Fr, 15. Dezember 2017

"Doppelt gemoppelt"

22.02.2014 10:14

Lehrervertreter: "Matura hat keinen Sinn mehr"

Die Debatte um die Zentralmatura hat eine neue Ebene erreicht. Denn der oberste AHS-Lehrervertreter Eckehard Quin stellt nun die Matura an sich infrage: Er sehe keinen Sinn darin, dass es einerseits die Matura und andererseits immer mehr Aufnahmeverfahren für Studienanfänger gebe, sagte Quin im Ö1-"Morgenjournal" am Samstag.

"Im Moment moppelt man in Österreich doppelt. Es gibt immer mehr Aufnahmeverfahren im tertiären Bildungsbereich - an Universitäten, Fachhochschulen. Die Matura als allgemeine Studienberechtigung hat dann eigentlich keine Berechtigung mehr", meinte Quin.

Abstimmung in der Infobox: Ist die Matura noch sinnvoll?

Besonders wenn das Niveau sinke, verliere die Matura ihre Bestimmung, so der Lehrervertreter. Auch bei der Zentralmatura sei das ein Problem, denn wenn die schriftlichen Aufgaben an allen Schulen gleich seien, weil diese vom Bund vorgegeben werden, könne man nur noch Mindeststandards überprüfen, so Quin. "Eine schlechte Matura ist letztlich wertlos."

Als AHS-Abschluss kann er sich ein einfaches Zeugnis vorstellen. Zudem würde sich der Steuerzahler Millionen ersparen, die derzeit in die Matura fließen, wenn die AHS-Schüler die achte Klasse ganz normal absolvieren würden, meint Quin.

Rudas: "Durchaus über Matura diskutieren"
Ähnliche Töne kamen diese Woche von SPÖ-Bildungssprecherin Laura Rudas: "Man kann durchaus über die Matura an sich diskutieren, also ob man nach acht Jahren Schule dann noch eine Prüfung braucht." Sie meint: "Wenn man sich für die Matura entscheidet, dann muss es nicht die strengste und härteste Prüfung sein. Immerhin hat derjenige ja schon acht Jahre geschafft. Aber es darf keinen Unterschied machen, in welche Schule man geht."

Daher begrüße sie das System einer zentralen Vorgabe der schriftlichen Prüfungen: "Ich verstehe schon die Ängste von Schülern. Aber eines muss klar sein: Das Ziel ist, dass wir ein objektives Beurteilungssystem haben, das nicht abhängig ist vom Goodwill des Lehrers und ob ich jetzt ein besonders braver Schüler bin und einen guten Draht zum Lehrer habe oder in welche Schule ich gehe."

Heinisch-Hosek: "Sehr befremdend"
Nicht gerade beigeistert über die Aussagen des christlich-sozialen Gewerkschafters Quin zeigte sich Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Dass der oberste AHS-Lehrervertreter die Matura an sich infrage stelle, sei "sehr befremdend". Heinisch-Hosek verwies lieber auf die Vorteile der neuen Zentralmatura. "Die neue Matura kommt", betonte die Ministerin und forderte: "Endlich Schluss mit der Debatte!"

Man habe die Zentralmatura zehn Jahre lang "gut vorbereitet". Sie bringe gleiche Bedingungen, einheitliche Grundkompetenzen und mehr Objektivität. Außerdem bringe sie eine bessere Vergleichbarkeit für die Unis und Fachhochschulen bei der Anerkennung von Abschlüssen, betonte Heinisch-Hosek.

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