Sa, 25. November 2017

Nach Finanzaffäre

11.03.2014 14:45

Kulturminister setzt Burgtheater-Chef vor die Tür

Paukenschlag in der Causa Burgtheater: Direktor Matthias Hartmann ist am Dienstag von Kulturminister Josef Ostermayer vor die Tür gesetzt worden. Ostermayer zieht damit die Konsequenzen aus der aktuellen Finanzaffäre der Burg und entlässt Hartmann. Ein Akt, den es in der Geschichte des Hauses am Wiener Universitätsring bisher noch nie gegeben hat. Hartmann will gegen die Entlassung klagen.

Das nun endgültige Aus für Hartmann an der Burg erfolgte nur wenige Stunden nachdem er selbst angeboten hatte, sein Amt bis zur Klärung der Vorwürfe ruhend zu stellen. Der bisherige Burgtheater-Chef bestätigte die gegen ihn ausgesprochene Entlassung Dienstagmittag in einer Aussendung.

"Man möchte meinen, dass sich der künstlerische Geschäftsführer auf die kaufmännische Direktion, die Kontrollfunktion der Holding und die Wirtschaftsprüfer verlassen könnte. Da wurde ich offensichtlich völlig im Stich gelassen und muss dafür jetzt büßen", so Hartmann. Er unterstrich, die Entlassung nicht zu akzeptieren. Deshalb habe er unmittelbar eine Rechtsanwaltskanzlei damit beauftragt, dagegen Klage einzubringen. Hartmanns Anwalt betonte, "dass die Entlassung vorschnell erfolgte".

Ostermayer: "Erhebliche Verletzungen der Sorgfaltspflicht"
Kulturminister Josef Ostermayer sagte Dienstagmittag bei einer Pressekonferenz: Zwei Rechtsgutachten zur Mitverantwortung an der derzeitigen Lage des Burgtheaters hätten bei Hartmann "erhebliche Verletzungen der Sorgfaltspflicht eines Geschäftsführers" festgestellt. Erhebliche Mängel im Rechnungswesen seien nicht behoben worden. Dadurch sei eine fristlose Entlassung auszusprechen gewesen.

Der Burgtheater-Aufsichtsrat habe am Vormittag seine einstimmige Zustimmung für die Abberufung des Direktors gegeben. Diese Schritte seien notwendig gewesen, "um Schaden von der Republik und dem Burgtheater abzuwenden". Dabei wurde Hartmann just jenes Unverzüglichkeitsprinzip zum Verhängnis, das nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe im November 2013 zur Entlassung der Vizedirektorin und ehemaligen kaufmännischen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky geführt hatte.

Nach dem Aufsichtsrat-Beschluss habe er Hartmann getroffen und ihm angeboten, dass dieser von sich aus die Funktion zur Verfügung stelle - "aber natürlich nicht zeitlich befristet", so Ostermayer. Dieses Angebot habe der Direktor jedoch nicht angenommen.

Hartmann darf sein Büro künftig nicht mehr betreten
Infolge der fristlosen Entlassung muss Hartmann seinen Arbeitsplatz unverzüglich räumen und darf sein Büro künftig nicht mehr betreten. Ostermayer verwies jedoch darauf, dass Hartmanns Tätigkeit als Regisseur von der Entlassung grundsätzlich nicht betroffen sei. Hartmann probt derzeit sein Projekt "Der falsche Film", das am 6. April im Akademietheater uraufgeführt werden soll.

Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 19. März werde ein interimistischer künstlerischer Geschäftsführer gesucht, sagte Ostermayer, für eine dauerhafte Lösung sei dagegen unverzüglich eine Ausschreibung notwendig. "Das Wesentliche ist aber, wieder Ruhe ins Haus zu bringen, damit wieder über die Stücke auf der Bühne und nicht das Theater hinter der Bühne gesprochen wird."

Holding-Chef Springer zieht sich aus Aufsichtsräten zurück
Auch Georg Springer, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, setzte am Dienstag persönliche Schritte. Der mächtige Holding-Chef zieht sich komplett aus den Aufsichtsräten der Töchter zurück. "Ich glaube, dass es dadurch eine wesentliche Verbesserung für die Zukunft geben kann", zeigte sich Springer bei der offiziellen Pressekonferenz von Ostermayer zur Causa optimistisch: "Die Vorgänge haben mich ebenso überrascht, vielleicht sogar so entsetzt wie Sie."

Holding-Prokurist Othmar Stoss wird Springer in den Aufsichtsräten nachfolgen. Springer bleibt aber weiterhin Geschäftsführer der Holding. Den Vorsitz in den jeweiligen Kontrollgremien soll allerdings nicht Stoss, sondern Christian Strasser übernehmen. Der Chef des Wiener Museumsquartiers sitzt bereits in den Aufsichtsräten von Burgtheater und Co.

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