Do, 23. November 2017

Fenninger im Talk

15.02.2014 18:29

„Es war der beste Tag meines Lebens“

Anna Fenninger ist Super-G-Olympiasiegerin. Die 24-jährige Salzburgerin gewann am Samstag in Krasnaja Poljana überlegen vor der Deutschen Maria Höfl-Riesch sowie ihrer Tiroler Teamkollegin Nicole Hosp. Fenninger holte damit Österreichs zweite Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi nach jener des Kärntners Matthias Mayer in der Abfahrt. Im Interview schüttete sie ihr Herz aus und plauderte darüber, wie sie diesen Samstag einschätzt, wie sie mit ihrer Enttäuschung nach dem Abfahrts-Aus umging und was ihr Michaela Kirchgasser sowie ihr Freund Manuel bedeuten.

"Super-G-Olympiasiegerin", wie hört sich das an?
Anna Fenninger: Es ist der beste Tag meines Lebens. 1994, als ich fünf Jahre alt war, habe ich gesehen, wie Thomas Stangassinger Olympiasieger im Slalom wurde. Seitdem ist es einer meiner größten Träume, das auch zu erreichen. Ich kann mich genau erinnern, weil ich im gleichen Skiclub bin und weil wir Kinder vom Skiclub damals in Hallein beim Empfang Spalier gestanden sind, als er gekommen ist.

Hat Ihnen der Ausfall in der Abfahrt Extra-Motivation gegeben?
Fenninger: Es waren harte Tage für mich. Es war extrem bitter, dass ich in der Abfahrt nicht ins Ziel gekommen bin. Es war eine große Chance. Ich habe in den vergangenen Tagen viel nachgedacht, wie ich in den olympischen Spirit komme. Diesmal war ich sehr cool, nicht nervös, aber fokussiert. In der Abfahrt habe ich gesehen, dass ich hier schnell sein kann. Ich wusste, das kann ich wieder.

Erklären Sie das mit dem olympischen Geist?
Fenninger: Das Erlebnis in Vancouver war so, dass ich mich da überhaupt nicht wohlgefühlt habe. Aber jeder spricht immer vom olympischen Geist oder Spirit. Die Gefühle, dass man da die ganze Welt vereint, dass man miteinander die Spiele spielt – das war eines meiner größten Ziele, als ich hier angereist bin. Dass ich das erleben möchte. Ich habe versucht, das zu spüren. Es war wichtig, dass ich aus dem Dorf rauskomme, dass mir die Decke nicht auf den Kopf fällt, dass ich nicht so verbissen auf das eine Ziel hinschaue. Dass ich mein Blickfeld erweitere. Mitzuerleben wie die Lingers eine Medaille machen, das war super. Da spürt man, wofür man kämpft, das ist das Wichtige. Das muss aufkommen, wenn man am Start steht. Warum mache ich das? Genau für diese Gefühle.

Wie groß ist nach der Enttäuschung nun die Erleichterung?
Fenninger: Sehr, sehr groß. Ich habe mir in den vergangenen Tagen einfach versucht einzureden, dass ich an mich selbst glauben muss, dass alles rundherum unwichtig ist. Das habe ich recht gut geschafft. Das war mir in der Vergangenheit nicht so bewusst, das ist erst jetzt gekommen, dass das genau das Richtige war, das ich gemacht habe.

War Ihnen vor dem Rennen klar, dass es Ihres sein wird?
Fenninger: Nein, überhaupt nicht! Aber ich habe mir gedacht: Warum soll ich nervös sein? Ich habe einfach versucht, daran zu denken, schnell zu fahren. Und nicht daran zu denken: Diesmal könnte ich das gewinnen, oder ich könnte das verlieren. Ich habe mir gedacht: Ich kann nicht verlieren, nur gewinnen. Deswegen bin ich einfach Ski gefahren, das ist das, was ich gern tue. Vor der Aufgabe, die ich zu bewältigen hatte, war ich dann schon nervös, aber in der Früh habe ich gewusst, ich darf nicht zu viel Energie verschwenden.

Im Ziel haben Sie mit Tränen in den Augen telefoniert. Verraten Sie mit wem?
Fenninger: Die 'Kirchi' (Michaela Kirchgasser/Anm.) hat mich vom anderen Ende vom Ziel angerufen. Sie hat geweint am Telefon, weil sie sich so für mich gefreut hat. Sie ist meine Zimmerkollegin, ein Wahnsinn, wenn man sich so mitfreuen kann mit wem anderen. Die 'Kirchi' ist da eine gute Haut (lacht).

Wie wichtig war für Sie, dass Ihr Freund Manuel hier war?
Fenninger: Sehr wichtig. Gestern habe ich den Nachmittag mit ihm verbracht und bin von dem Ganzen ein Stück weit weg gekommen in die Normalität. Dass er da ist, motiviert mich und taugt mir. Er hat im Sport auch seine Erfahrungen gemacht. Aber er kennt mich mittlerweile einfach schon so gut, er braucht mich nur anschauen und weiß, was los ist. Wenn es mir mal nicht so gut geht, dann tut er immer genau das Richtige.

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