Fr, 24. November 2017

„Krone“-Interview

03.03.2014 09:33

Ukrainer haben „Angst vor entfesselten Russen“

Der Villacher Andreas Kuchler (63) bereist mit Hilfskonvois seit vielen Jahren die gesamte Ukraine. Kaum ein Österreicher kennt daher die Verhältnisse vor Ort so gut wie er. Angesichts der aktuellen Entwicklung schildert er, was seine Freunde in der Ukraine über die aktuelle Situation berichten, seine Einschätzung der Lage und was die Menschen von Russen-Präsident Wladimir Putin halten.

"Krone": Wie reagieren die Menschen auf die Entwicklung?
Andreas Kuchler: Nahezu täglich stehe ich in telefonischem und E-Mail-Kontakt mit Freunden in Kiew, in der Ostukraine und in der Karpatenregion. Die Menschen weinen. Sie sind in allergrößter Sorge. Sie haben Angst vor den entfesselten Russen.

"Krone": Wie ist die derzeitige Stimmung in der Ostukraine?
Kuchler: Es gibt Provokationen gegen die ukrainischen Behörden. Ein Großteil der Menschen lässt sich trotz prorussischer Stimmung nicht so fernsteuern. Die Menschen wollen nur ein normales Leben in Frieden führen, mit Zukunftsperspektiven - aber in der Ukraine.

"Krone": Wie sieht man das Agieren der Russen auf der Krim?
Kuchler: Die Ukrainer, mit denen ich gesprochen habe, sagen, das sei eine Invasion. Es wird befürchtet, dass es zum Bürgerkrieg kommt. Es baut sich weiterer Hass gegen Putin auf, weil die Menschen sehen, dass der Diktator in imperialistischem Streben wie im Kaukasus vorgeht.

"Krone": Wie ist die Erwartung gegenüber EU und USA?
Kuchler: Die meisten Ukrainer sind enttäuscht: große Klappe, wenig dahinter.

"Krone": Wie kann es weitergehen?
Kuchler: Das hängt vom westlichen Verhandlungsgeschick und von Putin ab. Der frühere KGB-Offizier wird seine Militärmaschine wohl kaum anhalten, er will die Ostukraine mit der Schwerindustrie wie die Krim aus der Ukraine herausreißen.

"Krone": Was könnte die Eskalation noch stoppen?
Kuchler: Die EU, bisher wie das Kaninchen vor der Schlange, sollte vermitteln. Und die Ukraine braucht einen integren Staatsmann an der Spitze - und nicht wieder einen Staatskassenplünderer.

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