Sa, 18. November 2017

Sager mitgeschnitten

25.03.2014 11:45

„Fehlleistung“: Mölzer beichtet „Negerkonglomerat“

Der freiheitliche Spitzenkandidat für die EU-Wahl, Andreas Mölzer, hat nach dem Auftauchen eines Mitschnittes seinen Sager von der EU als "Negerkonglomerat" zugegeben und sich dafür entschuldigt. In einer Aussendung betonte er, dass ihm diese Aussage "so nicht erinnerlich" gewesen sei, und sprach von einer "semantischen Fehlleistung". "Die Wortwahl war verfehlt und auch nicht so beabsichtigt", so Mölzer. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache steht weiterhin hinter dem freiheitlichen Spitzenkandidaten bei der EU-Wahl.

Mölzer hatte bis zum Auftauchen des Tonbandmitschnittes gemeint, er habe lediglich das Wort "nekrophil" im Zusammenhang mit einer überalterten Gesellschaft verwendet. Die neue Rechtfertigung lautet nun, "dass die Podiumsdiskussion zum Zeitpunkt, als die Aussagen gefallen sind, bereits längst ins Satirisch-Ironische abgeglitten war". Dies sei allen Anwesenden klar gewesen "und offensichtlich auch dem Journalisten der Süddeutschen Zeitung", der die Aussagen publik gemacht hatte. Dieser habe "immerhin fünf Wochen gebraucht, um aus den satirischen Aussagen einen politischen Vorwurf zu konstruieren".

Blümel: "Ansehen Österreichs Schaden zugefügt"
Als "unfassbare Entgleisung" bezeichnete ÖVP-Generalsekretär Gernot Blümel Mölzers Aussagen. Dieser disqualifiziere sich damit als EU-Parlamentarier und als Politiker per se. "Die Verharmlosung eines der schlimmsten Terrorregimes in der Geschichte ist inakzeptabel", betonte Blümel, der auch eine Stellungnahme von FPÖ-Chef Strache forderte. Mit solchen Aussagen füge Mölzer dem Ansehen Österreichs enormen Schaden zu.

Für SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos sind Mölzers Aussagen "beschämend und ein Armutszeugnis für die Freiheitlichen". Neben dem Inhalt selbst habe Mölzer außerdem gelogen. "Wieder einmal zeigt sich das wahre Gesicht der FPÖ. Das Gebot der Stunde sind persönliche Konsequenzen Mölzers, die nur einen Rücktritt bedeuten können." Strache müsse seinen EU-Kandidaten "umgehend aus allen politischen Funktionen in der FPÖ entfernen".

Strache steht hinter Mölzer
FPÖ-Chef Strache sieht allerdings keinen Grund für einen Rückzug von Mölzer als freiheitlicher Spitzenkandidat bei der EU-Wahl. Mit dessen Entschuldigungen für den Ausdruck "Negerkonglomerat" sowie für den Vergleich zwischen EU und Drittem Reich sei die Sache für ihn "gegessen und erledigt", erklärte der Obmann der Freiheitlichen bei einer Pressekonferenz Dienstagvormittag.

Zuvor hatte sich Mölzer für seinen Vergleich der EU mit dem Dritten Reich gerechtfertigt. "Einmal mehr verurteile ich die Verbrechen des Nationalsozialismus sowie insgesamt den kriminellen Charakter des NS-Regimes in unmissverständlicher Weise", stellte er nach einem ähnlichen Redebeitrag im Wiener Gemeinderat noch einmal via Aussendung klar. Sein Versuch, "die absurde Regulierungswut der Europäischen Union mittels eines drastischen Bildes anzuprangern" (siehe Infobox), habe "eine völlig missverständliche und böswillige Deutung durch die politischen Mitbewerber" ermöglicht.

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