Di, 21. November 2017

Stadthallen-Konzert

09.02.2014 01:32

Volksfeststimmung bei Pop-Legenden Depeche Mode

Darauf hatten die Fans in der Wiener Stadthalle mehr als viereinhalb Jahre gewartet: Die Synthie-Pop-Pioniere Depeche Mode gaben am Samstagabend ihr Österreich-Comeback auf großer Bühne und wussten den ausverkauften Saal zu entzücken. Mit einer Mischung aus neuen Songs, kultigen Evergreens, viel Charisma und opulenten LED-Effekten sorgten sie für Partystimmung trotz matschigem Sound.

Drogenprobleme, Krebserkrankungen, interne Streitereien und lange Kreativitäts- und Tourpausen - all diese Dinge konnten den Erfolgslauf von Depeche Mode nicht stoppen. So schaffen es die galanten Briten auch 2014 mühelos, die Wiener Stadthalle mit mehr als 13.500 Menschen zu füllen und für ein "Ausverkauft"-Schild vor den Eingangstoren zu sorgen. Seit knapp einem Jahr sind Dave Gahan und Konsorten bereits auf ihrer "Delta Machine Tour" und haben dabei mehrfach bewiesen, dass sie auch nach mehr als drei Dekaden Beständigkeit noch "State Of The Art" in der Unterhaltungsmusikbranche sind.

Persönliche Rückbesinnung
Nach den düsteren, fast schon sinistren Klängen der Electro-Pop-Jugendhoffnung Soft Moon ist das opulente Hitgeplänkel der Hauptband für viele der Anwesenden eine Rückbesinnung in die eigene Vergangenheit. Wer ist nicht schon mal um 8 Uhr morgens zu den Klängen von "Enjoy The Silence" aus der örtlichen Disco gewackelt? Wer sprang nicht zum Beat von "A Question Of Time" durch das Wohnzimmer und wer hat sich noch nicht dabei erwischt, wie er während des Autofahrens das tiefe Stimmtimbre von Dave Gahan kopiert? Eine große Band wird an Hits gemessen, Hits überdauern die Zeit - und die Uhr schlägt ganz für Depeche Mode.

"Delta Machine Tour" ist genau genommen eine kleine Mogelpackung, denn vom durchaus bekömmlichen aktuellen Album servieren die Briten an diesem Abend nur fünf ausgesuchte Häppchen. Die Erfolge der Vergangenheit werfen einen zu großen Schatten über das aktuelle Material, so kommt nach den neuen Nummern "Welcome To My World" und "Angel" erst beim Klassiker "Walking In My Shoes" erstmals gute Stimmung auf. Zu sanft und behäbig wirken die neuen Kompositionen im Direktvergleich. Deutlich merkbar in der Set-Mitte, wo das schlaffe "Heaven" argwöhnisches Publikumsstaunen erntet, das darauffolgende "Behind The Wheel" aber für Ekstase sorgt.

Die ewige Jugend
Zum warm-mechanischen Sound benötigen Depeche Mode keine extraordinären Bühneneffekte, um das Feuer im Zuschauerraum zu entfachen. Eine große LED-Leinwand mit Videoprojektionen (etwa süße Hunde bei "Precious" oder Band-Promofotos bei "Heaven") und fünf verstellbare, von der Bühnendecke hängende Lichtprojektoren reichen als optische Verstärkung völlig aus. Den Rest erledigen Songmaterial und Charisma - von Letzterem hat vor allem Frontmann Dave Gahan en masse, denn abgesehen von den ersten grauen Blitzern in den Haaren merkt man dem ständig tänzelnden und sichtlich gut gelaunten 51-Jährigen sein reales Alter nicht an.

Mit einer derart prägnanten Persönlichkeit drohen die Mitstreiter zu verblassen, doch vor allem Gahan's langjähriger Songwriting-Partner Martin Gore, der mit "Slow", "Blue Dress" und "But Not Tonight" mitreißende Akustiksongs singt, und der österreichische Live-Schlagzeuger Christian Eigner wissen sich stets gekonnt in Szene zu setzen. Die große Hit-Revue gewinnt vor allem am Ende des regulären Sets an Fahrt. Eine hervorragende, überlange Version von "Enjoy The Silence" wäre schon opulent genug, um den Zugabenblock anzukündigen, doch zuvor lassen die Herren noch den "Personal Jesus" folgen.

Synthie-Volksfeststimmung
Am Ende wird es noch besonders stark. Der erste große Band-Hit "Just Can't Get Enough" und ein überraschend rockiges "I Feel You" sorgen für Bewegung und Gesang im Publikum, bevor Gahan, mittlerweile oberkörperfrei, den zweistündigen Konzertabend mit dem melancholisch-eingängigen "Never Let Me Down Again" würdig beschließt - verwässert nur durch den matschigen Stadthallen-Sound. In Erinnerung bleiben der spielfreudigen Band tanzende Körper und wippende Hände; Volksfeststimmung im Synthie-Gewand und der Beweis, dass Hittauglichkeit, Charisma und gute Laune noch immer die beste Kombination für eine A-Liga-Popband ergeben.

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