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22.02.2014 09:00

„Rotzbub“ und Karikaturist Manfred Deix ist 65

"Karikatur ohne Bissigkeit, Drastik und Schärfe ergibt für mich keinen Sinn": So gesehen ist Manfred Deix, der am Samstag seinen 65. Geburtstag begeht, ohne Zweifel einer der sinnvollsten zeitgenössischen Karikaturisten. Nun wird der "Rotzbub" Deix sogar zum Protagonisten eines Animationsfilms.

"Man hat mir oft Geschmacklosigkeit und Brutalhumor vorgeworfen. Wer denn, wenn nicht Satiriker, soll die Dinge beim Namen nennen", meinte Deix vor zwei Jahren in einem Interview mit Gottfried Gusenbauer, Direktor des Karikaturmuseums Krems. Dort ist dem gebürtigen St. Pöltner, der in Klosterneuburg lebt, eine Dauerausstellung ("Für immer Deix!") gewidmet.

Zum 65er kommt er nun sogar zu Leinwandehren: Nach einem Drehbuch von Rupert Henning zeigt Regisseur Nils Engler unter grafischer Oberaufsicht des Porträtierten mit "Rotzbub", dem ersten voll animierten 3D-Film aus Österreich, das Leben von Manfred Deix. Angekündigt ist eine Coming-of-Age-Geschichte eines Schankburschen vom Land.

Erste Comic-Serie mit elf Jahren
Manfred Deix wurde am 22. 2. 1949 in St. Pölten geboren. Bereits als Kind zeichnete er gerne und viel, schon als Elfjähriger bekam er eine wöchentliche Comic-Strip-Serie in der "Niederösterreichischen Kirchenzeitung". An der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien studierte er ab 1965 gemeinsam mit dem späteren Roncalli-Gründer Bernhard Paul und den Malern Josef Bramer und Gottfried Helnwein.

1968 inskribierte er an der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz. Ab 1972 gab es erste Veröffentlichungen seiner Blätter in Magazinen wie "profil", "trend", später auch für "stern", "Spiegel", "pardon" und andere. Seine gezeichneten und gemalten Zeitkommentare und Titelblätter machen ihn bei einem breiten Publikum populär, seine Verspätungen bei Abgabeterminen bei den Herausgebern berüchtigt.

"Deix-Figuren" sogar im Duden
Die Untiefen und Bodenlosigkeiten der österreichischen Seele lotet das Enfant terrible der heimischen Zeichnerszene schonungslos aus. Die von ihm dargestellten Typen haben als "Deix-Figuren" geradezu sprichwörtliche Bedeutung gewonnen und wurden sogar in den Duden aufgenommen, wobei für den schadenfrohen Betrachter natürlich immer die anderen gemeint sind. 1980 erschien mit "Cartoons" der erste Deix-Sammelband in Buchform. Zahllose weitere folgten, darunter "Der dicke Deix", "Der goldene Deix" "Dichter Deix", "Der heilige Deix" und "Für immer Deix!"

Deix, dessen Signatur statt eines i-Punktes eine kleine Königskrone schmückt, ist auch als leidenschaftlicher Katzen-Liebhaber und ebenso fanatischer Verehrer der US-Band "Beach Boys" bekannt. 1984 traf er die Musiker erstmals persönlich (und stand 15 Jahre später beim Wiener Donauinselfest gemeinsam mit ihnen auf der Bühne).

"Habe nichts lieber getan, als Menschen zu beobachten"
Im Rahmen desselben USA-Aufenthaltes heiratete er auch seine langjährige Lebensgefährtin Marietta. Der Zeichner hat auch Bühnenausstattungen und Kostüme entworfen (u.a. für "Arturo Ui" am Burgtheater und "Kehraus um St. Stephan" an der Staatsoper) und zahlreiche Figuren und Objekte gestaltet. Im Karikaturenmuseum Krems ist ihm eine umfangreiche Dauerausstellung gewidmet.

"Wenn man das Glück einer guten Beobachtungsgabe hat, läuft eigentlich alles von selbst. Seit meiner Kindheit habe ich nichts lieber getan, als Menschen zu beobachten", so der sich selbst als "Harmoniejunkie" charakterisierende Cartoonist, dem Playboymentalität und Altherrengeilheit definitiv zuwider sind.

An Tabus zu kratzen und gewisse Mitmenschen zur Weißglut zu reizen war hingegen immer eine vergnügliche Aufgabe. "Als Zwanzigjähriger hab ich mir immer gedacht, ein Vierzigjähriger ist das Allerletzte", bekannte Deix im Interview zum 60er. Nun muss er zum 65er die Ultimativgrenze erneut relativieren.

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