Di, 17. Oktober 2017

Bronze-Benjamin

22.02.2014 16:24

Streit mit Schröcksnadel vor Karls Olympia-Bronze

Die Olympia-Bronzemedaille von Benjamin Karl in Krasnaja Poljana ist mühevoll erobert. Der erfolgsverwöhnte Niederösterreicher kämpfte in der ganzen Saison mit den weichen Schneebedingungen, beim Parallel-Slalom am Samstag hatte er sie im Griff. Und das, obwohl die unmittelbare Vorbereitung wenig optimal war, hatte er am Vortag doch noch ein Streitgespräch mit ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel geführt.

Schröcksnadel hatte am Freitag in der Bilanz-Pressekonferenz des Österreichischen Olympischen Komitees das noch medaillenlose Snowboard-Lager kritisiert und den 28-jährigen Karl namentlich hervorgehoben, weil dieser im Parallel-Riesentorlauf einen Vorsprung nicht verwalten konnte und ausgeschieden war.

"Ich habe eine Stunde mit Peter geredet, wir haben alles ausgeredet. So was brodelt in mir, ich muss so etwas sofort aus der Welt schaffen. Wir haben mit einem Streitgespräch begonnen, in dem einer den anderen befetzt hat, und haben dann damit aufgehört, dass er gesagt hat, wenn ich Olympiasieger werde, zahlt er mir einen Surftrip nach Hawaii. Jetzt geht sich vielleicht Ägypten aus", sagte Karl.

Karl, der nach Riesentorlauf-Silber vor vier Jahren in Vancouver seine zweite Olympia-Medaille eroberte, merkte an, dass die noch nicht so hohe Edelmetall-Anzahl wohl die Emotion mit dem Präsidenten durchgehen ließ. "Er hat ja auch einen Erfolgsdruck. Emotionen sind schwer steuerbar, deswegen wollte ich ihn anrufen. Mir war klar, dass er das nicht so böse gemeint hat."

Schon vier WM-Goldene
Es gab Zeiten, da war Karl fast unschlagbar. Bei Weltmeisterschaften hat er vier Goldmedaillen gewonnen (Slalom Sungwoo 2009, Riesentorlauf und Slalom La Molina 2011, Riesentorlauf Stoneham 2013), zweimal entschied er den Gesamtweltcup für sich (2007/08, 2009/10), 14 Mal stand er in Weltcuprennen ganz oben (9 Riesentorlauf, 5 Slalom). Aber die Zeiten haben sich etwas geändert, und der Spezialist für pickelharte Pisten musste sich mit den immer häufigeren weichen Schneebedingungen erst anfreunden.

"Ich habe immer gesagt, wenn es eisig ist, gehöre ich zu den Favoriten. Wenn es weich ist, werden wir schauen, was ich gelernt habe. Ich bin so glücklich, dass ich zeigen konnte, was ich mir heuer in unglaublichster Kleinarbeit angeeignet habe. Dass sich das im letzten Rennen der Saison und das bei den Olympischen Spielen so zusammenfügt, ist gewaltig. In der vergangenen Saison wäre ich froh gewesen, wenn ich bei solchen Verhältnissen unter die 16 gekommen wäre, deshalb hat diese Medaille einen hohen Stellenwert", sagte der 1,86 Meter große und 90 Kilo schwere Athlet.

Da sei es auch egal, dass er im Halbfinale um vier Hundertstel gegen den Russen und späteren Olympiasieger Vic Wild verloren habe. "Es ist kein Wermutstropfen für mich. Es ist eine unglaublich gewonnen Bronzemedaille." Karl wurde in St. Pölten geboren, lebt mit seiner Ehefrau Nina und Tochter Benina in Lienz in Osttirol.

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