausgestaltung des Pensionssystems wird dabei die Notwendigkeit weiterer Pensionsreformen eruiert.

Pensionsantrittsalter steigt weiterhin kaum an
Wirft man einen Blick auf einzelne Indikatoren wie beispielsweise das reale Pensionsantrittsalter in Europa, zeigt sich: Auch wenn die heimische Politik das "echte" Pensionsantrittsalter anheben will – in der Praxis geht nichts weiter. Aktuell gehen wir nach wie vor mit im Schnitt 58,6 Jahren so früh in Pension wie in keinem anderen europäischen Land (siehe Grafik). Dabei erhöhte sich das Antrittsalter in einem Jahr lediglich um rund sechs Wochen.

Schweizer arbeiten europaweit am längsten
Die Schweizer wiederum sind europaweit die Einzigen, die später in Pension gehen, als es das gesetzliche Pensionsantrittsalter vorsieht, nämlich mit 65,7 Jahren. Knapp dahinter folgen die Schweden (64,3 Jahre) und die Iren (64,1 Jahre). Österreich hingegen ist das einzige Land in Europa - mit Ausnahme der ehemaligen Warschauer Pakt-Staaten -, in dem das durchschnittliche reale Pensionsantrittsalter unter 60 Jahren liegt.

In Osteuropa am frühesten in Pension gehen die Slowaken (58,8 Jahre) sowie Ungarn und Polen (59,3). Global gehen nur die Brasilianer, Thailänder, Malaysier und Türken früher in Pension - mit durchschnittlich jeweils 55 Jahren. Am längsten im Erwerbsleben stehen die Mexikaner, die mit durchschnittlich 72,2 Jahren in Pension gehen, vor den Südkoreanern (70,3 Jahre) und Japanern (69,7 Jahre).

Australien hat nachhaltigstes Pensionssystem
Abgesehen von der Problematik der Frühpensionen wird in der Studie aber auch die Rüstigkeit unseres Systems für die Zukunft bezweifelt. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass jene Länder gut positioniert sind, deren Altersvorsorgesysteme breiter angelegt sind und die ihre jeweiligen Reformen frühzeitig begonnen haben. Weltweit weist Australien - wie auch im letzten untersuchten Jahr 2011 - das nachhaltigste Pensionssystem mit dem geringsten Reformdruck auf, Platz zwei belegt Schweden, gefolgt von Neuseeland.

Österreich weltweit auf Platz 27 abgerutscht
Österreich verschlechterte sich hier im Ranking: Lag es im Jahr 2011 noch auf Platz 21, liegt es nun nur mehr auf Platz 27, hinter Malaysia und vor Kroatien. Auf dem 50. und damit letzten Platz befindet sich Thailand, knapp hinter Japan und Brasilien. Im Vergleich zur Erhebung vor drei Jahren konnten drei Staaten ihre Platzierungen gleich um mehr als acht Plätze steigern: Rumänien, Singapur und Luxemburg. "Ein gutes Ranking deutet darauf hin, dass das Pensionssystem eines Landes gut mit aktuellen und künftigen demografischen Entwicklungen mithalten kann", erklärte dazu Renate Finke, Senior Economist bei der Allianz und Autorin der Studie.

"Weitere Reformen sind dringend notwendig"
Bezüglich Österreichs Rentensystem stellte Allianz-Chef Wolfram Littich abschließend fest: "Unser Pensionssystem hat in den letzten drei Jahren weiter an Boden verloren. Um sich im Nachhaltigkeitsranking zu verbessern, sind weitere Reformen unseres Altersvorsorgesystems dringend notwendig." Dazu zähle ein klares Bekenntnis zur Kombination einer gesetzlich verankerten staatlichen mit einer starken betrieblichen und privaten Altersvorsorge. Denn nur so könne ein nachhaltiges und ausgewogenes Pensionssystem erreicht werden, das für die demografischen Entwicklungen gut gerüstet ist.

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