Mi, 22. November 2017

Statuen zerstört

30.03.2014 19:04

Asylwerber wütete in Wiener Kirchen

Zu einer regelrechten Serie von Vandalismusakten ist es am Wochenende in Wiener Kirchen gekommen. Im Wiener Stephansdom stieß ein 37-jähriger Mann am frühen Samstagabend eine Statue des Heiligen Judas Thaddäus von einem Marmorsockel und wurde festgenommen. Zudem kam es auch zu Sachbeschädigungen in drei Kirchen im 7., 8. und 16. Gemeindebezirk. Ob auch dafür der 37-Jährige verantwortlich ist, kann noch nicht bewiesen werden, ist aber sehr wahrscheinlich.

Zahlreiche Zeugen hatten gegen 17.15 Uhr das Geschehen im Wiener Stephansdom beobachtet. Als der 37-Jährige - ein Asylwerber aus Ghana - nach seiner Tat den Dom verlassen wollte, hielten sie ihn vor dem Dom-Shop bis zum Eintreffen der Polizei fest. Für den Verdächtigen klickten die Handschellen.

Nach seiner Festnahme verwies der 37-Jährige, der auf die Beamten einen verwirrten Eindruck machte, auf eine "Eingebung", die ihn dazu bewogen habe, gegen "die Statuen-Verehrung vorzugehen", erklärte Polizeisprecher Roman Hahslinger am Sonntag. Der Mann soll die Gläubigen außerdem als "Marionetten" bezeichnet haben.

Faber: "Es hat sich um einen Wahnsinnigen gehandelt"
Dompfarrer Toni Faber meinte, der 37-Jährige sei nach Aussagen von Augenzeugen "psychotisch verengt" und von einer "inneren Bewegung ergriffen" erschienen. "Er hat den Heiligen runtergerissen und die Säule zerbrochen. Er hat auch noch versucht, das Herz-Jesu-Bild zu ergreifen", schilderte Faber. Mitarbeiter hätten das zum Glück verhindert. Einer von ihnen sei dabei leicht verletzt worden. Es habe sich "um einen Wahnsinnigen gehandelt, der sich vor dem Vorfall über seinen iPod mit religiöser Musik in Stimmung gebracht hat", so Faber.

Für die einschreitenden Beamten lagen keine hinreichenden Gründe vor, die Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Anstalt zu veranlassen. Er kam zunächst in den regulären Arrest, wurde aber mittlerweile wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach Ansicht der Strafverfolgungsbehörden waren keine Haftgründe gegeben, welche die weitere Anhaltung des Mannes gerechtfertigt hätten, hieß es.

Statue wird restauriert und wieder aufgestellt
Laut Dompfarrer Faber kommt es "leider immer wieder" zu Zwischenfällen im Stephansdom. Schwere Sachbeschädigungen seien zum Glück eher selten. Der beschädigte Heilige Judas Thaddäus - er gilt als Schutzpatron der verzweifelten und hoffnungslosen Fälle und als Helfer der sehr bedrängten und von der Welt verlassenen Menschen - soll nach seiner Restaurierung wieder am vorgesehenen Ort neben dem Herz-Jesu-Altar aufgestellt werden.

Drei weitere Vandalenakte in Wiener Kirchen am Wochenende
Es war jedoch nicht einzige Fall von Vandalismus in Wiener Kirchen an diesem Wochenende. So berichtete die Erzdiözese Wien am Sonntag via Aussendung von gleich vier Vandalismusakten - neben dem Stephansdom sei es zu Zwischenfällen mit Sachschäden in der Pfarrkirche Breitenfeld im 8. Bezirk, der Pfarrkirche Neuottakring im 16. Bezirk und der Lazaristenkirche im 7. Bezirk gekommen.

So wurden in der Pfarrkirche Breitenfeld insgesamt vier Statuen zu Boden geworfen und der Deckel des Taufbrunnens zertrümmert. In der Lazaristenkirche warfen Unbekannte nahezu alle Statuen im Kirchenraum um - viele davon wurden dadurch zerstört. Auch der hölzerne Korpus eines Kruzifixes wurde heruntergerissen und die Arme abgeschlagen. Der schweren steinernen Statue des Heiligen Vinzenz wurden zudem die Finger abgeschlagen. Die Höhe des entstandenen Sachschadens in den vier Wiener Kirchen ist bislang noch nicht bezifferbar.

Nach Informationen der "Krone" könnte es darüber hinaus auch in drei weiteren Kirchen im Bezirk Meidling zu Vandalenakten gekommen sein. Dies wird derzeit überprüft.

Erzdiözese Wien über "Ausbruch von Gewalt" erschüttert
Zwar komme es eher selten zu Vandalismusakten in Kirchen, erklärte der für die Stadt Wien zuständige Bischofsvikar Dariusz Schutzki, dennoch habe der jetzige "Ausbruch von Gewalt" doch erschüttert. "Der Vandalenüberfall ist ganz untypisch für das sonst so friedliche Leben der Religionen in Wien - und wird ihm auch nichts anhaben können", so Schutzki weiter. Zu Mutmaßungen über die Motive des oder der Täter wollte sich die Erzdiözese Wien jedoch nicht hinreißen lassen und setzt ganz auf die Ermittlungsarbeiten der Polizei.

Ob derselbe Verdächtige, der auch im Wiener Stephansdom sein Unwesen getrieben hatte, für die Vandalenakte verantwortlich ist, ist noch nicht bekannt. Zwar liege die Vermutung nahe, dass es sich bei dem 37-Jährigen um einen Serientäter handelt, erklärte Polizeisprecher Roman Hahslinger, bewiesen sei aber noch nichts. Der Verdächtige soll daher in der kommenden Woche zu den Vandalenakten in den drei weiteren Kirchen befragt werden.

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